Glorreiche Zeiten  Kate Atkinson
In "Glorreiche Zeiten" schreckt Kate Atkinson nicht vor Ironie zurück | Foto: Droemer Verlag
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02. Nov 2015

Heike Kruse

Bücher

Glorreiche Zeiten

Der neue (Bestseller-)Roman der britischen Schriftstellerin Kate Atkinson

Zwischen den glorreichen Zeiten

"Wenn man den Krieg ausschloss (ein enormer Ausschluss, das gab er zu), dann hatte er nichts erlebt. Kindheit und Jugend in Fox Corner, das kurze, ziemlich einsame und unnütze Leben eines wandernden Poeten und Landarbeiters und jetzt der Alltag des Ehelebens ..."

Das ist Teddy Todds Sicht auf sein Leben. Als Leser gelangt man zu einer völlig anderen Sicht: Da geht es mal rasant, mal melancholisch, mal heiter, mal wolkig mit Teddy durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Stets lose durchmengt mit Episoden um Teddys Eltern, Geschwistern, Tochter und Enkel.

Wir streifen mit ihm durch seine Kindheit, lernen ihn als unbedarften, netten Jungen kennen, der gerne Bonbons mit Birnengeschmack lutscht. Wir erleben den Beginn seiner äußerst bodenständigen Liebe zur Nachbarstochter Nancy. Erfahren von seinen dramatischen Einsätzen als Halifax-Bombenflieger, seiner Kriegsgefangenschaft, seiner Heirat nach dem zweiten Weltkrieg und fühlen die Trauer um seine Frau. Wir sind dabei, wenn Teddy als alleinerziehender Vater seiner Tochter Viola überfordert ist. Wir sehen, wie er später als liebevoller Großvater für seine Enkel Bertie und Sunny da ist. Doch am Ende des Romans scheint alles ganz anders gewesen zu sein.

Ausgezeichnete Fabulierkunst

Gedankenstrom. Genau dieser Technik scheint sich Kate Atkinson in ihrem neuesten Roman "Glorreiche Zeiten" zu bedienen. Sie treibt die Fabulierkunst damit ungemein unterhaltsam auf die Spitze. Zeitsprünge spielen dabei eine ungeheuer große Rolle. Atkinson macht ständig Vorgriffe, ohne uns Lesern die Spannung zu nehmen. Es ist herausfordernd, am Ball zu bleiben. Den Faden nicht zu verlieren. Denn Atkinson lässt sich von Themen lenken, nicht von der Chronologie der Ereignisse.

Zwischen den Zeilen lauert jede Menge Ironie. Mit Witz und ohne ein Blatt vor dem Mund stellt uns Atkinson die Figuren rund um Teddy vor. Dabei wird Atkinson nie belanglos. Was macht der Krieg mit den Menschen? Er nimmt den Menschen das Vertrauen in die Zukunft. Dass sie eine haben werden, daran glauben sie nicht mehr.

Das letzte Kapitel des Romans umschreibt Atkinson in ihrem Nachwort so: "Und dann ist da natürlich der große, seltsame Einfall, der sich im Herzen des Buchs versteckt und mit Fiktion und Fantasie zu tun hat und erst am Ende offengelegt wird...". Der Turn kommt für den Leser vollkommen unerwartet, wie so oft bei Romanen der britischen Schriftstellerin. Kate Atkinsons Roman "Glorreiche Zeiten" darf man diesen Winter nicht auslassen. Ein hochliterarischer Tanz mit dem Plot, der einem als Leser herausfordert und erfreut zugleich.


Glorreiche Zeiten BuchcoverUNICUM Buchtipp
 

Glorreiche Zeiten

Kate Atkinson

Droemer Verlag, November 2015

Preis: 19,99 €

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