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29. Jun 2012

Anna Lenja Hartfiel

Archiv

UNICUM trifft: Betty Heidler

-ARCHIV-

Hammer-Frau: Betty Heidler will in London die Goldmedaille holen

"Wir Hammerwerfer sind immer außen vor"

Seit gut einem Jahr bist du Weltrekordhalterin im Hammerwerfen. Wie wirkt sich das auf dein Leben aus?
Es ist schon etwas anderes als vorher. Jetzt grüßen mich auch bei internationalen Meetings viele Athleten aus verschiedenen Disziplinen. Damit rechnet man so gar nicht, weil wir Hammerwerfer sonst immer so ein bisschen außen vor sind. Auch in Deutschland haben die meisten meinen Namen schon einmal gehört. Mein Bekanntheitsgrad ist dadurch gestiegen. Es ist schön, Weltrekordhalterin zu sein. Das bestätigt einen, aber es geht trotzdem immer weiter.

Du hast oft kritisiert, dass Hammerwerfer innerhalb der Leichtathletik einen schweren Stand haben. Bei Wettkämpfen startet ihr meist nur im Vorprogramm und die Preisgelder sind niedriger als bei anderen Disziplinen. Was steckt dahinter?
Es wird oft gesagt, dass wir in großen Stadien nicht werfen dürfen, weil dort Fußballrasen mit Fußbodenheizung ist. Oder es ist zu gefährlich, weil man jemanden verletzen könnte. Das kann man aber alles widerlegen, selbst das mit der Fußbodenheizung. Und der Käfig ist von den Wettkampfregeln her jetzt so sicher, dass da überhaupt nichts passiert.

Betty Heidler HammerwurfDer Hammer, also diese vier Kilo schwere Kugel an dem Drahtseil, ist aber auch nicht ohne, wenn der durch die Luft fliegt. Hast du da nicht Angst, dich oder andere zu verletzen?
Man weiß es einzuschätzen. Wenn wir im Training sind, wird gepfiffen, damit man im Käfig sicher sein kann, dass die draußen registrieren, dass man wirft. Aber ich kann mich natürlich nicht für den, der draußen ist, umdrehen und gucken, wo der Hammer aufkommt. Es ist jeder für sich selbst verantwortlich.

Auf deiner Homepage kommunizierst du viel mit deinen Fans. Bringt der Leistungssport auch so ein bisschen Popstarleben mit sich?
Ja, schon. Da bin ich ganz froh, dass ich nur Hammerwerferin bin und keine Sprinterin, die noch weitaus mehr im Fokus steht als ich. Mir schreiben auch Leute aus der Welt, um mir zu gratulieren oder Glück zu wünschen. Das ist schon krass. Auch auf der Straße werde ich oft erkannt und angesprochen. Ich werde dann rot und mir ist das voll peinlich. (lacht)

"Hammerwerferin und kurze Hose, das passt einfach nicht"

Du magst Swarovski-Schmuck, interessierst dich für Mode, bezeichnest dich selbst als eitel - passen Eitelkeit und Leistungssport zusammen?
Ja natürlich, denn ich bin ja trotzdem eine Frau. Ich achte schon darauf, gepflegt zu sein, und bin eigentlich auch immer geschminkt. Was die Klamotten angeht: Ich bilde mir nicht ein, dass ich alles tragen kann. Das kann ich einfach nicht aufgrund meiner Statur. Hammerwerferin und kurze Hose im Sommer, das passt einfach nicht. Da muss man sich dann schon etwas suchen, das trotzdem schön aussieht. Aber ich ziehe trotzdem gerne Kleider und hohe Schuhe an und mache mich schick. Das eine schließt das andere nicht aus.

Und Eitelkeit und Polizeiuniform - passt das zusammen?
Auch das passt zusammen, die Uniform muss trotzdem gut sitzen! (lacht) Ich trage die Uniform gerne. Wir hatten auch erst das grüne Modell bei der Bundespolizei. Die war nicht so schön geschnitten, besonders für die Frauen nicht. Aber die blaue ist toll. Ich finde die sehr bequem und fühle mich wohl. Ich ziehe sie gerne an - auch wenn ich sie selten anhabe. 

Die Uniform trägst du nur während deines Einsatzpraktikums. Die restliche Zeit bist du vom Dienst als Polizeihauptmeisterin bei der Bundespolizei freigestellt.
Ja, das sind zwei bis vier Wochen im Jahr, während denen ich in der Dienststelle im Schichtdienst bin. Da werde ich in eine Dienstgruppe integriert und nehme ganz normal die Aufgaben wahr. Meistens natürlich nicht so intensiv, weil mir eben die Praxiserfahrung fehlt. Aber den Dienstgrad hat man nicht ohne Grund und ich bin nicht da, um nur zuzugucken. Ich habe den Beruf ja auch gelernt und will dann natürlich auch praktisch arbeiten. Das ist bis jetzt immer sehr gut gelaufen.

Du studierst außerdem Jura an der Uni Frankfurt. Woher kam der Entschluss, zu studieren? Du bist doch eigentlich schon ganz gut ausgelastet, oder?
Ich habe 2008, ein Jahr nachdem ich die Ausbildung beendet habe, gemerkt, dass ich vom Kopf her einfach nicht ausgelastet war. Deshalb habe ich ein Fernstudium angefangen. Das hat mir nicht so gut gefallen, weil der Stoff einfach nicht dafür gemacht ist, um ihn alleine zuhause durchzuarbeiten. In Frankfurt hatte ich dann die Möglichkeit, ein Direktstudium anzufangen. Das funktioniert sehr gut. Ich kann das an der Uni als Teilzeitstudium machen und lege mir die Kurse so, wie es halt passt. Im Sommer bin ich gar nicht an der Uni, weil ich vielleicht einmal in drei Wochen hinfahren könnte, von der Zeit her. Das meiste mache ich deshalb im Herbst. Ich komme ziemlich gut durch. Ich bin in der Regelstudienzeit, trotz des Teilzeitstudiums.

"Olympia-Vorbereitung im Team, das hat schon Klassenfahrt-Charakter"

Wie ist der Kontakt zu deinen Kommilitonen?
Am Anfang habe ich zwar sehr viele kennengelernt, aber da ich so viel weg bin und die anderen durchschnittlich schon fünf Jahre jünger sind als ich, macht es nicht soviel Sinn, da Kontakte zu knüpfen. Ich bin eben keine, die oberflächlich Kontakt sucht. Ich mache eher mein Ding. Ich lerne auch lieber alleine als in Gruppen. 

Jetzt in London beim olympischen Team - hat das was von Klassenfahrt?
Der Deutsche Leichtathletik-Verband zieht sich vorher zusammen, wo dann auch alle dasein müssen, um bestimmte teambildende Maßnahmen zu machen. Das hat schon so Klassenfahrt-Charakter. Vor Ort mit der Olympiamannschaft weniger, weil dann ja - obwohl wir im Olympischen Dorf sind - jeder auf sich guckt.

Gibt es unter Hammerwerfern bestimmte Sprüche, zum Beispiel um sich Glück zu wünschen?
Was ganz häufig vor Wettkämpfen vorkommt, ist, dass die Leute sagen: "Hau rein!" Dann sage ich immer: "Nee, ich hau' nicht rein, ich hau' einen raus!"


Kurz & Kompakt:

  • Betty Heidler begann im Alter von 14 Jahren mit dem Hammerwurf.
  • Mittlerweile ist die gebürtige Berlinerin Europameisterin und hält den aktuellen Weltrekord.
  • Sie kennt ihre Rechte, denn die Hammerwerferin studiert nicht nur Jura an der Uni Frankfurt, sondern ist auch Polizeihauptmeisterin.
  • Betty Heidlers Autokennzeichen ist F-BH 8001. Die "8001" steht für ihr Ziel, das Knacken der 80-Meter-Marke.

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