Autorenbild

30. Sep 2013

Christina Scholten

Archiv

Zwischen Bizeps und Büchern: Diese Studentin startet im Bodybuilding durch

-ARCHIV-

Ganz schön stark! Interview mit Studentin und Bodybuilderin Birthe Mack

Fünfmal die Woche ist Training angesagt

UNICUM: Wie kommt es, dass du Bodybuilding machst?
Birthe Mack: Eigentlich komme ich aus dem Leistungssport im Bereich Tennis. Weil ich aber mit 17 wegen einer Verletzung aufhören musste, habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet. Ich war sehr dünn und wollte ein bisschen zunehmen – und das ist die beste Möglichkeit, kein Fett anzusetzen, sondern Muskulatur aufzubauen. Irgendwann meinte ein Bekannter aus Osnabrück, der selbst ein Wettkampf-Athlet ist, zu mir: "Birthe, du hast viel Potenzial, hättest du nicht mal Lust auf einen Wettkampf?" Da ich wie gesagt immer schon Leistungssportlerin war und mich auch gerne mit anderen in dieser Hinsicht messe, dachte ich mir, dass das eine tolle Alternative wäre. Dann bin ich bei der FIBO (Internationale Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit, Anm. d. Red.) auf den Naturalverband gestoßen. Bei denen muss nicht auf irgendwelche illegalen Substanzen zurückgegriffen werden. Ich kann mich so mit Gleichgesinnten messen, die auch keine Testosterone oder Anabolika nehmen.

Wie oft trainierst du in der Woche?
Ich mache fünfmal in der Woche Krafttraining für ca. eine Stunde. Dazu kommt viermal Kardiotraining für 30-45 Minuten, das heißt, zum Teil gehe ich auch zweimal am Tag zum Sport.

Wie schwer sind die Hanteln, mit denen du trainierst?
Bei Kniebeugen zum Beispiel, eine einfach Grundübung, liegt mein Spitzengewicht bei 75 Kilo. Bei Bankdrücken sind es knapp 53 Kilo, mit mehreren Wiederholungszahlen. Bei den Bizeps Curls nehme ich 12 Kilo. Das ist schon ordentlich Gewicht, aber ich habe noch nie meine Maximalkraft gemessen, es sind nie mehr als sechs Wiederholungen dabei heraus gekommen.

"Wer definiert Weiblichkeit?"

Wie ernährst du dich denn?
Ernährung ist wirklich das Wichtigste, das Training nimmt im Gegensatz dazu nur wenig Raum ein. Es spielt sich viel in der Küche ab, um seinen Körper zu formen. In der Wettkampfvorbereitung verzichte ich nahezu ganz auf Kohlenhydrate, es dürfen höchstens nur noch 100 Gramm am Tag sein. Das wird wöchentlich reduziert, bis es kurz vor dem Wettkampf ganz gestrichen wird.

Und warum müssen die Kohlenhydrate weg bleiben?
Sehr vereinfacht gesagt: Kohlenhydrate sind Energielieferanten. Wenn du die in deinem Körper hast, wird grundsätzlich nicht auf das Fett zurückgegriffen, sondern auf die Kohlenhydrate-Speicher. Wenn die aber leer sind, greift der Körper auf die Fettpölsterchen zurück. Und das Ziel einer Wettkampf-Diät ist es ja, einen möglichst geringen Körpertfettanteil zu erreichen. Meine Ernährung ist sehr Eiweißhaltig, viel mageres Hähnchen-, Puten- und Rindfleisch oder Fisch und Eier. Und viel Gemüse natürlich, um die Vitaminzufuhr erhalten zu können. Auf Obst muss man aber verzichten, das enthält Kohlenhydrate.

Wie kommst du denn bei den Leuten an?
Das ist ganz unterschiedlich. In normaler Alltagsbekleidung sieht man das nicht so – wenn ich ein Top anhabe, dann fällt ein dickerer Arm schon auf, aber in Jeans und Pulli sieht es nur fit aus und nicht so, als würde ich Bodybuilding treiben. Aber wenn ich im Fitnessstudio nur im Sport-BH das Posen übe oder beim Training an sich, sieht man die Muskulatur doch schon sehr. Grundsätzlich trifft man mehr auf positive Kommentare als auf Neider, aber die gibt es natürlich auch. Es gibt Leute, die sagen: "Das ist aber nicht mehr weiblich und das gefällt mir nicht." Dazu lautet meine Einstellung – Erstens: Wer definiert Weiblichkeit? Ich finde es sehr weiblich und schön, dass man solche Rundungen durch das Training bekommt und nicht durch Ansätze von Fett. Zweitens: Wenn eine Frau mit Muskeln männlich aussieht, sieht ein Mann ohne Muskeln dann weiblich aus? Und so lange es mir gefällt, ist es mir eigentlich egal, was die anderen Leute davon halten.

Artikel-Bewertung:

2.85 von 5 Sternen bei 142 Bewertungen.

Deine Meinung: