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21. Apr 2012

Gloria Wilhelm

Archiv

Tierisches Uni-Projekt: Elefanten als Energielieferanten

-ARCHIV-

Wie Studierende der FH Köln aus Mist grünen Strom erzeugen

Entscheidend ist, was am Ende rauskommt

Deutschlands Politiker wollen bis zum Jahr 2020 einen Anteil von 30 Prozent an der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien gewinnen. Um das hochgesteckte Ziel zu erreichen, müssen alle mitziehen – auch die Tiere des Kölner Zoos. Soweit die Idee des Maschinenbau-Seminars "Einsatz von regenerativen Energien im Kölner Zoo" an der Fachhochschule der Domstadt.

Unter Federführung von Dozent Thomas Mockenhaupt fand das Projekt im Sommersemester 2011 statt. Erster Schritt war, im Zoo nach möglichen Energiequellen zu suchen. Mubi Araia, einer der Kursteilnehmer, erzählt: "Als wir gesehen haben, wie viel ,Biomüll’ die Zoowärter wegwerfen, wussten wir, dass wir damit etwas machen müssen." Besondere Aufmerksamkeit erregte bei den 15 Studierenden der Container mit dem Elefantenkot. "Da die Entsorgung des Dungs nicht kostenlos ist, würde sich dessen Nutzung nicht nur positiv für die Umwelt, sondern auch auf die Finanzen des Zoos auswirken", vermutete Maschinenbaustudent Benjamin Lehmann. 

Ausmisten bei brüllender Hitze

Die 14 asiatischen Elefanten des Zoos produzieren jeweils etwa einen Zentner Kot am Tag. Nur Elefantenbaby Ming Jung schafft das noch nicht ganz. "Bevor wir aber den Elefantenmist verwerteten, mussten wir den Zoo-Mitarbeitern erst darlegen, dass wir da keinen Müll mitnehmen, sondern einen Wertstoff." 

Am Anfang des Uni-Projektes stand die Aufgabe, den Kot – pardon Wertstoff – aus den Containern zu holen. Jörg Cattelaens erhielt diese pikante Aufgabe. Bei sengender Hitze hievte er den duftenden Dung aus dem Behälter. Anschließend wurde der Dung gesiebt und in einer Lagerhalle der FH Köln durch Sonnenlicht getrocknet. Jörg erklärt, dass "durch diese Art der Trocknung keine zusätzlichen Energiekosten entstehen", was ihnen bei dem Projekt wichtig war.

Elefantenmist in Brikettform

Um den getrockneten Mist in Briketts verwandeln zu können, muss er in einer Brikettmaschine gepresst werden. Da die FH Köln allerdings keine Maschine besitzt, transportierten die Studenten den Wertstoff ins benachbarte Bonn zur Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Dort stand eine fabrikneue Maschine, welche die Studenten bei ihrem ersten Versuch, Briketts herzustellen, auf eine harte Probe stellten. "Der Elefantenkot war nicht trocken genug. In der Maschine ist er dann auseinandergequollen und diese hat dabei Schaden genommen. Der zweite Versuch ist uns aber geglückt."

Die kleineren Pellets dagegen konnten die Studenten in der Kölner Fachhochschule selbst herstellen. Neben dem Elefantenmist verarbeiteten sie auch Holzreste, die gerade im Sommer durch die Gartenarbeit im Zoo anfallen, zu Pellets. Die so gefertigten Produkte, die nach der Trocknung übrigens nicht mehr stinken, eignen sich perfekt für Pelletheizungen. Der Brennwert von 4,5 Kilowattstunden pro Kilogramm entspricht dem Brennwert von Holz und ist somit qualitativ sehr wertvoll.

Die Gesamtbilanz: Der anfallende Elefantendung und die Holzreste könnten die Energiekosten erheblich senken. Hinzu käme eine CO2-Ersparnis von rund 13 Tonnen pro Jahr. Fazit des Projektes ist, dass der Zoo Massen an potenziell gewinnbringenden Wertstoffen kostenintensiv entsorgen lässt. Ändern wird der Zoo das bisherige Vorgehen allerdings nicht. "Und das, obwohl er diesen Wertstoff sogar selbst nutzen könnte, da die Werkstatt eine Pelletheizung hat", erklärt Benjamin. Grund dafür ist, dass das Projekt der FH Köln nicht überall auf Gegenliebe stößt. 

Mehr möchten die Beteiligten dazu nicht sagen. Trotz massiver Energieersparnis – von einem raten die Maschinenbauer allerdings ab: "Fürs Grillen rauchen die zu stark und auf Elefantenkot gegrillte Würstchen will kaum jemand essen – wir haben es probiert."


Kurz & kompakt

  • Die Elefanten des Kölner Zoos produzieren jeweils einen Zentner Kot pro Tag.
  • Daraus stellten Studenten der FH Köln Pellets und Briketts her, die dem Brennwert von Holz entsprechen.
  • Für ihren Einsatz erhielt das Hochschul-Projekt den Umweltschutzpreis der Stadt Köln.

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