Sebastian23 Roman
"Die Sonnenseite des Schneemanns" ist seit dem 10. Oktober 2017 im Handel erhältlich | Foto: Lektora
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05. Dez 2017

Nina Weidlich

Bücher

Die Sonnenseite des Schneemanns

Der erste Roman von Sebastian23

Ein Ian, ein Günter, ein Spießer

Ian Günter hat einige Probleme: Zum einen wäre da sein Vorname Ian, der eigentlich wie Jan ausgesprochen wird, dabei aber unnötig einzigartig daherkommen will. Einzigartig scheiße vielleicht, denn wer seinen Namen nicht gerade falsch betont, der schreibt ihn falsch. Ians zweites Problem besteht in der Tatsache, dass sein erstes Problem auch schon so ziemlich das Aufregendste an seinem Leben ist. Kurz: Ians Leben ist geordnet, durchstrukturiert und insgesamt ziemlich langweilig.

Luise ist die selbst ernannte Spießerflüsterin: Verklemmte Menschen erkennt sie auf den ersten Blick, immerhin ist es noch gar nicht so lange her, dass sie selbst erfolgreich aus einer extrem verkrampften Familie geflohen ist. Seitdem ist die Vorsilbe "un-" quasi zu ihrem Markenzeichen geworden: Sie ist unverkrampft, unverschämt, manchmal auch ein bisschen ungewaschen. Als ihre beste Freundin Caro den nervösen Ian eines Morgens in der U-Bahn entdeckt, fordert sie Luise heraus: "Der ist so langweilig wie ein Briefmarkenalbum im Stau auf der A1. Wollen wir wetten?" Luise willigt ein, denn sie ist sicher: Tief in sich drin ist Ian gar kein Spießer, sondern ein bunter Vogel.

Über den Wetteinsatz sind sich die beiden Freundinnen schnell einig. Verliert Luise, muss sie ihren Lieblingspulli an Caro abdrücken: ein ziemlich ausgelatschtes Modell, auf dessen Vorderseite ein Bild von Kate Moss mit aufgemaltem Schnurrbart prangt. Der ist Luise deshalb heilig, weil sie ihn zu so ziemlich jedem gesellschaftlichen Anlass trägt. Und zum Chillen. Und zum Schlafen. Verliert Caro, lässt sie sich ein Bild von Luises Unterarm auf ihren Unterarm tätowieren. So weit, so weird.

Vom Pantoffelheld zum Partytier?

Sebastian23Seine Charaktere beschreibt Sebastian23 mit einfallsreichen Bildern, Luise zum Beispiel "sprang generell lieber in Laubhaufen, als ein Blatt vor den Mund zu nehmen." Deshalb hat sie auch kein Problem damit, Ian geradeheraus anzusprechen, ihm einen Besuch im Büro abzustatten und ihn auf einen Kaffee, später sogar in einen Club einzuladen. Ganz schön viel für Ian Günter, dessen Partyleben sich bisher auf den Kaffeeklatsch mit seiner Mutter beschränkte. Aber hey, immerhin gibt es dort jede Woche Bienenstich mit extra Sahne – ganz schön crazy, oder?

Man muss nicht Sherlock Holmes sein, um zu erahnen, dass Ian und Luise sich früher oder später ineinander verlieben – so unterschiedlich sie auch sein mögen. Aber bekanntlich ist ja der Weg das Ziel, und gerade ihre Verschiedenheit macht diesen Weg unglaublich unterhaltsam. Zum Beispiel dann, wenn Luise Ian die Sprache der jungen Leute beibringt und dieser in der Disco für sein neu erlerntes Vokabular "Was geht'n bei euch, ihr ahnbaren Larrys?" beinahe verprügelt wird.

So viel Adrenalin fließt ansonsten nur durch Ian Günters Körper, wenn er auf dem Weg ins Büro mal wieder zwei Minuten in Verzug geraten ist. Um in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren, lenkt er sich gerne mit allerlei Statistiken ab. Auch wir Leser sind in Sachen "unnützes Wissen" nach der Lektüre also ein bisschen gebildeter als vorher.

(K)eine ganz normale Story

"Die Sonnenseite des Schneemanns" ist im weitesten Sinne eine Liebesgeschichte. Uns erwartet aber kein kitschiges Pärchen-Chichi, sondern eine originelle Story mit Charakteren, die alle sehr liebenswerte Macken haben. Seien es Ian Günters resolute Mutter, die eine Fußmatte mit ihrem eigenen Gesicht vor der Tür liegen hat, oder sein pedantischer Chef Herr Hagens, der in Rage auch gerne mal mit einer Gurke herumfuchtelt.

So lebendig und realistisch die Charaktere und Dialoge daherkommen, so schräg sind einige Details: Ian Günters Job besteht zum Beispiel darin, den ganzen Tag schwarze Pixel auf eine weiße Wand zu malen. Caro unterhält sich mit einer betrunkenen Fliege und Luise wird von einem Polizisten verhaftet, der sich in einen schlappohrigen Hund verwandelt.

Wer normalerweise nicht auf so abgedrehte Storys steht, sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen. Auch wenn diese skurrilen Momente manchmal ein bisschen überraschend kommen und vielleicht hier und da etwas fehl am Platz wirken, machen sie die Geschichte keineswegs kaputt (Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, wie viele Gläser Rotwein Sebastian23 wohl brauchte, um auf solch abgefahrene Ideen zu kommen.)

Fazit zu "Die Sonnenseite des Schneemanns" von Sebastian23

Mit seinem neuen Buch zeigt Sebastian23, dass er auch Roman kann. Seine Geschichte ist witzig, lebendig und modern, die Figuren schräg, aber liebenswert. Trotz luftig-leichter Story hat der Roman es allerdings nicht verdient, mal eben in einem Zug durchgelesen zu werden. Zu schön sind die Details, Wortspiele und sprachlichen Bilder, die man im Zweifelsfall auch einmal öfter lesen muss.

Am Ende der Geschichte haben sich vielleicht alle ein bisschen zu lieb, aber irgendwie wäre alles andere auch eine riesige Enttäuschung gewesen. "Die Sonnenseite des Schneemanns" dürfte auf jeden Fall allen Spaß machen, die Lust auf eine sweete Lovestory haben, die sich selbst nicht zu ernst nimmt und Platz für jede Menge Quatsch lässt.


UNICUM Buchtipp:

Die Sonnenseite des Schneemanns CoverDie Sonnenseite des Schneemanns

Sebastian23

Lektora-Verlag, 10. Oktober 2017

Online bestellen (Amazon): Die Sonnenseite des Schneemanns

 

 

 


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