Snapchat Bewerbung
Bei der Snapchat-Bewerbung steht die Persönlichkeit an erster Stelle | Foto: Thinkstock/SanneBerg

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23. Nov 2016

Nina Weidlich

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Bewerbung per Snapchat

In zehn Sekunden zum Traumjob?

Lustige Emojis statt steifer Etikette

Bewerbungen per Post sind ja schon lange von gestern, aber auch die klassische Online-Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf & Co. gilt für manche Arbeitgeber schon beinahe als Oldschool. Denn auf der Suche nach geeigneten Bewerbern gehen Unternehmen immer öfter dahin, wo sich die Arbeitskräfte von morgen ohnehin tagtäglich tummeln – in die sozialen Netzwerke. Einen ganz neuen Weg schlug zuletzt die Werbeagentur McCann ein: Während ihrer Snapchat Recruiting Week rief sie Ende Oktober dazu auf, sich per Snap zu bewerben und damit einen ersten, bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Auf Filter, Emojis und andere Spielereien müssen wir im "Bewerbungs-Snap" aber nicht zwingend verzichten, meint die Junior Talent Managerin Kolu Arkoi aus dem Düsseldorfer Büro der McCann Worldgroup: "Wir wollen uns von dem offiziellen Bewerbungsgespräch-Charakter distanzieren, deshalb ist es jedem selber überlassen, wie er uns gegenüber tritt." Ihr Kollege, der Junior PR & Communications Manager Philipp Dolejsky, ergänzt: "Bei der Bewerbung via Snapchat geht es auf jeden Fall ziemlich locker zu. Viele wollen sich auch erst einmal erkundigen, für welche Bereiche wir Bewerber suchen oder ob wir auch Praktikumsstellen vergeben. So entsteht meist ein Dialog auf Augenhöhe, der nicht so steif ist wie in einem normalen Bewerbungsgespräch."

Dennoch rät Branko Woischwill, Kommunikations-Berater und Bewerbungsexperte vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader, gewisse Umgangsformen nicht zu vernachlässigen: "Sicher prägt jedes Medium seinen eigenen Sprachgebrauch. Höflichkeit, Respekt, Fairness und Integrität sind jedoch zeitlos wichtige Prinzipien, die auch für jedes soziale Netzwerk gelten."

 

Ein von Cliodhna Clarke (@ciiloww) gepostetes Foto am

Ist der Snap das neue Anschreiben?

Aber hat die Snapchat-Bewerbung wirklich das Zeug dazu, die klassische Bewerbung – und mit ihr vor allem das verhasste Anschreiben – ein für alle Mal ins Jenseits zu befördern? Nicht ganz, gesteht die Human Resources-Expertin Kolu: "Klar ist der Snap eine Art virtuelles Anschreiben, sozusagen der bildliche Fuß in der Tür. Snapchat ist ein guter Weg, um aus der Masse herauszustechen, ersetzt aber natürlich nicht den Lebenslauf oder das persönliche Gespräch."

Auch Woischwill sieht im Snap keine ernstzunehmende Alternative für altbewährte Verfahren, vor allem, weil soziale Netzwerke längst noch nicht in allen Bereichen zum Alltag gehören: "Aktuell ist diese Form der Bewerbung auf bestimmte Zielgruppen beschränkt. Vor allem in der Medien- und Kreativbranche kann sie zweifellos ein Türöffner sein, um dann im nächsten Schritt traditionelle Unterlagen einzureichen. Es gibt aber sicher noch viele Bereiche, in denen die Arbeitgeber das Wort 'Snapchat' noch nie gehört haben."

Ein bisschen spießig muss es schon sein

Alle, die "Bewerbung_final_2.doc" oder ähnliche Dokumente jetzt vor lauter Euphorie bereits gelöscht haben, müssen also wohl die Wiederherstellungsfunktion des Papierkorbs bemühen – denn ganz ohne Formalitäten geht es eben selbst in der Kreativbranche nicht. Aber was nützt das Ganze überhaupt, wenn man sich am Ende doch wieder mit Lebenslauf & Co. rumärgern muss? "Snapchat ist ein guter Zusatzpunkt für diejenigen, die vor der Kamera super präsent sind und keine Lust haben, im Anzug zum Bewerbungsgespräch zu kommen", glaubt Kolu. "Alle, die unter den normalen Bewerbungsunterlagen vielleicht gar nicht auffallen würden, können so eventuell punkten."

Dieses Potential sieht auch der Experte aus dem Team von Hesse/Schrader: "Mit einer derartigen Bewerbung kann man zum einen seine Medienkompetenz eindrucksvoll beweisen. Es besteht außerdem die Chance, sein Kommunikationsvermögen, insbesondere Humor, zu zeigen. Andererseits ist man als Bewerber auf die technischen Möglichkeiten des sozialen Mediums beschränkt, was in gewisser Weise auch eine Begrenzung der Selbstmarketing-Chancen bedeutet."


Wie funktioniert Snapchat?

via GIPHY

Das soziale Netzwerk mit dem kleinen Geist hat zwei Funktionen: Zum einen hast du die Möglichkeit, private Nachrichten an eine oder mehrere Personen aus deiner Kontaktliste zu senden. Die Länge deines Snaps kannst du selbst bestimmen, bei maximal zehn Sekunden ist allerdings Schluss. Außerdem kann dein Snap vom Empfänger nur einmal wiederholt werden, bevor er sich automatisch löscht.

Zum anderen gibt es die Snapchat Stories, die sich aus allen von dir aufgenommenen Foto- und Videosequenzen zusammensetzen. Auch hier sind die einzelnen Beiträge höchstens zehn Sekunden lang – im Gegensatz zur Privatnachricht verschwindet deine Geschichte allerdings erst nach 24 Stunden. Zugriff auf die Story hat jeder, der deinen Snapchat-Benutzernamen in die Suche eingibt und dich als Freund addet.

Die einzige Möglichkeit, Inhalte von Snapchat zu speichern, ist innerhalb der verfügbaren Zeit einen Screenshot zu machen. Aber Achtung: Der Absender des Snaps bzw. der Story erhält automatisch eine Benachrichtigung, sobald du einen Screenshot gemacht hast!


Perfekt unperfekt

Auch wenn man am Ende immer selbst kreativ werden muss: Zu Motivations- und Anschreiben gibt es unzählige Ratgeber im Netz – Tipps für die Snapchat-Bewerbung hingegen sucht man wohl eher vergeblich. Aber die Mitarbeiter von McCann und Kommunikations-Berater Woischwill sind sich einig: Beim Bewerbungs-Snap kommt es mehr denn je auf die Persönlichkeit des Bewerbers an, und die kann man gerade über das soziale Medium besonders gut in den Vordergrund stellen. "Sei einfach du selbst und sei authentisch", rät Kolu. "Snapchat ist zeitnah und spontan, da können auch schon mal kleine Fehler passieren. Das macht das Ganze irgendwie sympathisch." Aber auch wenn das videobasierte Medium die Persönlichkeit des Bewerbers in den Vordergrund rückt, gibt der Experte zu bedenken: "Auch Kompetenz und Leistungsmotivation sind zentrale Weichensteller, die bei jeder Bewerbung kommuniziert werden sollten."

So easy und locker wie die Bewerbung via Snapchat auch scheinen mag, als Bewerbungsmethode der Zukunft wird sie sich wohl schwerlich durchsetzen können. Wer dennoch keine Lust auf die klassische E-Mail-Bewerbung hat, sollte nach wie vor auf bereits etablierte Netzwerke wie Xing oder LinkedIn setzen, meint Woischwill. "Hier kann man sehr ähnlich zum klassischen Lebenslauf relevante berufliche Daten, z.B. Berufspraxis, Ausbildung oder Fremdsprachen, angeben und gleichzeitig untereinander Nachrichten austauschen. Das ist modernes Selbstmarketing mit der Chance, Arbeitgeber eindrucksvoll von sich zu überzeugen. So können beispielsweise digitale Referenzen die Reputation des eigenen Xing- oder LinkedIn-Profils steigern."



Bewerbung 2.0 – Das sind die aktuellen Trends

Die Snapchat Recruiting Week von McCann ist nicht die einzige neuartige Methode, junge und motivierte Bewerber zu finden. Fest steht: Im Kampf um die besten Mitarbeiter müssen die Unternehmen immer häufiger auch sich selbst anpreisen. Unsere Liste der ungewöhnlichsten Bewerbungs- und Recruiting-Methoden zeigt dir, was sich momentan auf dem Markt tut.

Recruiting Slam

Hier treten die Arbeitgeber in einer Art Poetry Slam gegeneinander an: Jeder Personaler hat etwa fünf bis zehn Minuten Zeit, um das Publikum auf eine möglichst humorvolle und unterhaltsame Art und Weise vom eigenen Unternehmen zu überzeugen. So sollen vor allem regionale Betriebe gestärkt und die Berührungsscheu der Bewerber abgebaut werden.

Azubi Speed Dating

Auch hier wird auf Schnelligkeit gesetzt: Innerhalb von zehn Minuten sollen potentielle Azubis und Personaler herausfinden, ob der Funke zwischen ihnen überspringt. Durch die schnellen Wechsel zwischen den "Dates" haben beide Seiten die Möglichkeit, zahlreiche Gespräche zu führen und mit ihrer Persönlichkeit zu überzeugen.

Tinder für die Jobsuche: Die App "truffls"

In der App "truffls" werden dir auf der Basis deiner importierten Xing- oder LinkedIn-Profile passende Jobangebote angezeigt. Danach läuft alles wie in der Dating-App Tinder: Gefällt dir die Stellenanzeige nicht, swipest du nach links, hast du Interesse an dem Job, geht der Swipe nach rechts. Findet der Arbeitgeber dein Profil ebenfalls gut, hast du ein Match - und eurem ersten Date steht nichts mehr im Weg.

Instagram

Anstatt für Selfies und Foodies kannst du deinen Instagram-Account auch geschickt als "Bewerbungsmappe 2.0" einsetzen: Stelle deine Kompetenzen und Qualifikationen in Bildern dar und nutze relevante Hashtags oder tagge Unternehmen, die du auf dich aufmerksam machen willst. So kannst du dich nach und nach mit Influencern, Experten und potentiellen Arbeitgebern vernetzen und ihnen direkt zeigen, was du draufhast – denn Bilder sagen nun mal mehr als 1000 Worte.


Unser ExperteBranko Woischwill Hesse Schrader

Branko Woischwill ist Kommunikationsberater bei Hesse/Schrader. Das Büro für Berufsstrategie unterstützt Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei allen Fragen zu Bewerbung, Karriere und Personalentwicklung und hat zu diesen Themen schon zahlreiche Sachbücher veröffentlicht.

 

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