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15. Mai 2012

Heike Kruse

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Schottischer Student stürmt die Gipfel dieser Welt

-ARCHIV-

Der Mount Everest ist der krönende Abschluss der "Seven Summits"

Bear Grylls als Vorbild

Die höchsten Berge der Welt, verteilt auf sieben Kontinente. Wie bist du auf die ehrgeizige Idee gekommen, alle zu besteigen?
Mit 17 las ich Bear Grylls' (britischer Abenteurer und TV-Star, Anm. der Red.) Buch "Facing Up". Nach ein wenig Recherche entdeckte ich die "Seven Summits", die mir reizvolle Herausforderungen boten. Es war eine tolle Art, die Welt und verschiedene Kulturen zu entdecken, eine super Möglichkeit, mich beim Klettern körperlich auszutesten und jede Menge Menschen kennenzulernen.

Wie hast du dein Studium und das Klettern unter einen Hut bekommen?
Ich hatte die ersten drei Berge schon geklettert, bevor ich an die Uni St. Andrews gegangen bin. Erst nach meinem ersten Jahr dort habe ich im Sommer meinen nächsten Aufstieg in Alaska gemacht. Für die beiden Everest-Expeditionen musste ich mir zwei Jahre freinehmen.

Du wolltest den Mount Everest bereits 2010 besteigen. Warum musstest du damals aufgeben?
Ich bin etwa 120 Meter vom Gipfel entfernt umgekehrt, weil einige aus dem Team sehr krank waren. Einer von ihnen sprach mit seinem Rucksack wie mit einem Menschen und einem ist der Sauerstoff ausgegangen. Diese Verzögerungen haben viel Zeit gekostet. Es hätte letztlich bedeutet, dass ich allein hätte weitergehen müssen. Das war einfach nicht sicher genug.

Mit dabei: Zippo und Teddybär

Aber so war der höchste Berg der Erde 2011 dein krönender Abschluss der "Seven Summits". Wie hast du dich gefühlt, als du auf dem Gipfel des Mount Everest standest?
Wir waren etwa sieben Wochen auf dem Berg, bevor ich am 26. Mai auf dem Gipfel angekommen bin. Da kamen verschiedene Emotionen auf einmal zusammen. Erfüllung, Freude und Aufregung, weil ich es tatsächlich durchgezogen hatte. Mein Teamführer ist zehn Minuten nach mir angekommen. Mit seinem Mobiltelefon habe ich voller Hoffnung die Nummer von zu Hause gewählt und mit meinen Eltern gesprochen. Was für mich großartig war, denn sie waren ein wichtiger Teil in dem ganzen Prozess.

Was mich interessieren würde was hattest du in deinem Rucksack?
Natürlich hatte ich eine kleine Flagge, einen Union Jack, dabei. Dazu eine Menge "Energy-Gel" (Nahrungsergänzung für Sportler, Anm. der Red.), ein Taschenmesser, einen kleinen Teddybären, der auf allen meinen Expeditionen war und den ich am Gipfel gelassen habe und ein kleines Zippo-Feuerzeug, das mir ein Freund geschenkt hat. Kennst du den Film "Cool Runnings"?

Ja ein paar Jungs ...
... die Bob fahren, genau. Daraus gibt es ein Zitat, das heißt "Peace for the journey". Also haben sie das auf dem Zippo eingraviert. So hat man ein paar Dinge mit, die für die Tour vielleicht nicht besonders nützlich sind, aber die dich an zu Hause erinnern und zum Lächeln bringen.

Widerliches Essen im Höhenlager

Beim Bergsteigen verbraucht man enorm viele Kalorien. Was hast du gegessen?
Das Essen im Höhenlager ist ganz besonders widerlich. Weiter unten geht es noch, aber oben ist es dann ganz schön erbärmlich. Man isst nur noch gefriergetrocknete Mahlzeiten, die man mit kochendem Wasser aufgießt. Auf meinem ersten Anlauf im Sommer nahm ich eine Paketladung Pringels mit rauf, die mir genug Kraft für den Gipfelbereich bringen sollten.

Hattest du irgendwann Angst um dein Leben, als du in höheren Regionen geklettert bist?
Bei meinem ersten Everest-Anlauf hatte ich zwei solcher Momente: Meine Kopflampe gab den Geist auf und ich war ganz allein in der Dunkelheit. Ich bin die Strecke im Free-Climbing mit dem Gedanken aufgestiegen, dass jeder Fehler bedeuten könnte, zu sterben. Eine andere Situation passierte an der höchsten Stelle einer Route. Ich habe runtergesehen und da war eine Leiche direkt unterhalb von mir. Ich hatte noch nie zuvor eine Leiche gesehen. Das hat mich richtig erschüttert.

Abstieg härter als Aufstieg

Es ist sicherlich hart, einen Berggipfel zu erreichen, aber worauf muss man achten, wenn man wieder heruntersteigt?
Wenn man absteigt, muss man sich auf jeden einzelnen Schritt konzentrieren, weil man auf einem hohem Energielevel für zwölf bis fünfzehn Stunden der Kälte ausgesetzt war. Je tiefer man kommt, umso sicherer wird man. Trotzdem ist es immer noch harte Arbeit. Dein Adrenalin ist alle und auch der Sauerstoffvorrat geht zur Neige. Dabei ist beim Klettern nicht der Gipfel das Wichtigste, sondern vielmehr, es lebend zum Basiscamp zurückzuschaffen, mit allen Fingern und Zehen. Für mich war es richtig hart. 

Wie hast du dich nach dieser aufregenden und anstrengenden Zeit gefühlt, als du dann unten warst und alle sieben Gipfel hinter dir lagen?
Wenn man zum Basislager zurückkommt und mit den Jungs zusammen ist, die mit einem da oben waren, dann ist es so eine Art Freudentaumel. Wenn du nach Hause kommst, dauert es einige Zeit, sich wieder richtig einzuleben. Obwohl das Klettern selbst vorüber ist, ist der Prozess, der dahinter steht und der dahin führt, für mich immer noch präsent. 

Haben dich das Klettern und die Begegnungen mit Menschen auf sieben Kontinenten verändert?
Es ist einfach eine tolle Erfahrung. Ich denke, ich kann mich glücklich schätzen, einige so wundervolle Orte besucht zu haben. Überhaupt, in sieben Kontinenten gewesen zu sein, ist schon eine überwältigende Sache. Ich habe viele gute Menschen getroffen. Dabei habe ich eine Menge über mich gelernt und über andere. Ich bin in der Zeit unheimlich gereift und es war wirklich das Beste, was ich machen konnte.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Es gibt eine Menge Herausforderungen, denen ich mich gerne noch stellen möchte. Jetzt gerade studiere ich in St Andrews, aber wenn ich damit fertig bin, möchte ich gern nach Sandhurst gehen und versuchen, Offizier in der British Army zu werden.


Kurz & kompakt

  • Der Schotte Geordie Stewart ist als erster Student auf die Gipfel der jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente geklettert.
  • Los ging es 2008 mit dem Cerro Aconcagua (Südamerika), dem Kilimandscharo (Afrika) und dem Elbrus (Europa).
  • Danach folgten von 2009 bis 2010 der Mount McKinley (Nordamerika), der Mount Vinson (Antarktis) und die Carstensz-Pyramide (Australien).
  • 2011 gelang ihm mit der Besteigung des Mount Everests der Abschluss der "Seven Summits".
  • Es gibt eine Doku über ihn: "Der letzte Aufstieg".

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