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21. Jun 2016

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Uni-Sex – Der große Mythen-Check - Teil 1

Was wirklich in studentischen Betten abgeht

Die Kosten fürs Studium treiben Studentinnen ins Sexgewerbe!

Die gute Nachricht gleichmal vorweg. "Niemand in Deutschland muss sich prostituieren, um studieren zu können. Das sind individuelle Entscheidungen", stellt Stefan Grob klar. Der Pressesprecher des Deutschen Studentenwerks beruft sich hierbei auf die regelmäßigen Sozialerhebungen der Studentenwerke. Dort taucht die Sexindustrie als Arbeitgeber nicht auf. Aber es gibt sie: Studentinnen, die als Domina arbeiten oder Pornos synchronisieren. Eine Umfrage des Berliner Studienkollegs von 2010 unter 3000 Studierenden ergab, dass in Berlin 3,7 Prozent aller Befragten in der Sexbranche tätig sind oder waren. Jeder Dritte konnte sich zudem vorstellen, einmal selbst im Sexgewerbe zu arbeiten. Ein Wert, der die Sexualtherapeutin und Beraterin Beatrice Poschenrieder (www.liebesberaterin.de) nicht überrascht: "Ich bemerke definitiv einen entspannteren Umgang mit dem Thema. Ein Mythos ist, dass Frauen sich prostituieren, weil sie so wenig Geld haben." Trotzdem: die teilweise sehr gute Bezahlung motiviert, wie uns eine anonyme Userin auf UNICUM.de bestätigte: "Ich arbeite als Escort-Lady, aber der Hauptgrund ist eigentlich der Spaß und der Lebensstil."

Aber woher kommt dann das Image der verzweifelten Studentin auf dem Strich? Hauptsächlich durch die Medien, bestätigen unsere Recherchen. Filme wie "Das bessere Leben" mit Juliette Binoche oder "Lea - die strippende Studentin" vermitteln ein Problem, das es - zumindest in Deutschland - in dieser Form nicht gibt. Wer einen Blick in Milieuromane wie "Fucking Berlin" der ehemaligen Studentin Sonia Rossi wirft, fühlt sich bestätigt. Neugier und Kohle treibt die Studierenden ins Rotlichtmilieu, aber selten die pure Existenzangst. Wie vergleichsweise normal die Sexarbeit auch sein kann, hat Tobias, Student aus Münster, erlebt, der zwei Jahre lang einen Sexchat betreute. "Das ist im Grunde Callcenter-Arbeit", berichtet Tobias. Für rund 13 Euro die Stunde flirtete er auch unter Frauennamen, bewarf auf Wunsch per SMS männliche Genitalien mit Medizinbällen oder bediente in 160 Zeichen jeden anderen gewünschten Fetisch. "Ein gutes Partygespräch hat man mit dem Job auf jeden Fall immer", erzählt er. Gekündigt hat der Münsteraner Student dann übrigens aus Langeweile.

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