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20.06.2016

Studienfinanzierung

Studienfinanzierung: Der Klischee-Check

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30. Okt 2014

Simon Sperl

Archiv

Studiengebühren: Gerade erst gestorben und doch bald wieder da?

-ARCHIV-

Die Hochschulrektorenkonferenz fordert die Rückkehr von Studiengebühren

Es gibt durchaus Argumente, die für die Rückkehr von Studiengebühren sprechen - aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Nicht von ungefähr greift die Hochschulrektorenkonferenz das heikle Thema Studiengebühren wieder auf: Zahlreiche Unis sind marode und finanziell schlecht gestellt. Es fehlt nicht nur Geld für die Instandsetzung von Gebäuden, sondern für das Elementare einer Uni: die Lehre. Und das obwohl Anfang Oktober so viele Studierende wie niemals zuvor ins neue Semester starteten.

Woran aber liegt das? Ganz einfach: Als die Länder die Studiengebühren absetzten, beschlossen Bund und Länder in den Hochschulpakten, die Universitäten finanziell zu entlasten. Der Bund zahlt auch fleißig, doch die meisten Bundesländer geben heute weniger Geld pro Studierendem aus als noch im Jahr 2000. Dabei ist die Finanzierung der Universitäten Ländersache und nicht die der Studierenden. Anstelle jedoch die Landesmittel auf dem gleichen Niveau zu belassen, steckten die Länder das Geld lieber in andere Bereiche. Das allein ist skandalös.

Studiengebühren können eine Lösung sein, falls…

Studiengebühren könnten dazu beitragen, die Situation der Universitäten zu verbessern, aber nur wenn gewährleistet wird, dass:

  • Abiturienten aus finanzschwächeren Familien dadurch nicht von einem Studium abgeschreckt werden;
  • sie nicht zur Verschuldung von Studierenden führen, weil Studienkredite aufgenommen werden müssen;
  • Studierende nicht mehr als zum jetzigen Zeitpunkt arbeiten gehen müssen, um sich zu finanzieren;
  • Studierenden direkte Auswirkungen spüren und nicht erst nachfolgende Semester;
  • die Bundesländer ihre Investitionen in die Universitäten dann nicht noch weiter herunterschrauben.

Was aber wäre, wenn die Bundesländer nachgelagerte Studiengebühren einführen würden? Bei einem solchen umgekehrten Generationenvertrag würde die ersten drei Fälle nicht eintreten. Und den Studierenden könnten die Bedenken gegenüber Studiengebühren genommen werden. Schließlich müssten Studierende nicht bereits während des Studiums zahlen, sondern erst nach dem Ende. Mit Abschluss des Studiums und bei Antritt eines Jobs, müssten sie einen prozentualen Anteil des Gehaltes an die Universität zahlen. Setzt man einen Mindestlohn für den Zahlungsstart und aussetzbare Zahlungen bei Krankheit, Elternzeit oder Reisen voraus, wäre das ein vorstellbares Gebührenmodell. Vielleicht sogar das einzig faire.

Einen Vorteil hätte diese Form der Studiengebühren noch dazu: Wegen der prozentual zum Gehalt zu leistenden Zahlungen müssten Besserverdiener höhere Beiträge leisten und auf diese Weise eine Art von Solidarbeitrag leisten. Auch wenn Akademiker wegen ihres höheren Gehaltes bereits über die Einkommenssteuer einen indirekten Beitrag zur Studienfinanzierung leisten, wäre dies gerechter als eine pauschale Studiengebühr pro Semester.

Trotz der Argumente, die für die Wiedereinführung von Studiengebühren sprechen, gilt, dass die Länder in der Pflicht stehen. Diese müssen für vernünftige Studienbedingungen sorgen: Es darf keine maroden Uni-Bauten, überfüllte Seminare, Labore oder fehlende Bücher in Bibliotheken geben. Ob mit oder ohne Studiengebühren.

Momentan brauchen Studierende jedoch keine Gebühren fürchten, da das Scheitern der letzten Studiengebühren noch in den Köpfen der Politiker präsent ist. Aber auch Erinnerungen verblassen...


Simon Sperl ist PR-Volontär bei UNICUM.de, hat selbst Studiengebühren zahlen müssen und fand das gar nicht gut. Denn: 500 Euro hat niemand mal eben über, noch dazu waren die Seminare trotzdem überfüllt.

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