Suchmaschinenoptimierer werden
Solche "Suchmaschinen" optimieren SEOs natürlich nicht | Foto: Unsplash/Freddy Marschall

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04.01.2016

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Das richtige Studium finden

Nach dem Abitur kann man an unzähligen Hochschulen aus Tausenden Studiengängen wählen. Wer aber seine eigenen Interessen und Fähigkeiten kennt, findet auch das passe ... mehr »

Autor

27. Sep 2017

Sebastian Wolking

Berufseinstieg

Wie wird man Suchmaschinenoptimierer?

Google-Zertifikat statt Hochschul-Zeugnis?

Im Juli eröffnete Google in München seine Zukunftswerkstatt. In den schicken Büros des US-Giganten kann sich nun jeder in kostenlosen Kursen fit für die digitale Zukunft machen. Auch Suchmaschinenoptimierung ist Teil des Programms. Taugt so ein Google-Zertifikat womöglich gar als Einstieg in die SEO-Karriere?

"Wir bitten alle Bewerber, mal so einen Google-Grundlagenkurs durchzugehen", sagt Christian Schmidt auf die Frage, wie er denn Praktikumsbewerber auswähle. Schmidt ist Gründer der SEO-Agentur Digital Effects in Berlin. Er selbst hat früher das Fachabitur gebaut, während er in den Gründerjahren des Internets Webseiten bastelte. "So habe ich meine ersten Jobs bekommen", erinnert er sich. Danach folgte ein Praktikum in einer Marketing-Firma, dann die Übernahme, heute ist er Geschäftsführer seiner eigenen Agentur. Alles ganz ohne Studium. Ein Lebenslauf, der für einen Suchmaschinenoptimierer nicht außergewöhnlich ist.

SEOs in Deutschland: Die unbekannten Wesen

Wie viele "search engine optimizer" (SEO) es in Deutschland gibt, weiß keiner. Niemand erfasst diese Nische statistisch, auch die Bundesagentur für Arbeit nicht. Und: Jeder kann sich so nennen, wenn er will. Der Begriff ist nicht geschützt. Beim Blick auf die deutsche SEO-Elite aber fällt auf: Leidenschaft, Netzwerke und jahrelange Erfahrung schlagen akademische Meriten.

SEO-Gurus wie Karl Kratz, Marcus Tandler oder Andre Alpar sind schon seit den 1990ern im Online-Marketing aktiv, haben sich seitdem in der Nische verbissen und einen Namen gemacht. In den USA schmiss Rand Fishkin das College, um das SEO-Imperium Moz zu gründen. Praktische Erfahrung, sagt auch Christian Schmidt, sei "viel mehr wert als ein theoretisches Studium". Immerhin ändern sich die Algorithmen ständig, lebenslanges Lernen ist wohl auf keinem Feld so überlebenswichtig wie hier.

Bedeutet für SEO-Anwärter: Eigeninitiative, Begeisterung und Erfolgsnachweise sind Must-haves. Ein Studium ist dagegen eher ein Nice-to-have.

Hochschule Darmstadt in der Trefferliste weit vorne

Genau das will Prof. Bernd Jörs ändern. Der "Professor des Jahres 2016" (gewählt von UNICUM BERUF) lehrt Informationswissenschaften an der Hochschule Darmstadt, will die Ausbildung in Deutschland professionalisieren. Sein Studiengang umfasst Module zu SEO, E-Commerce oder Social Media Marketing. "Das ganze Berufsbild hat sich extrem erweitert", sagt er. Die Darmstädter dürfen als Vorreiter auf diesem Gebiet gelten, leisten sich sogar den Luxus von drei Lehrbeauftragten für Suchmaschinenoptimierung. Ähnliche Studiengänge mit SEO-Inhalten gibt es im Rest des Landes nur vereinzelt, an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt oder der Hochschule Ravensburg-Weingarten zum Beispiel.

"Jede Woche kommen Anfragen für Praktika, für Werkstudenten, für Festanstellungen. Ich bin fast schon auf der Ebene einer Berufsvermittlung", sagt Jörs lachend. "Wir haben eine Vermittlungsquote von 98 Prozent." Das darf man wohl als Beschäftigungsgarantie interpretieren.

SEO-Studium stark im Kommen

Ist also ein fachspezifisches Studium in Zukunft doch die beste Wahl für SEO-Anwärter? Jörs ist davon überzeugt. Denn momentan würden viele Unternehmen die Katze im Sack rekrutieren. Wer über welche Kompetenzen verfüge, vermögen sie kaum zu bewerten. Und auch wenn nahezu jeder als Einzelkämpfer, Gründer oder Agentur-SEO durchstarten kann: Insbesondere die Unternehmen schreiben in ihren Stellenanzeigen für Suchmaschinenexperten vermehrt ein absolviertes Studium ins Anforderungsprofil, meist BWL oder Informatik.

Und vielleicht kann ja auch ein Zertifikat der neuen Google-Schule helfen, Kompetenz nachzuweisen. Ob er solche SEO-Kurse empfehlen könne? "Nein", sagt Jörs lapidar. Für ihn sind das nur halbe Sachen.

Suchmaschinenoptimierer – das soll in Zukunft eine planbare Karriere werden. Ganz akademisch.

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Veröffentlicht am 27. Sep 2017 um 19:46 Uhr von Uwe Hettler
Auch der Bachelorstudiengang Multimedia-Marketing an der Hochschule Schmalkalden bietet Module an, die sich mit Online-Marketing-Inhalten und explizit mit SEO beschäftigen.