Als Gott ein Kaninchen war - Cover
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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Als Gott ein Kaninchen war

-ARCHIV-

Ein glücklich-machender Roman für das Kind im Leser

Als Elly eine Freundin fand und verlor …

Der Roman beginnt mit einem rätselhaften Prolog, führt er doch nicht die Protagonistin Elly ein, sondern ein namenloses Mädchen, das zu Ellys besten Freundin werden soll. Kryptisch heißt es dort: "… im Nachhinein wird mir bewusst, dass sie die Farbe war, die fehlte … und als sie an jenem trüben Januarmorgen in die Klasse kam, war es so, als sei sie selbst das neue Jahr …". Bevor es zur Auflösung kommt, beginnt die Geschichte 1968 mit der Geburt von Elly. Sie ist ein erstaunliches Kind, das mit vier Jahren schon lesen und buchstabieren kann. Ellys älterer Bruder Joe ist ihr Ein und Alles, wobei Joe auch stets seine schützende Hand über Elly hält. Und dann kommt Jenny Penny in ihr Leben und das Leben scheint plötzlich voller Wunder und Möglichkeiten zu stecken. Dann überrascht ein warmer Geldsegen die Familie, woraufhin sie nach Cornwall ziehen und eine Frühstückspension aufmachen. Aber das bedeutet auch die Trennung von Jenny. Elly fällt in ein Loch …

Als der Leser das Ende des Romans las …

Der Roman "Als Gott ein Kaninchen war" zeigt uns auf wunderbare Weise, wie vergänglich das Glück ist. Aber auch, wie schnell es wiedergefunden werden kann. So ist es nicht nur ein Roman über das Erwachsenwerden, vielmehr über das Leben. Wir werden als Leser zurückversetzt, können noch einmal die Unbefangenheit spüren, Unbekümmertheit empfinden, Erinnerungen nachhängen, um dann mit Elly erwachsen zu werden. Doch das Leben holt sie schneller ein, als gedacht. Der Roman zeichnet ein Zeichen unserer Zeit nach: Kinder, die zu schnell erwachsen werden. Verpackt ist dies in eine liebevolle Geschichte, die eine unvergleichliche Wendung zum Ende hin bereithält.

Es steckt unheimlich viel in dieser Geschichte: Ein unbegreiflicher Mord, beglückender Reichtum, eine welterschütternde Katastrophe, Tragödien im Kleinen und vor allem ganz viel Eigenwilligkeit. Selten erlebt man solch genau ausgearbeiteten Figuren, die jede auf ihre Weise beeindruckend ist und das Leben auf so unterschiedliche Weise lebt. Wer würde sein Kind zu Silvester schon als Meeräsche verkleiden? Wem würde für sein Kaninchen schon der Name Gott einfallen? Für wen ist das Glas nicht nur halbvoll, sondern sogar stets vergoldet? Welcher Junge hat als Lieblingsausdruck "ausgezeichnet speisen"? Es ist ein seltsamer, wundervoller Familien-Kosmos, den Sarah Winman für den Leser malt. Man mag gar nicht mehr aufhören zu lesen und das Leben wieder als Kind genießen.

Als Gott ein Kaninchen warSarah WinmanBlanvalet, August 2013Preis: 9,99 €

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