Aussehen im Job
Spieglein, Spieglein, an der Wand …| Foto: Thinkstock/STUDIOGRANDOUEST

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20. Apr 2017

Anna Feininger

Berufseinstieg

Aussehen im Job: Welche Vorgaben sind wirklich erlaubt?

High-Heel-Skandal in Großbritannien

Im Sommer 2016 waren "High Heels" das am heißesten diskutierte Thema in den Unternehmen Großbritanniens. Grund war die sofortige Kündigung einer Mitarbeiterin, die sich weigerte, sich hohe Schuhe vorschreiben zu lassen. Ihre gestartete Online-Petition war erfolgreich. Der Arbeitgeber bestritt zunächst die Vorwürfe, versprach dann allerdings, die Richtlinien externer Dienstleister zu überprüfen und sicherzustellen, dass dort dieselben Kleidungsvorschriften gelten wie im Hauptunternehmen. Dort gehören die High Heels am Empfang nämlich nicht dazu.

Wenn es um die Rechte und Pflichten von Arbeitgebern sowie -nehmern geht, kommen oft Unsicherheiten auf – auch hierzulande. Wir haben die wichtigsten Vorschriften recherchiert.

Dienstkleidung, Hygiene-Verständnis und Übergewicht

Grundsätzlich gilt: Als Angestellter repräsentierst du das Unternehmen, für das du arbeitest – mit deinen Leistungen und deinem Auftreten. Dein Chef darf für die Arbeitszeit das Tragen von Dienstkleidung, also zum Beispiel Business-Outfit statt Jeans und Shirt, verlangen. Wird dies nicht näher präzisiert, steht dir die Wahl über das Material und die Farben offen, solange sie weder störend noch aufreizend sind.

Vorgaben dazu, ob Frauen Absätze tragen müssen oder wie hoch diese sein dürfen, sind in der Regel nicht erlaubt – sofern man sicher auf den Schuhen laufen kann. Sandalen oder Flipflops haben aber nichts im Büro zu suchen. Geschlossene und zur Kleidung passende Schuhe dürfen vorgeschrieben werden.

Darüber hinaus hat dein Vorgesetzter das Recht, ein gepflegtes und hygienisches Auftreten zu verlangen. Im Einzelnen kann das bedeuten, dass er in Sachen Frisur und Accessoires mitreden oder dir alternativ versetzen darf. Man kann dich wegen eines ungepflegt aussehenden Dreitagebartes oder fettig aussehender Haare ebenso rügen wie wegen eines Flecks auf der Bluse oder zu grellem Make-up. Die Auslegung von angemessenem Aussehen unterliegt dem Individualfall.

Und wie sieht es bei Übergewicht aus? Nach einem Beschluss des Düsseldorfer Arbeitsgerichts kann das Körpergewicht an sich nicht zur Kündigung führen, sofern der Arbeitnehmer in der Lage ist, seine Tätigkeit ohne Einschränkung zu erfüllen. Wenn du aufgrund dessen jedoch häufig krankheitsbedingt fehlst – und die Prognose keine Besserung verspricht –, kann es zu einer ärztlichen Prüfung deiner Arbeitsfähigkeit kommen.

Das Recht deines Persönlichkeitsschutzes

Über ein angemessenes Äußeres entscheidet letztlich der Arbeitgeber in Abstimmung mit dem Betriebsrat, dem per Gesetz ein Mitbestimmungsrecht einzuräumen ist. Vollkommen willkürlich dürfen also keine Entscheidungen getroffen werden. Sofern das Erscheinungsbild der Mitarbeiter im Arbeitsvertrag vereinbart ist, erklärst du dich durch deine Unterschrift, dass du dich daran hältst. Bei einer anderweitig vereinbarten Regelung zur Kleiderordnung hast du auch wenig Spielraum. Ein Verstoß hiergegen darf zwar nicht direkt zur Kündigung führen, kann jedoch ein Grund für eine Abmahnung sein, da du deiner Pflicht als Arbeitnehmer nicht nachgekommen bist.

Sofern du alle geltenden Sicherheitsvorschriften im Sinne des Arbeitsschutzes und der hygienischen Bestimmungen beachtest und dich nicht anstößig kleidest – zum Beispiel deine Kollegen durch durchsichtige Blusen oder aufgrund mangelnder Körperhygiene an der Ausübung ihrer Tätigkeiten hinderst –, greift spätestens das Recht eures Persönlichkeitsschutzes. Dieses besagt, dass jeder Mensch sein Äußeres frei bestimmen kann. Inwiefern Arbeitgeberinteressen begründet sind, entscheidet immer die Prüfung des Einzelfalls.

Beratung und Unterstützung gibt es beim Betriebsrat deines Unternehmens oder bei einem Anwalt für Arbeitsrecht. Dies gilt insbesondere, wenn du die Vorgaben zur Dienstkleidung als Zumutung oder Diskriminierung empfindest.


Das sagt ihr: Würdest du dein Aussehen für einen Job verändern?

Katharina (23), studiert Produktdesign in Aachen:

Poduktdesign-Studentin Katharina

"Dienstkleidung und angemessenes Aussehen sind meiner Meinung nach je nach Berufsfeld äußerst unterschiedlich. Im kreativen Bereich sind Piercings, Tattoos oder ausgefallene Haarfarben überhaupt kein Problem. Von mir aus sollte dies öfter im Berufsleben möglich sein, da jeder individuell seine Persönlichkeit damit ausdrückt. Ich habe ein Nasenpiercing und bin mir bewusst, dass mich dies eventuell für bestimmte Firmen uninteressant macht, da sie der Auffassung sind, es würde nicht professionell genug wirken. Jedoch würde ich dieses nicht entfernen, um einen Job zu bekommen. Ich habe bereits lange Zeit im direkten Kundenkontakt gearbeitet und das Piercing hat weder mich noch meine Gegenüber an meiner Kompetenz zweifeln lassen. Allgemein denke ich, dass sich mehr auf die fachlichen Kenntnisse fokussiert werden sollte. Bezüglich einheitlicher Kleidung hätte ich generell keine Einwände, da dies meist auch Teil des Brandings eines Unternehmens ist."


Wirk- und Naturstoffchemie-Studentin Friederike

Friederike (25), studiert Wirk- und Naturstoffchemie in Hannover:

"Generell halte ich Dienstkleidung im Job für angemessen. Meistens wird dies ja bei Jobs mit Kundenkontakt verlangt. Dort tritt man nicht mit eigenem Namen, sondern als Vertreter der entsprechenden Firma auf. Dennoch denke ich, dass Firmen, die jugendlich und frisch sein wollen, ihre Dienstkleidungsregeln lockern müssten. Tattoos und Piercings sind heute kein Tabu mehr. Ob ich selber meine Piercings entfernen würde, hängt davon ab, wie sehr ich den Job haben möchte."

 


Sinan (27), studiert IT-Sicherheit in Bochum:

IT-Sicherheit-Studentin Sinan

"Ich wäre nicht bereit, für meinen Arbeitgeber mein Äußeres zu verändern. Ich würde nicht einmal einen Job bei einem Arbeitgeber annehmen, der so etwas von seinen Angestellten verlangt. Mein Bart zum Beispiel gehört zu meinem Erscheinungsbild – und das gefällt mir so, wie es ist."

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