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31. Jan 2014

Ann-Christin Kieter

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UNICUM trifft: Ski-Cross-Fahrer Daniel "Bohne" Bohnacker

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Die deutsche Medaillen-Hoffnung für Sotschi 2014 im Interview

"Man kann nicht immer zurückziehen, sonst erreicht man nichts"

UNICUM: Was sagst du als Athlet dazu, dass Joachim Gauck die Olympischen Spiele in Sotschi aus Kritik an der russischen Menschenrechts-Politik nicht besuchen will?
Daniel Bohnacker: Jeder Sportler freut sich auf die Olympischen Spiele, weil es das größte Ziel ist und man darauf hinarbeitet, seit man klein ist. Für die Menschen dort ist es natürlich sehr schlimm und da sind wir natürlich nicht begeistert von, aber man kann schwer beeinflussen, was drum herum passiert.

Ski Cross ist ja eine relativ junge Disziplin und erst das zweite Mal bei Olympia dabei. War das für dich längst fällig?
Klar, aus meiner Sicht natürlich schon. Jeder will ja, dass sein Sport olympisch wird. Ski Cross ist aber auch sehr medienwirksam, für den Zuschauer einfach zu verstehen und spektakulär. Beim Alpin, wenn alle gegen die Uhr fahren, sieht das für den Laien relativ ähnlich aus und der eine ist dann eine halbe Sekunde schneller als der andere. Bei unseren Rennen sieht man relativ schnell, wer als Sieger eine Runde weiterkommt und wer verliert.

Genau, ihr fahrt ja zu viert Mann gegen Mann. Kommt es da öfter vor, dass du Teamkollegen ausschalten musst?
Es ist immer schwierig, wenn Mannschaftskollegen im Heat (so werden die Runden bezeichnet, Anm. der Red.) drin sind. Im Endeffekt muss man an sich denken und sein Rennen fahren. Aber man versucht schon, dass man sich nicht gleich am Start gegenseitig abräumt, und macht vielleicht nicht die superriskanten Manöver. Aber speziell wenn es um Platz zwei oder drei geht (es kommen immer nur zwei weiter, Anm. der. Red.), ist dann doch jeder Einzelsportler.

Im März 2012 kam dein Kollege Nick Zoricic bei einem Unfall ums Leben. Wie sehr hat dich das mitgenommen?
Schon sehr. Ich war zu dem Zeitpunkt verletzt, war also gar nicht vor Ort. Man schluckt erstmal ganz schön, wenn man sieht, was alles passieren kann. Aber, wenn man dann auch die Umstände sieht, unter denen das passiert ist, da hat schon sehr viel Unglückliches zusammengespielt. Außerdem werden die Sicherheitsmaßnahmen seitdem immer weiter vorangetrieben.

Bist du generell ein Risiko-Typ? Auf deiner Homepage findet man ja auch viele Motorsport-Fotos.
Ich mache gerne actionreiche Sachen, aber ohne großes Risiko. Auch beim Fahren verzichte ich auf Manöver, bei denen es mich zu 80 Prozent dreimal überschlägt. Ich versuche einzuschätzen, dass ich auf der sicheren Seite bin und nur überhole, wenn ich wirklich eine Chance habe, vorbeizukommen. Es wäre auch ärgerlich, wenn man sich in den ersten Rennen verletzt und die nächsten Runden dann nicht mehr mitfahren kann. Aber man kann auch nichtimmer zurückziehen, sonst erreicht man nichts.

"Eine Medaille ist schon realistisch"

Im Rennen ist es dein Ziel, auf die Ideallinie und letztendlich als Erster ins Ziel zu kommen. Wie ehrgeizig warst du bei deinem Wirtschaftsinformatik-Studium?
Ich war nie der 1,0-Typ, aber so um zwei rum wollte ich schon immer haben. Prüfungen während der Saison waren natürlich immer schwierig. Dann musste ich schauen, durch welches Fach ich sicher durchkomme und wo ich nichts nachschreiben muss.

Warum hast du dich damals für Wirtschaftsinformatik entschieden?
Das ist eine sehr gute Frage (lacht). Ich habe mich schon immer für Computer interessiert, wollte aber nicht ganz so etwas Technisches machen. Es ist einfach eine gute Mischung aus BWL und Informatik.

Hast du vor, noch mit dem Master weiterzumachen?
Nein, jetzt nicht, ich möchte nach der Olympia-Saison eher anfangen zu arbeiten. Wir sind gerade mit einigen Firmen im Gespräch, inwiefern das mit dem Sport vereinbar wäre. Ich habe dual studiert und dabei viel Consulting gemacht. Das hat mir viel Spaß gemacht.

Welche Chancen rechnest du dir für Olympia 2014 aus?
Ich glaube, ich kann ganz vorne mitfahren und eine Medaille ist schon realistisch. Aber bei uns muss natürlich viel zusammenspielen. Es kommt auf die Tagesform an, weil beim Gegeneinanderfahren viel passieren kann, und ein bisschen Glück braucht man auch. Ich bin jetzt nicht so verkrampft, dass ich unbedingt da irgendwas erreichen muss, aber ich weiß schon, was drin ist.


Daniel Bohnacker

  • Daniel Bohnacker (23) ist eine der deutschen Medaillen-Hoffnungen bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi (7.–23. Februar 2014).
  • Seine Sportart Ski Cross ist erst zum zweiten Mal bei Olympia dabei. Über mehrere Läufe (Heats) liefern sich jeweils vier Skifahrer ein Rennen. Es kommen immer zwei weiter, bis nur noch vier für das Finale übrig sind. Vor dem K.-o.-System gibt's eine Qualifikation mit Einzelzeitläufen.
  • Der Kurs ist mit verschiedenen Schikanen versehen. Je nach Streckenführung werden Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreicht und Sprünge können bis zu 40 Meter weit sein.
  • Daniel hat einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik an der Dualen Hochschule in Stuttgart gemacht.
  • Mehr zu Daniel im Netz unter danielbohnacker.com

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