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26. Nov 2015

Sandra Ruppel

Entertainment

Amy

-ARCHIV-

Das berührende Portrait der Jazzlegende – ab 26. November auf DVD und Blu-ray

Alte Seele in jungem Körper

Mit körnigen Bildern und einer angenehm wehmütig-machenden Amy-Version von "Moon River" beginnt der Film über die britische Jazzsängerin, die 2011 mit 27 Jahren auf tragische Weise verstorben ist.

Von der ersten Filmsekunde an wird Amys unglaubliche Präsenz eingefangen und transportiert, ihr Talent, ihre "alte Seele in jungem Körper" strahlt nur so vom Bildschirm. Ihr Nord-Londoner Akzent knarzt als Voice-over über Bilder, die sie als Jugendliche zeigen und bei denen sie verrät, dass sie bereits als 13-Jährige am liebsten von zu Hause ausgezogen wäre, um den ganzen lieben langen Tag zu kiffen, Songs zu schreiben und laut Musik zu hören.

Als sie 2003 mit 18 Jahren ihren ersten Plattenvertrag unterschreibt und bald darauf mit "Frank" ihr Debut-Album herausbringt, setzt sie diesen Plan endlich in die Tat um. Es folgen Auftritte auf Jazz-Festivals und andere Künstler werden auf sie aufmerksam. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere ahnt sie, was sie wenige Jahre später ruinieren wird. In einem Interview sagt sie, dass sie mit dem Berühmtsein wohl nur schwer umgehen könnte: "I'd probably go mad, you know what I mean, I'd probably go mad!" ("Ich würde wahrscheinlich durchdrehen, weißt du, was ich meine, ich würde wahrscheinlich durchdrehen!") – und so kommt es dann auch.

Es folgen Bilder ihres Aufstiegs und ihres Falls, die Ehe mit Blake Fielder-Civil, die Beziehung zu ihrem Vater, den sie so vergöttert und der sie letztlich doch nur verkauft, wie es scheint – und dazwischen immer wieder: die Musik. In einer Zeit großen emotionalen Leidens, während einer vorübergehenden Trennung von Blake, entsteht nach Monaten der Schreibblockade das Album, das ihr endgültig den internationalen Durchbruch bringt und damit letztlich auch den Untergang: "Back to Black". Die Singleauskopplung "Rehab" beinhaltet die Zeile, die so bedeutungsschwer nicht nur für die Musikerin Winehouse, sondern auch für die Person Amy ist: "They tried to make me go to Rehab, but I said no, no, no."

And if my Daddy thinks I'm fine …

An dieser Stelle hätte sie den Ausstieg vielleicht noch schaffen können, wäre sie eben doch in den Entzug gegangen. Aber der Vater rät ihr davon ab, es sei nicht nötig. Der Zerfall der noch so jungen Jazzlegende setzt sich also immer weiter fort.

Es kommt zu dem, was wir vor wenigen Jahren fast täglich in der Klatschpresse verfolgen konnten: Amy völlig betrunken und in zerfetzten Klamotten auf einem Londoner Bürgersteig. Amy offensichtlich auf Drogen vor einem Mikrofon. Amy mit wirrem Haar und zerlaufenem Make-up auf einem Autositz. Jedoch leben hier nicht bloß jene Bilder wieder auf, die uns allen aus der Yellow-Press noch so lebhaft im Gedächtnis sind. Sondern erstmals wird auch ohne Häme und beißende Scherze der Schmerz beleuchtet, dessen Ausdruck der zügellose Drogenkonsum Amys gewesen ist.

Darüber hinaus wird die Frage aufgeworfen, wie es sein kann, dass ein Mensch bis zum Verderben durch die Mangel der Musikindustrie gedreht wird, allein um der Öffentlichkeit zu Diensten zu sein und finanzielle Interessen zu bedienen.

Regisseur Asif Kapadia, der 2010 bereits einen großen Erfolg mit "Senna" verbuchen konnte, ist mit der zweistündigen Dokumentation "Amy" ein so eindrucksvolles wie trauriges Portrait der fantastischen Jazzsängerin Amy Winehouse gelungen. Jene junge Frau mit der alten Seele, die trotz der Weisheit, die in ihrer Musik liegt, keine Möglichkeit hatte, sich selbst zu retten.


UNICUM Filmtipp

Amy 

Dokumentation, GB 2015

Regie: Asif Kapadia

Verleih: Prokino Filmverleih

VÖ: 26. November 2015

Online bestellen (Amazon): Amy

Artikel-Bewertung:

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