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23. Jul 2013

Janina Finkemeyer

Archiv

Studenten lehnen Gehirndoping ab

-ARCHIV-

Gesundheitliche Risiken und moralische Bedenken schrecken ab

4,6 Prozent haben schon mal gedopt

Immer wieder tauchen neue Dopingfälle auf. Vor allem im Leistungssport. Titel und Rekorde müssen nach Meisterschaften wieder aberkannt werden, weil sie nur mithilfe von Aufputschmitteln erbracht wurden. Doch nicht nur im Sport können durch bestimmte Pillen Höchstleistungen entstehen, sondern auch im Studium. Verschreibungspflichtige Medikamente, die normalerweise für die Behandlung von Patienten mit Alzheimer oder einer Aufmerksamkeitsstörung verwendet werden, können bei gesunden Menschen die kognitive Leistungsfähigkeit steigern. Die Verbesserung von Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit lässt sich jedoch nur geringfügig nachweisen.

Forscher der Universität der Bundeswehr in München, der Uni Bielefeld und der Uni Erfurt haben sich mit dem Thema Gehirndoping auseinandergesetzt. Unterstützt wurden sie dabei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Für ihre Studie befragten sie über 3.200 Studierende und mehr als 1.050 Lehrende an vier deutschen Hochschulen.

Die Mehrheit der Studienteilnehmer will nichts mit Doping zu tun haben. 64,7 Prozent haben große gesundheitliche und moralische Bedenken. Bei der Einnahme von leistungssteigernden Mitteln im Beruf sind es sogar 68,5 Prozent. Die Forscher erklären dies mit den starken Nebenwirkungen der Medikamente. Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Depressionen sind keine Seltenheit. Außerdem spielt Fairness eine große Rolle. Viele Befragte würden sich nach der Einnahme mit einem schlechten Gewissen quälen, wenn sie sich einen Vorteil verschaffen. Die Kommilitonen könnten sich dann unter Druck gesetzt fühlen und auch zu Pillen greifen. Dafür möchten die meisten nicht verantwortlich sein und lehnen Gehirndoping deshalb strikt ab.

4,6 Prozent der befragten Studenten haben aber schon mal gedopt. Besonders anfällig sind Studenten mit Prüfungsangst. Bei 40 Prozent der Nutzer blieb die Einnahme einmalig, 24 Prozent griffen ein zweites und 12 Prozent ein drittes Mal zu den Mitteln. Weitere 24 Prozent machten mehr als drei Mal Gebrauch von Gehirndoping. Die Wissenschaftler führen dies auf positive Erfahrungen der Anwender zurück, obwohl die gemessene Leistungssteigerung der Medikamente eher gering ist. Laut den Ergebnissen überschätzen viele Studenten die Wirkung und gehen bei wiederholter Einnahme das Risiko einer Abhängigkeit ein.

Dr. Roland Kipke, Dozent in Tübingen, hat sich in einer Ethik-Arbeit mit dem Thema Gehirndoping beschäftigt und in einem Interview mit UNICUM über die Gefahren gesprochen: Hirndoping: Die Moral hinter den Tabletten

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