Drohnenpilot
Bielefeld von oben, aufgenommen von Drohnenpilot Jens Reddeker | Fotos: privat
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14. Mär 2018

Johannes Hülstrung

Berufseinstieg

Drohnenpilot: Trendjob 2018!?

Ein "Phantom" auf Fotojagd

Mit dem Handy in der Hand steht Jens Reddeker am Rande eines Ackers und starrt in die Luft. Er ist auf der Jagd – nach dem besten Bild. Über ihm schwebt eine Drohne, Typ DJI Phantom 3 Professional (Wert circa 750 Euro). Der 41-Jährige steuert und fotografiert per Smartphone-App. Was sich anhört wie die Erfüllung eines Kindheitstraums, ist ein spannender Job. Denn Jens ist beruflich Drohnenpilot. Na ja, zumindest teilweise. Als Redakteur der regionalen Tageszeitung "Neue Westfälische" fotografiert er in Ostwestfalen regelmäßig Landschaften, Gebäude oder Veranstaltungen aus luftiger Höhe. "Das bietet uns in Print und Online die Chance auf neue Perspektiven", sagt er.

Drohnenpiloten brauchen keinen "Führerschein"

Einen "Drohnen-Führerschein" braucht er seit einer Gesetzesänderung mittlerweile nicht mehr. Allerdings darf er nur mit einer Ausnahmegenehmigung in der Nähe von Bundesstraßen sowie über Wohngebieten und Menschenmengen fliegen. Letzteres ist häufig erforderlich, wenn Jens Live-Videos über Facebook oder Periscope sendet, etwa von Karnevalsumzügen. Nicht immer gehen die Einsätze mit dem Quadrocopter gut: "Einmal habe ich einen Busch übersehen, da ist die Drohne abgestürzt", erzählt Reddeker. Glücklicherweise nur aus einem Meter Höhe, doch selbst das beschädigte die Drohne so stark, dass sie repariert werden musste.

Ist die Drohne "krank", muss sie zum Doc

Solche Reparaturen kann Jens nicht selbst übernehmen. Dafür braucht es wohl doch einige Kenntnisse im Maschinenbau. Diese werden an deutschen Universitäten und Hochschulen längst auch im Bereich der Drohnen vermittelt, etwa an der HAW Hamburg oder der TU Braunschweig. "Wir arbeiten mit mehreren Partnern an und mit Drohnen", sagt Ludger Frerichs, Professor am Braunschweiger Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge. Zu den Einsatzgebieten von Drohnen zählt er Feuerwehr, Küstenschutz, Landwirtschaft und Bau. "Das Fliegen und Koordinieren automatisierter Drohnen gehört sicherlich auch zu den Aufgaben von Ingenieuren, aber eher selten als Fulltime-Job", sagt Frerichs.

Erfolgreiches "Wingcopter"-Start-up made in Darmstadt

Manchmal kann sich aber doch ein Fulltime-Job aus dem Interesse an Drohnen entwickeln, wie das Beispiel von Jonathan Hesselbarth zeigt. Er entwickelte als Maschinenbaustudent an der TU Darmstadt den "Wingcopter", eine Hybrid-Drohne, und gründete später ein Start-up. Seine Drohne hat beispielsweise einen Fluss in Südamerika vermessen; denkbar seien auch Transporte von Medikamenten und Blutkonserven in Entwicklungsländern. Hesselbarth und seine Kollegen stoßen in einen rasant wachsenden Markt vor. Wurden im Jahr 2015 noch rund sechs Millionen zivile Drohnen weltweit ausgeliefert, soll diese Zahl laut Prognose von Statista bis 2021 auf über 67 Millionen steigen.

Drohnenpilot: gut bezahlt, aber eher selten ein Fulltime-Job

Dass es sich um ein lukratives Geschäft handelt, zeigen auch die Preise. Bei der Firma UAV Globe aus Delbrück etwa, die Drohnen für den Einsatz bei Polizei, Militär und Rettungsdienst selbst baut und die Software dafür entwickelt, kostet ein Komplettsystem mehrere zehntausend Euro. Das lohnt sich auch als Arbeitnehmer. Das Portal "GEHALT.de" beziffert den Jahreslohn eines Drohnenpiloten, der studierter Maschinenbauingenieur ist, auf durchschnittlich 67.700 Euro. Damit ist dieser Job der lukrativste in einer Liste aktueller Trendberufe.

Mehr als ein Trend? Abwarten!

Ob der Beruf des Drohnenpiloten mehr als nur ein Trend ist, muss sich noch zeigen. Eine solche Berufsbeschreibung existiert bei der Bundesagentur für Arbeit nicht, noch nicht jedenfalls. Pressesprecher Christian Weinert sagt aber zur Verbreitung von Drohnen im Job: "Uns sind Einsatzgebiete in der Vermessung, der Meteorologie und bei Filmaufnahmen bekannt." Solche Filmaufnahmen mit Drohnen machen zahlreiche Produktionsfirmen etwa bei Konzerten oder für TV- und Kinoproduktionen. Jens Reddeker ist also längst nicht mehr allein auf dem Markt. Allein ist er nur, wenn er auf dem Acker steht und seine Drohne fliegen lässt. Für ganz besondere Bilder – und um wie im Kindheitstraum ein echter Pilot zu sein.

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