Professor Michael Suda
Prof. Michael Suda ist immer für einen Spaß zu haben | Foto: Hochschule Rosenheim
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20. Jul 2012

Anna Giordano

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Summa cum gaudi – vier außergewöhnliche Profs

-ARCHIV-

Mit ihnen wird die Vorlesung zum Erlebnis

Michael Suda: Der Kabarettist

Technische Universität München, Nordgebäude. Das kühle, graue Wetter lässt den Plattenbau aus den Siebzigern noch trister wirken als sonst. Im fensterlosen Hörsaal N1090 herrscht dennoch gute Stimmung. Vorne steht Michael Suda, Professor für Wald- und Umweltpolitik: schlanke Figur, Brille, sympathisches Lächeln. Er hält einen Kuscheltier-Eisbären in der Hand, den er geradeauf eine Papier-Eisscholle setzt. 

Die Vorlesungenvon Professor Suda tragen bisweilen Züge einer Unterhaltungssendung im Fernsehen. Sie sind anschaulich, unterhaltsam und humorvoll. Das Thema heute: Klimapolitik. "Der Eisbär ist das Symbol des Klimawandels geworden“, erklärt Suda. "Nicht, weil er tatsächlich gefährdet wäre, sondern weil die Menschen ihn so süß finden.“ 

Dann kommt der Bezug zu lokalen Maßnahmen. Wie viel Prozent des bayerischen Staatshaushaltes werden für das Klimaprogramm investiert?“, fragt Suda. "Wer glaubt, dass es fünf Prozent sind, summt bitte jetzt."Im Hörsaalklingt es einige Minuten lang wie in einer Chorprobe. Bei 0,2 Prozent ist der Ton am lautesten. 

Solche Summabstimmungen sind Suda viel lieber als das klassische Handzeichen. "Sie geben einen kreativen Impuls und animieren die Studenten, genau hinzuhören– und sie bringen sie zum Schmunzeln!" Die Summabstimmung ist nur eine von vielen Methoden, die Suda anwendet, um seine Vorlesungen humorvoller zu gestalten. Beliebt ist auch der "Handyanruf“. 

Dabei ruft er mit seinem Handy einen fiktiven befreundeten Wissenschaftler an, um ihm Fragen zu stellen. "Sobald ich telefoniere, hören alle wie gebannt zu“, sagt Suda. "Ganz anders, als wenn ich die Dinge trocken vom Podium aus erkläre.“

"Lachen stärkt das Gemeinschaftsgefühl"

Suda passt auf, dass seine Humor-Elemente in der Vorlesung nicht überhand nehmen – und dass sie sich nicht zu oft wiederholen. "Ich probiere immer Neues aus, manchmal geht’s auch schief“, sagt er. Angefangen hat alles 1997. Damals hielt Suda eine Faschingsvorlesung, in der er mit Kinderbüchern wissenschaftliche Theorien erklärte. Die positiven Rückmeldungen spornten ihn an, weiterzumachen.

Er belegte verschiedene Humor-Seminare und machte in der Schweiz eine Ausbildung zum "Manager of BusinessEntertainment“. Die machte ihm so viel Spaß, dass er dieses Feld ausbauen wollte. Seit einigen Jahren steht der 56-Jährige nun regelmäßig auf der Bühne – zusammen mit seiner ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiterin Renate Mayer. 

Unter dem Motto "Summa cum Gaudi" zieht er zum Beispiel die Lehre an deutschen Universitäten durch den Kakao. Aber: "Ich bin kein Comedian“, betont er. Sein Kabarett sei anspruchsvoll und stehe thematisch immer der Welt der Universität oder seinem Fachgebiet nahe. "Es sind Nummern, die ich als Professor vertreten kann.“

Trotzdem: Als Schauspieler ist Suda in der deutschen Professorenlandschaft eher ein Exot. Und generell sind Humor und Wissenschaft hierzulande – anders als in Großbritannien oder den USA – zwei strikt getrennte Gebiete. Genau das findet Suda schade: "Lachen stärkt das Gemeinschaftsgefühl, regt zur Kreativität an und aktiviert das Langzeitgedächtnis“, betont er. "An das, was ich in meinen Vorlesungen lehre, sollen sich die Studenten doch auch nach der Prüfung noch erinnern.“ 

Deshalb gibt Suda für andere Professoren Kurse zum Thema "Humor in der Wissensvermittlung"– und die sind fast immer ausgebucht. Natürlich hätten nicht alle Studenten einen Sinn für Humor, aber die meisten seien begeistert. Wenn er in der TU über die Flure geht, begegnen ihm überall strahlende Gesichter. "Mein Fanclub“, sagt Suda dann. 

Seine Vorlesung "Umweltpolitik“ ist für die anwesenden Umweltingenieure nur ein Wahlfach. Trotzdem ist sie überdurchschnittlich gut besucht. Und auch von anderer Seite weiß man das Engagement Sudas zu würdigen: Im vergangenen Wintersemester hat seine Fakultät ihm den "Best Teaching Award" verliehen.


Christoph Klimmt: der Gamer

(von Birk Grüling)

"Meine Begeisterung für Unterhaltung ist immer noch groß, daran hat weder die Forschung noch das Alter etwas geändert“, sagt Christoph Klimmt und grinst dabei. Der 36-Jährige lehrt Kommunikationsforschung in Hannover und gilt dabei als einer der Vorreiter der Computerspieleforschung. Vor allem seine große Begeisterungsfähigkeit macht den jungen Professor gerade unter Studierenden überaus beliebt. Ein Umstand,über den er selbst etwas schmunzeln muss.

"Ich rede viel zu schnell"

"Ich bin mit einer Grundschullehrerin verheiratet. Wenn ich da Vergleiche ziehe, sieht es in Sachen pädagogischer Kompetenz nicht mehr so gut aus. Ich rede viel zu schnell und das Verhältnis von Inhalt pro Zeiteinheit dürfte auch nicht ganz ausgeglichen sein“, lacht Klimmt. "Ich forsche außerdem nicht nur zu Unterhaltung, sondern habe auch bodenständigere Schwerpunkte wie die mediale Vermittlung von Verkehrssicherheit“, erklärt Klimmt. 

Die Erweiterung der Themenpalette hat dabei auch einen sehr praktischen Grund. Sie soll verhindern, dass der Spaß an der Unterhaltung getrübt wird. "Ein Kollege und großer Fußballfan hat die strenge Regel: ‚Keine Forschung zum runden Leder‘ – vor allem aus Angst, seine Leidenschaft einzubüßen. 

“Andersherum kann die Forschung im Spiel durchaus nützlich sein, wie Klimmt verrät. "Ich spiele gerade Skyrim auf der PS3 und sterbe dabei für gewöhnlich sehr oft. Wenn der Frust zu groß wird, kann ich mich immer auf die Wissenschaft berufen und das Ganze unter einem analytischen Gesichtspunkt betrachten.“


Wilfried Stroh: Der Lateiner

(von Anna Giordano)

Statt mit "Herr Professor" lässt er sich lieber mit "Valahfride"ansprechen, das entspricht mehr der ästhetischen Kürze seiner Lieblingssprache. Wilfried Stroh, Professor für lateinische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist eigentlich schon emeritiert, hält aber weiterhin jedes Semester eine überaus gut besuchte Vorlesung – auf Latein!

"Cicero würde mich verstehen"

Gesprochen findet er diese Sprache fast noch attraktiver als auf dem Blatt Papier, deshalb hat er zahlreiche antike Klassiker vertont und tritt auch selbst, mit Toga und Lorbeerkranz bekleidet, als lateinischer Redner auf. Häufig an Schulen, um auch junge Menschen für die antike Sprache zu begeistern. Denn Stroh teilt seine Liebe fürs Lateinische keineswegs nur mit der Wissenschaft, sondern mit jedermann.

Sein 2008 erschienenes Buch "Latein ist tot, es lebe Latein"eignet sich somit auch als unterhaltsame Urlaubslektüre. Viele berühmte Römer waren schließlich auch eher volksnahe Wissenschaftler: "Cicero würde mich verstehen“, ist Stroh überzeugt, "er würde allerdings feststellen, dass ich Schwabe bin.“


Walter von Lucadou: Der Parapsychologe

(von Denise Haberger)

Walter von Lucadou schaut selten Horrorfilme. Es gäbe nur wenige gute, sagt er, die meisten seien sehr unrealistisch. Und er muss es wissen. Denn Walter von Lucadou ist Parapsychologe. Seine Hoffnung: Es gibt für alles eine wissenschaftliche Erklärung. 

"Paranormale Phänomene sind ganz natürlich und kommen häufig vor“, sagt der Psychologe und Physiker. Dafür verantwortlich sei keine übernatürliche Kraft, "vielmehr ist unser Gehirn auf eine ganz besondere Art mit unserer Umgebung verbunden“. 

"Als Wissenschaftler sollte man alles für möglich halten"

Von Lucadous Begriff dafür: Verschränkungskorrelation. Und die mache die vermeintlich übernatürlichen Ereignisse möglich. Sein Forschungsgebiet bringt dem Wissenschaftler oft Spott ein oder auch Titel wie Geisterjäger oder Spukforscher. Ihm ist das egal, wichtig sei ihm, Menschen zu helfen, die unter dem Paranormalen leiden. 

Dafür hat er vor mehr als 20 Jahren in Freiburg die Parapsychologische Beratungsstelle gegründet. Etwa 3.000 Menschen rufen dort jährlich an und berichten von Erlebnissen der besonderen Art. Walter von Lucadou hört geduldig zu und versucht zu ergründen, was dahinter steckt. Manchmal finde auch er keine Lösung, oft aber gäbe es eine simple Erklärung. 

Er selbst glaubt nicht an Geister und Co.: "Als Wissenschaftler sollte man prinzipiell nichts glauben, aber alles für möglich halten.“

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