Berufsschullehrer werden
An der Berufsschule unterrichten – eine gute Karriere-Option? | Foto: Thinkstock/Siphotography
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04. Okt 2016

Ann-Christin Kieter

Berufseinstieg

Lehrer Last Minute: Quereinstieg als Berufsschullehrer

Berufsschullehrer fehlen vor allem im technischen Bereich 

"Rückgrat der deutschen Wirtschaft" – so wird die international anerkannte duale Ausbildung gerne genannt. Das Problem: Es zwickt und zwackt ein wenig im Kreuz. Es fehlen Berufsschullehrer, besonders in gewerblich-technischen Fachrichtungen wie Elektrotechnik oder Maschinenbau. Der Stifterverband spricht von einem "teilweise dramatischen Mangel" und rechnet vor, dass einem jährlichen Nachwuchsbedarf von ca. 1.700 Lehrkräften im Wintersemester 2013/14 nur 863 Studienanfänger gegenüberstanden.  

Für Bettina Jorzik, Leiterin des Programmbereichs "Lehre und akademischer Nachwuchs", liege das nicht am fehlenden Angebot der Hochschulen, sondern eher daran, dass viele die Berufsschule gar nicht als möglichen Arbeitsort auf dem Schirm hätten: "Wenn man sich für den Lehrerberuf interessiert, dann tendenziell für eine Schulform, die man kennt. Also das allgemeinbildende Schulwesen." Als weitere Hürde kommt hinzu, dass 52 Wochen Praxiserfahrung nötig sind, also zum Beispiel eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Kreide statt fetter Kohle?

"Nicht die hochschulpolitische Erstwahl", aber immerhin eine Möglichkeit, auch kurzfristig etwas gegen die jährlich rund 500 freibleibenden Stellen  zu tun, ist der Einsatz von Quereinsteigern mit fachlicher, aber ohne didaktische Qualifikation. Unter welchen Voraussetzungen ein Referendariat ohne Lehramtsstudium möglich ist, variiert von Bundesland zu Bundesland und von Jahr zu Jahr. Anders ausgedrückt: Je größer die Not, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt.

Aber auch im Master kann man noch die Weichen in Richtung Lehramt stellen. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beispielsweise gibt es den Studiengang "Ingenieurspädagogik", in dem Quereinsteiger traditionell die größte Gruppe ausmachen, wie Studiengangsleiter Eike Zimpelmann erzählt. Er sieht im Wesentlichen zwei Hauptmotive für den Wechsel: "Manchen fehlt bei ihrer Arbeit der ausreichende Sinn dahinter beziehungsweise der Umgang mit Menschen. Andere streben die Sicherheit des Beamtentums oder die Besoldungsstufe A13 an." Dafür nehmen sie dann auch die organisatorischen und fachlichen Hürden wie das Anrechnenlassen von Scheinen oder das Anfreunden mit der neuen Denkweise der Berufspädagogik in Kauf. 


Zwei angehende "Ingenieurspädagogen"  erzählen:

Andreas Lauer (23), zuvor "Elektrotechnik"

Andreas Lauer

"Schon in der Schule habe ich viel über den Lehrerberuf nachgedacht, mich dann jedoch für ein duales Studium entschieden. Im Anschluss daran bot mir meine Firma einen sicheren Arbeitsvertrag an. Als G8-Schüler war ich zu dem Zeitpunkt erst 21 und wollte einfach noch nicht nur arbeiten. Daher habe ich mich über den Master in Elektrotechnik am KIT informiert und bin zufällig auf Ingenieurspädagogik aufmerksam geworden. Das war ein Wink des Schicksals!"

 

Karin Petermann

Karin Petermann (23), zuvor "Bauingenieurwesen"

"Sicherlich, als Bauingenieurin hätte ich weitaus bessere Karrierechancen – vor allem finanziell. Aber das sollte nicht das Hauptargument sein. Mir hat es schon immer Spaß gemacht, anderen beim Lernen zu helfen. Von der Denkweise her ist einiges anders: Ich war es gewohnt, Sachen zu berechnen und zu prüfen. Jetzt geht es weniger um richtig oder falsch, es stehen vielmehr didaktische Konzepte und Methoden im Vordergrund. Aber ich schätze die Abwechslung!"

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