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28. Mär 2013

Almut Steinecke

Archiv

Studenten und ihre Autos

-ARCHIV-

Vier ganz besondere Gefährte(n)

Ein Hummer-Typ

Philipp Hoffmeister (21) und sein Spritfresser

"Ich habe mit meinem Vater immer ,CSI Miami' geguckt und das Auto in der Serie bewundert", erzählt der 21-jährige Philipp Hoffmeister. Vor vier Jahren hat sein Papa dann einen Hummer gekauft – einen "H 2", Baujahr 2005, für 30.000 Euro bei einem Gebrauchtwagenhändler. Sofort sanken Vater und Sohn begeistert in das weiche Leder der Autositze, die man laut Philipp ohne Übertreibung als "kleine Sessel" bezeichnen kann. Beide traten dem Essener "HummerXClub" bei, einem der wenigen Treffs deutscher Hummer-Fahrer. Anfang 2013 verstarb Philipps Vater überraschend. Nun teilt sich der angehende Bauingenieur, der noch zuhause wohnt, den Hummer-Unterhalt mit seiner Mutter, obwohl sie das Auto nicht fährt. "Über meine Mutter läuft die Versicherung. Ich bin kein Discogänger, habe mein Taschengeld immer gespart. Davon zahle ich jetzt die Spritkosten." Den Hummer nutzt er momentan nur für besondere Gelegenheiten, das Auto verbraucht einiges: "Für ein Wochenende mit Offroad-Fahrten in einem Ausflugspark locker drei Tankfüllungen", sagt Philipp. "Sobald ich mein Studium an der Uni Wuppertal fertig habe, werde ich den Hummer übernehmen. Er wird mich immer an meinen Vater erinnern."

Ab in die Wüste

Florian Manz (30) und ein alter Golf II

"Vom 'High-Life' fährt man direkt in die supertriste Wüste, über der die Geier kreisen", erzählt Florian Manz über die Teilnahme an der Rallye von Amsterdam nach Dakar im Senegal. 7 000 Kilometer durch acht Länder in weniger als vier Wochen hat der 31-Jährige gemeinsam mit einem Freund zurückgelegt. In einem Auto, welches - so die Auflage der Veranstalter - nicht mehr als 500 Euro kosten darf. "So wie 98 Prozent der Männer denken auch wir, dass wir gute Autofahrer sind", begründet der Bremer Fotografie-Student die Motivation zur Reise. Und so wurde aus einem Männertraum im letzten Winter eine abenteuerliche Reise mit technischen und kulturellen Herausforderungen. In den Bergen Marokkos werden sie nachts von einem dunklen Auto ausgebremst. Junge Marokkaner steigen aus und wedeln freudig mit Tüten voll Marihuana, das sie den Europäern feilbieten wollen. Die beiden Deutschen winken ab und dürfen weiterfahren. Trotz vieler Pannen und einer kaputten Kühlung kommen sie als Vierte ins Ziel. Im Nachbarland Gambia versteigern sie den Golf und spenden die umgerechnet 1.300 Euro für gemeinnützige Projekte vor Ort.

Ostalgie pur

René Kaden (21) und sein Trabi

Wenn René Kaden über den Campus kurvt, kriegen alle Kulleraugen: Der 21-Jährige, der an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau Kraftfahrzeugtechnik studiert, fährt einen Trabanten, Baujahr 1987. Das Ex-DDR-Geschoss "war eigentlich für meine Mutter gedacht, mein Vater hat ihr den Trabi 2008 als Witz zu Weihnachten geschenkt", erzählt der gebürtige Kölner. Leider hatte die Mama kein Faible für den Trabi. So hat ihn René nach seinem 18. Geburtstag übernommen: "Ich habe einen neue Bremsanlage eingebaut und an den Kotflügeln das Blech unter dem Duroplast geschweißt, diese trabitypische Verkleidung aus Baumwolle und Kunstharz, die aussieht wie Pappe." Den Trabi taufte er – "typisch ostdeutsch!" – auf den Namen Ronny und ist dann mit ihm zum Studieren nach Zwickau gedüst. Die rund sechs Stunden Fahrt schafft Ronny locker, nur auf der Autobahn kostet er Nerven, sagt René: "Wenn Ronnys Tacho bei 120 km/h voll ausschlägt, ist die Geräuschkulisse enorm." Wieder hergeben würde er Ronny trotzdem nicht: "Ich liebe es, an einem Auto herumzuschrauben - am Trabi kann ich mich so richtig austoben!"

Fast wie David Hasselhoff

Toni Gränitz (25) genießt den "Turbo Boost"

"Äh, Verzeihung, können sie mal den Motor anlassen?" Wildfremde Menschen beginnen zu stammeln, wenn Toni Gränitz mit seinem Auto Rast auf Parkplätzen macht, schießen ungläubig Fotos von ihm und seinem Fahrzeug. Denn Toni Gränitz, 25, Student der Kraftfahrzeugtechnik an der Westsächsischen Hochschule Zwickau, fährt "K.I.T.T." - das Original-"Knight-Rider"-Auto! Den "Pontiac Trans Am V 8", Baujahr 1985, fand er vor sechs Jahren übers Internet, "und den gebe ich nie wieder her!", schwärmt er. Denn "K.I.T.T." zu fahren "ist wie im Film! Springen kann er zwar nicht wie in der Serie", grinst der Student. Aber mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h bei 257 PS sei das "Dahingleiten" unschlagbar. Auch auf dem Zwickauer Campus hat er "K.I.T.T." schon mitgenommen: "In unserem Studiengang haben wir einen praktischen Tag, an dem wir unsere Autos technisch prüfen lassen können." Was haben die Kommilitonen dazu gesagt? "Nichts. Ihr Mund war ja offen."

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