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08. Sep 2011

Anke-Elisabeth Schoen

Archiv

Willst du wirklich Wissenschaftler werden?

-ARCHIV-

Ein Buch klärt über den Wissenschaftsbetrieb auf

Bissig und auf den Punkt

Sein Sachbuch kommt alles andere als trocken daher. Axel Brennicke trägt sein Herz auf der Zunge und ist um keinen bissigen Kommentar verlegen. Und so konstatiert er, dass, wenn es um die Entscheidung, ob das Stadtschloss in Berlin gebaut wird oder nicht, lediglich ein paar Bauarbeiter ein paar Jahre lang betroffen seien. Geht es aber um die Frage, Diplom-, Bachelor- oder Masterabschlüsse einzurichten, so sind Generationen von jungen Leuten betroffen und verunsichert. Aber das interessiere die Politik wenig. Seine Kommentare sind oft übertrieben und polarisierend, regen zum Nachdenken und Diskutieren an.

Außerdem gibt der Wissenschaftler praktische Tipps wie sich das Leben an der Universität angenehm gestalten lässt und wie ihr zunächst überhaupt an eine Uni kommt. Auch wenn der Notendurchschnitt im Abi nicht so gut gewesen ist, empfiehlt Brennicke, persönlichen Kontakt zu suchen: Anrufen, hingehen, verhandeln, das könne "nicht schaden" und "irgendwo wird es schon funktionieren." Der Professor rät, im Studium nur die Veranstaltungen zu belegen, die euch wirklich faszinieren. Der Rest sei eh für die Katz. Von den Pflichtveranstaltungen, die absolviert werden müssen, einmal abgesehen. Er schlägt außerdem vor, einen am besten zwei Semester weiteren Kommilitonen zu suchen, der euch davor bewahrt, ein Semester oder "gar ein Jahr durchzuhängen."

"Man muss sich daran gewöhnen, wie ersetzbarer Dreck behandelt zu werden."

Die Noten im Bachelor seien vollkommen nebensächlich und nach dem Master interessiere es keinen Arbeitgeber, wie ihr Praktikum X abgeschlossen hättet. Hier sei der persönliche Eindruck viel wichtiger. Ganz so einfach, wie Brennicke sich das denkt, ist es dann wohl doch nicht. Viele Masterstudiengänge sind mit einem NC belegt und nicht jeder mit seinem Bacherlor-Abschluss kann automatisch weiter studieren. Und auch im Vorstellungsgespräch kann nur derjenige persönlich punkten, der es geschafft hat, eingeladen zu werden. Und das funktioniert in der Regel nur dann, wenn die Bewerbungsunterlagen einwandfrei sind.

Auch vor seiner eigenen Zunft macht der Wissenschaftler nicht halt: "Wer liest schon diese Doktorarbeiten von vorne bis hinten durch? Das machen noch nicht einmal Gutachter." Das würde zumindest erklären, warum es immer wieder zu Plagiatsfällen kommt, die vorher niemand entdeckt haben will. Brennicke macht uns deutlich, dass der Weg der Promotion bzw. der Habilitation kein Zuckerschlecken sei. "Als Wissenschaftler an der Universität müssen Sie sich daran gewöhnen, wie ersetzbarer Dreck behandelt zu werden." Auch solle man sich keine Illusionen machen, jemals wieder den Einstieg in die Wissenschaft zu finden, wenn man auch nur kurzfristig raus sei aus dem Job. Sein Ratgeber liest sich über weite Strecken wie eine Anleitung zum Unglücklichsein. Wenn man allerdings bereit sei sich durchzubeißen, dann sei Wissenschaftler am Ende trotzdem "ein klasse Beruf."

Brennikes Sachbuch ist entwaffnend ehrlich, urkomisch und gibt euch viele nützliche Tipps an die Hand. Kleiner Wehrmutstropfen: Der Professor bleibt seinem eigenen Fachbereich verhaftet – schließlich kennt er das auch am allerbesten – und berichtet meistens nur über die Naturwissenschaften. Außerdem hätte es dem Buch nicht geschadet, wenn er einzelne Begriffe erklärt hätte. Denn dann hätte auch der blutige Studienanfänger besseren Durchblick. In Brennikes satirischem Schmöcker wechseln sich Witz und Wahrheit einander munter ab. Das Buch ist durchaus empfehlenswert für alle Akademiker oder solche, die es noch werden wollen.


UNICUM Buchtipp

Axel Brennicke

Wollen Sie wirklich Wissenschaftler werden? ... dann los!

Spektrum Akademischer Verlag, 2011

214 Seiten

14,95 Euro

Artikel-Bewertung:

3.02 von 5 Sternen bei 130 Bewertungen.

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