Plagiatsprüfung
So manchem Politiker wächst beim Thema Doktorarbeit eine lange Nase | Foto: Thinkstock/SIphotography
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29. Sep 2015

Armin Himmelrath

Promotion

Plagiatsverdacht: Die wichtigsten Fragen geklärt!

Verjährung, strafrechtlicher Verfolgung und mehr

Müssen alle Doktoren ein Verfahren zum Titelentzug befürchten?

Nein. In Deutschland promovieren pro Jahr mehr als 25.000 Akademiker. Wer aktuell seine Promotion schreibt, kann sich ziemlich sicher sein, dass genau gecheckt wird, ob sie den Ansprüchen genügt. Bei früheren Doktorarbeiten wird nur dann geprüft, wenn es einen aktuellen Verdacht auf Betrug gibt – oder wenn man berühmt ist und deshalb ins Visier der Plagiatsjäger gerät.


Was passiert, wenn meine Arbeit offiziell geprüft wird?

In einem solchen Fall klärt ein Gremium der Uni, an der promoviert wurde, ob seinerzeit gegen die geltenden Regeln verstoßen wurde. Ist das der Fall, droht die Aberkennung; je nach Fakultätsrecht kann aber auch nachträglich eine Rüge oder eine Korrektur der Note erfolgen. Auf jeden Fall wird der oder die Betroffene in einem solchen Verfahren angehört.


Wann tritt bei Plagiaten die Verjährung ein?

Gar nicht – Fakultätsrecht kennt keine Verjährung. Allerdings gibt es über diese Frage viele Debatten. So fordert etwa Wolfgang Löwer, als Ombudsman der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Ansprechpartner in Fällen von Wissenschaftsbetrug, dass man eine Verjährungsfrist für Plagiate einführen sollte. Verjährung gibt es nur bei möglichen Rechtsverstößen (siehe "Drohen strafrechtliche Folgen?").


Wie erfahre ich, ob ich meinen Titel verliere?

Dann erhält man ein Einschreiben, in dem der Entzug mitgeteilt wird. Dagegen kann man vor dem Verwaltungsgericht klagen.


Was ist mit dem Eintrag im Personalausweis?

Wird der Doktortitel entzogen, entfällt auch die Grundlage für den "Dr." im Personalausweis. Betroffene müssen sich also neue Personalpapiere ausstellen lassen und den Titel auch im Melderegister streichen lassen. Die Korrektur wird dann automatisch zum Beispiel ans Finanzamt und ans Straßenverkehrsamt gemeldet. Den Eintrag im Telefonbuch muss man selbst ändern lassen.

Und wer rechtlich überhaupt nichts anbrennen lassen will, muss jedes Mal, wenn er mit "Herr Doktor" oder "Frau Doktor" angesprochen wird, darauf hinweisen, dass diese Anrede falsch ist. Am peinlichsten freilich dürfte es sein, den Arbeitgeber und die Kollegen über den Entzug zu informieren – denn auch im Arbeitsumfeld darf der Titel natürlich nicht mehr geführt werden.


Was ist mit Büchern und Veröffentlichungen – insbesondere mit der Doktorarbeit?

Nur die betroffene Arbeit muss zurückgezogen werden. Das bedeutet, dass man zumindest den Verlag, beziehungsweise die Zeitschrift, informieren muss, bei dem die Promotionsschrift ursprünglich erschienen ist. Eigentlich müssten darüber hinaus auch die wissenschaftlichen Bibliotheken über den Rückzug der Veröffentlichung informiert werden – da aber niemand weiß, wo sein Buch überall im Regal steht, ist das eher eine theoretische Überlegung.


Drohen strafrechtliche Folgen nach einer Plagiatsprüfung?

Das hängt vom Einzelfall ab. Am ehesten kommt die Verletzung des Urheberrechts in Betracht – doch der Fall Guttenberg hat gezeigt, dass selbst bei offensichtlichen Plagiaten ein strafrechtliches Nachspiel nicht zwingend ist.

Komplizierter könnte es werden, wenn nachgewiesen wird, dass man sich den Doktortitel nur deshalb erschlichen hat, um danach weitere finanzielle oder berufliche Vorteile zu ergattern. Je nachdem könnte dann auch der Vorwurf des Betrugs erhoben werden. Zum Fall für den Staatsanwalt wird man aber auch, wenn man den Titel nach der Streichung weiterhin führt.


Drohen finanzielle Folgen?

Möglicherweise ja, aber auch hier kommt es auf den Einzelfall an: Wer für die Promotion ein Stipendium erhalten hat, muss eventuell mit der Rückzahlung von Fördergeldern rechnen. Und wenn der Doktortitel bei Gehaltsverhandlungen oder einer Bewerbung entscheidend war, müssen Betroffene auch hier mit Einbußen und vielleicht sogar einer Entlassung rechnen – jedenfalls dann, wenn die aktuelle Position ohne den Titel nicht erreicht worden wäre.


Darf ich noch einmal promovieren, wenn mir der Titel entzogen wurde?

Ja, das ist möglich – wenn auch vielleicht nicht unbedingt ratsam an der Fakultät, die mir den Titel aberkannt hat. Aber es gibt kein grundsätzliches Promotionsverbot auf Lebenszeit.

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