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07. Sep 2012

Heike Kruse

Archiv

Studenten auf der Wartebank: 40 Jahre NC-Urteil und keine Besserung

-ARCHIV-

Recht aufs Studium (?)

Aus dem Recht für Berufswahlfreiheit sowie dem Sozialstaatsprinzip und dem allgemeinen Gleichheitssatz erfolgt ein Anspruch auf Zulassung zum Studium. So ist es jedenfalls in dem NC-Urteil vorgesehen. Gleichzeitig bleibt jedoch offen, ob bei einem Mangel an Studienplätzen der Staat für weitere Kapazitäten Sorge tragen muss. Denn bei dem Urteil handelt es sich um ein derivatives Teilhaberecht, das heißt, die zur Verfügung stehenden (finanziellen) Mittel bestimmen die konkrete Umsetzung des Rechts.Doch auch 40 Jahre nach dem Urteil ist die Nachfrage nach Studienplätzen keineswegs gedeckt und in der Zukunft ist keine entsprechende Lösung in Sicht. Auch im freien zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs), dem überparteilichen Dachverband von Studierendenvertretungen in Deutschland, ist diese Entwicklung aufgefallen. fzs-Vorstandsmitglied Torsten Rekewitz erläutert: "Laut dem kürzlich veröffentlichten Bildungsbericht 2012 fehlen in den kommenden Jahren 300.000 Studiermöglichkeiten. Zudem kommt das alljährliche Chaos bei der Studienplatzvergabe, wodurch trotz riesiger Nachfrage noch ungefähr 5% der Studienplätze frei bleiben werden."

Wir sitzen im Wartesaal zum Studium

Zurzeit gibt es extrem lange Wartezeiten an den Hochschulen. Dabei ist die Chance auf einen sofortigen Platz in den NC-Fächern trotz guter Schulnoten sehr gering. Umso unverständlicher ist es, dass freie Studienplätze nicht vergeben werden. Die Freiheit zur beruflichen Ausbildung geht momentan nicht einher mit einem Ausbildungsplatz. Erik Marquardt, fzs-Vorstandsmitglied, gibt außerdem zu bedenken: "Angesichts der Doppelabiturjahrgänge, der Aussetzung der Wehrpflicht und einer Steigerung der Studierneigung stehen wir nicht nur vor schwer lösbaren Aufgaben, sondern vor der ernsthaften Frage, ob die momentane Zulassungspraxis an Hochschulen noch verfassungsgemäß sind." Eine Lösung für dieses Problem sieht Marquardt in der Etablierung eines Hochschulfinanzierungskonzepts, "bei dem der Bund ernsthaft Verantwortung übernimmt und das auf dem Grundpfeiler 'Geld folgt Studierenden' aufbaut".

Hochschulpakt 2020

Aber auch der Staat bessert nach: Im Rahmen des Hochschulpaktes 2020 werden die Studienmöglichkeiten durch Bund und Länder weiter ausgebaut. Die für die Jahre 2011 bis 2015 erwarteten 275.000 zusätzlichen Studienanfänger sollen dadurch bessere Chancen haben, ein Studium aufzunehmen. Doch erscheint diese Maßnahme wie ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn an der Hamburger Hochschule von Abbau der Studienplätze die Rede ist.

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