Netzwerken
Trau dich, spannende Unternehmen per Twitter & Co. anzuschreiben! | Foto: Thinkstock/stevanovicigor
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12. Okt 2016

Sebastian Wolking

Berufseinstieg

Networking: So klappt es mit dem Job!

Wie Studenten richtig netzwerken

Job im Start-up: Am ehesten über Kontakte

Die Vermutung: Wer mit alten Schulkameraden, Kommilitonen, Kollegen oder Schwippschwägern in Kontakt bleibt, findet schneller einen Job. Schließlich sind Empfehlungen noch immer die beste Werbung. Doch stimmt das wirklich?

Antwort: Ja, aber mit gewissen Einschränkungen. Fast jede dritte Stelle wird in Deutschland über persönliche Kontakte vergeben, das fand das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Anfang 2016 im Rahmen einer Betriebsbefragung heraus. Start-ups tun sich besonders hervor: Satte 76 Prozent der Gründer nutzen laut Branchenverband Bitkom Mund-zu-Mund-Propaganda, um passende Kandidaten für ihr Jung-Unternehmen zu finden. Wichtige Instrumente zur Kontaktpflege sind demnach vor allem die eigene Webseite, Business- und soziale Netzwerke wie Xing, Linkedin oder Facebook.

"Wer in einem Start-up anfangen möchte, sollte daher sein Netzwerk im Internet sowie offline einspannen", sagt Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. Und Sprecherin Linda van Rennings ergänzt: "Wer auf der Suche nach einem Job in einem Start-up ist, sollte seinem Bekanntenkreis davon berichten. Oft gibt es den einen oder anderen, der von einer freien Stelle in einem spannenden Unternehmen weiß und idealerweise auch direkt einen Kontakt vermitteln kann. Auch ein Post auf sozialen Netzwerken und Business-Netzwerken kann dabei helfen, die richtige Stelle zu finden."

"Netzwerken wird mit Blick auf die Karriereplanung immer wichtiger", bestätigt Ulrike Grünrock-Kern, Sprecherin der Bundesvereinigung Logistik, unter deren Dach sich 10.000 Fach- und Führungskräfte aus Industrie und Handel zusammengeschlossen haben. "Denn natürlich ist es ein Wettbewerbsvorteil für den Bewerber, wenn das Unternehmen, bei dem er gerne arbeiten möchte, ihn schon kennt und positiv wahrgenommen hat."

Netzwerken: Mailen, twittern, posten, smalltalken

Verinnerlicht haben das die Unternehmen aber anscheinend stärker als die Bewerber selbst. Laut Studie der Job-Plattform Monster binden rund 95 Prozent der Unternehmen persönliche Netzwerke in ihre Personalarbeit ein, von den Stellensuchern zapfen dagegen nur 61 Prozent Buddys und Bekannte an.

Dabei macht es das Netz so einfach wie nie zuvor, mit den Firmen direkt in Kontakt zu treten – sei es per E-Mail, Tweet, Facebook-Like oder Posting. Möglichkeiten, um auf Tuchfühlung zu gehen, gibt es aber beileibe nicht nur online. Als Student könnte man am Tag der offenen Tür persönlich beim Traumarbeitgeber vorbeischauen, die Fach-Messe besuchen, ein Praktikum in den Semesterferien absolvieren oder sich aktiv darum bemühen, eine Seminar-Arbeit inhouse schreiben zu dürfen – und die jeweiligen Gesprächspartner hinterher bei Xing adden.

"Nicht lästig werden, merken, wenn man übers Ziel hinausgeschossen ist, geduldig sein und nicht fordernd", empfiehlt Grünrock-Kern als Herangehensweise. Ihr Extra-Tipp: Ein Student kann das eigene Netzwerk auch erweitern – und sich nebenbei als Organisator profilieren –, indem er oder sie einen Vortrag des Wunsch-Unternehmens in der Uni organisiert.

Was man allgemein beachten sollte, um einen guten Eindruck zu hinterlassen? "Ich will es positiv formulieren: Bei den Kontakten zu den Unternehmen auf Verbindlichkeit achten, Verabredungen einhalten, gute Leistungen abliefern", sagt Grünrock-Kern und deutet damit an, dass es sich dabei keineswegs um Selbstverständlichkeiten handelt.

Netzwerke: Bei Akademikern nur auf Platz 2

Andererseits: Zum Networker wird man nicht unbedingt geboren. Kontaktpflege kann unangenehm sein, lästig, zeitaufwändig. Für alle Studierenden mit Netzwerk-Allergie gibt es zum Glück auch eine gute Nachricht: Denn die meisten Jobs für Akademiker werden laut IAB über Internet-Stellenbörsen vergeben, persönliche Kontakte kommen bei Akademikern erst an zweiter Stelle – im Gegensatz zu Personen mit mittlerer Qualifikation sowie ungelernten Arbeitskräften.

Um es provokativ zu formulieren: Einen High-Potential findet man halt am ehesten durch sorgfältige Suche, Auslese und Prüfung, nicht durch einen kurzen Wink zwischen Tür und Angel. Und noch etwas: Wer unentwegt in sozialen Netzen unterwegs ist, surft, textet, chattet – und damit im weitesten Sinne netzwerkt – verschlechtert seine Leistungen in der Uni. Das haben US-Forscher schon vor Jahren in einer Studie mit College-Studenten herausgefunden.

Daher unser Fazit: Netzwerken? Ja, unbedingt! Aber geh nicht mit dem Schleppnetz auf die Jagd, sondern lieber mit der Angel.


Richtig netzwerken: Ein Überblick

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