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31. Mär 2015

Simon Sperl

Archiv

Nackt unter Wölfen

-ARCHIV-

Die Neuverfilmung des Romans von Bruno Apitz

Buchenwald: Ort des Grauens

Ende März 1945: Die Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg steht kurz bevor und damit auch das Ende der Leidenszeit der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald. Ausgerechnet jetzt wird ein dreijähriger jüdischer Junge (Vojta Vomácka) in einem Koffer in das KZ geschmuggelt und vom politischen Häftling Pippig (Florian Stetter) in der Kleiderkammer entdeckt. Das stellt die Gefangenengruppe um André Höfel (Peter Schneider) und Bochow (Thorsten Merten) vor große Schwierigkeiten: Schicken sie das kleine Kind mit dem nächsten Treck nach Bergen-Belsen in den sicheren Tod oder verstecken sie es und gefährden ihre gesamte Mission? Denn als Mitglieder des illegalen, kommunistischen, internationalen Lagerkomitees planen sie für den Moment der nahenden Befreiung durch die amerikanischen Truppen den Widerstand gegen die SS-Lagerverwaltung.

Schon seit langer Zeit sucht die SS-Lagerleitung nach den Drahtziehern und Verantwortlichen des Lagerkomitees. Findet die SS das Kind, ist nicht nur dem Komitee der Tod, sondern würde das Leben aller 50.000 Gefangenen bedrohen. Trotzdem widersetzt sich Pippig den Anweisungen Höfels, das Kind weiterzuschicken und versteckt es vor den SS-Schergen. Das entwickelt sich zu einer harten Prüfung für alle Häftlinge. Als die SS von dem Jungen erfährt, beginnt sie das gesamte Lager zu durchforsten und schreckt dabei nicht vor immer brutaleren Übergriffen zurück. Doch selbst unter Folter schweigen die Komiteemitglieder und stellen das Wohl des Kindes über ihr eigenes.

Ein Appell an die Menschlichkeit

Die 1958 erschienene Romanvorlage "Nackt unter Wölfen" und dessen Verfilmung aus dem Jahr 1962 gehörten in der DDR zum Kanon der antifaschistischen Selbstdarstellung. Nun läuft in der ARD eine neue Fassung des Films, ergänzt und erweitert um neue historische Erkenntnisse über das Lagerleben in Buchenwald.

Drehbuchautor Stefan Kolditz und Regisseur Philipp Kadelbach arbeiteten bereits bei m Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" zusammen. In "Nackt unter Wölfen" geht es anders als in der DDR-Darstellung nicht um die Ideologie des Kommunismus oder die Heroisierung der Funktionshäftlinge Pippig, Höfel oder Bochow. Im Vordergrund steht die Humanität und der Mut dieser Häftlinge. Ihnen ist es wichtiger das Leben eines einzelnen Kindes als ihr eigenes zu retten. Trotz der schlimmsten Gewalt versuchen sie, so etwas wie Menschenwürde zu bewahren.

Gleichzeitig wird aber auch deutlich, zu welchen Greueltaten Menschen fähig sind und waren. Der Aufopferung der Komiteemitglieder steht die willkürliche und menschenverachtende Gewalt der SS-Lagerbewacher gegenüber. Das Entsetzen wird bei solch makabren Aussagen eines SS-Mannes wie "Du willst doch das Lager nicht durch den Schornstein verlassen" besonders groß.

Verstörend ist es auch zu wissen, dass der Film in Teilen auf dem Außengelände des Konzentrationslagers Buchenwald gedreht wurde. Zusammen mit den ausgemergelten Komparsen, der Musik (Michael Kadelbach) sorgt der großartig aufspielende Cast um Florian Stetter, Peter Schneider oder Thorsten Merten dafür, dass das Gefühl der Beklemmung zu keiner Zeit des Films nachlässt.


UNICUM Filmtipp

Nackt unter Wölfen

Drama, Deutschland 2014

Regie: Philipp Kadelbach

Darsteller u.a.: Vojta Vomácka, Florian Stetter, Peter Schneider, Thorsten Merten

Verleih: UFA FICTION Produktion

TV-Premiere und DVD-Start: 01. April 2015

Online bestellen (Amazon): Nackt unter Wölfen

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