Serious Games
Das Stategiespiel "Innov8" soll Verständnis für Geschäftswelt und IT schulen | Foto: IBM

24. Okt 2013

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Serious Games: Spielend zum Beruf

-ARCHIV-

Studenten sammeln in der virtuellen Welt Erfahrung für das spätere Berufsleben

Mehr Praxis durch Serious Games

Das Berufsleben ist kein Spiel. Nicht nur die Fehlinvestitionen eines Managers oder der falsche Skalpellschnitt eines Arztes können fatale Konsequenzen haben. Berufseinsteiger, denen die nötige Erfahrung fehlt, agieren daher mitunter unsicher. Während der Ausbildungsphase könnten deshalb sogenannte Serious Games den theorielastigen Lehrplan ergänzen. Diese Art der Computerspiele dient weniger der Unterhaltung, sondern soll ernste Inhalte auf spielerische Weise vermitteln. Der Studierende taucht ab in eine virtuelle Welt, in der er Situationen erproben kann, ohne dass seine Entscheidungen Auswirkungen auf die reale Welt haben.

Darüber hinaus können Serious Games aber auch Kompetenzen wie fachübergreifendes Denken und Zeitmanagement schulen. Eine der ersten deutschen Hochschulen, die auf diesem Gebiet aktiv sind, ist die TU Darmstadt. Zwischen 2011 und 2013 entwickelten Mitarbeiter der Institute für Sportwissenschaften und Multimedia Kommunikation eine Software, in der angehende Sportlehrer den Aufbau einer Übungsstunde trainieren können. Im Spiel "Virtual Sports Teacher" sollen virtuelle Schüler unterrichtet werden. Dabei können diese auch falsche Bewegungen ausführen, die der Spieler erkennen muss. Die Bewegungen der Schüler wurden mit Hilfe der Motion-Capture-Technologie aufgenommen – ein Verfahren, das es ermöglicht, jede Art von Bewegung in einem Computer zu erfassen und in eine Anwendung zu übertragen. Im Spiel können dann auch Details wie ein nicht durchgestreckter Arm am 3D-Modell erkannt werden. Am Ende des Spiels erfährt der angehende Lehrer schließlich, wo er falsch gehandelt hat.



Zusammenspiel zwischen Lerninhalten und Unterhaltung

Bislang gibt es für "Virtual Sports Teacher" nur einen Prototypen, der technisch aber noch nicht ausgereift ist. Fehler in der Steuerung und Bedienoberfläche verhindern das Gefühl, das Spiel zu beherrschen. Zudem gibt es noch keine Studie, die den Lernerfolg des Spiels misst. "Die Idee von Serious Games als Vorbereitung für angehende Sportlehrer kommt bei Studierenden und Lehrenden aber gut an", versichert Viktor Wendel vom Multimedia Communications Lab der TU Darmstadt.

Knapp 200 Kilometer südlich an der Hochschule für Technik Stuttgart (HFT) werden Serious Games bereits seit 2008 in den Lehrplan integriert. Mit dem von IBM entwickelten Spiel "Innov8" sollen Studierende der Wirtschaftsinformatik Verständnis für Wirtschaftswelt und IT entwickeln. Im Spiel müssen sie im Auftrag einer virtuellen Firma IT-Prozesse einführen und kontrollieren. Dabei betritt der Spieler eine dynamische Wirtschaftswelt, in der er Geschäftsprozesse visualisieren, Engpässe identifizieren und mögliche Entwicklungsszenarien erkunden kann, bevor die Technologie eingesetzt wird. "Innov8 bietet eine gute Einführung in das Thema Geschäftsprozessoptimierung. Viele Elemente erlebt man so tatsächlich in echten Projekten", erklärt Prof. Oliver Höß von der HFT.

"Um aber den optimalen Lerneffekt aus dem Spiel zu ziehen, müssen die Texte und Sprachausgaben in Ruhe angehört werden. Dies fällt den Spielern mitunter schwer", so Prof. Höß weiter. Noch sind Serious Games für den optimalen Einsatz im Lehrplan nicht ausgereift. Der Grund: Serious Games sind komplexer Natur, sie sind weder gewöhnliche Computerspiele noch einfache Simulationen, wie man sie zum Beispiel aus den Lehrgängen angehender Piloten kennt. Um die Motivation des Spielers zu fördern, benötigen sie eine spannende Rahmenhandlung. "Alternativ könnten Entwickler auch versuchen, die Wirklichkeit im Spiel so real wie möglich abzubilden und so konstant die Aufmerksamkeit des Spielers zu halten", erklärt Wendel von der TU Darmstadt. Das perfekte Zusammenspiel von Lerninhalten und Unterhaltung ist daher der Schlüssel für ein ideales Serious Game, an dessen Entwicklung eine ganze Branche arbeitet.


Serious Games

  • Serious Games sind digitale Spiele, die nicht primär der Unterhaltung dienen.
  • Sie haben sich zuerst im Bereich der Flugsimulation entwickelt. Erste mechanische Versuche gab es bereits um 1910.
  • Nicht nur in der Bildung und Weiterbildung können Serious Games zum Einsatz kommen, sondern ebenso in Bereichen wie Medizin, Politik und Militär.

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