"Das Erwachen der Señorita Prim“ von Natalia Sanmartin Fenollera
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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Das Erwachen der Señorita Prim

-ARCHIV-

Entdeckt die Welt der kleinen Dinge ab dem 27. August 2013

Besinnung auf alte Werte

Prudencia Prim ist von der modernen Welt angestrengt. Sie sucht nach einem Rückzugsort. Ein eigenwilliges Stellengesuch nach einer Bibliothekarin in dem beschaulichen Ort San Ireneo de Arnois erscheint ihr da genau die richtige Gelegenheit zu sein. Durch einen Zufall erhält sie die Stelle bei dem Hausherrn, dem "Mann im Armsessel", wie er von Prudencia genannt wird. Doch nach und nach enthüllen sich ihr die charmanten Besonderheiten des Ortes und die seiner Anwohner.

Für Prudencia und den Leser beginnt damit eine wunderbare Reise zu den einfachen, kleinen Dingen. Dinge, die das Leben erstaunlich machen und die wir alle vergessen haben wertzuschätzen. Doch kann man die Zeit zurückdrehen und sich auf alte Werte besinnen? Leider lässt unsere Wirklichkeit dies nicht zu. Aber Natalia Sanmartin Fenollera vollbringt etwas genauso Faszinierendes. Sie lässt den Leser im kleinen Dorf San Ireneo ankommen. Ein entzückender Ort, in dem sich die Bewohner auf alte Werte besinnen.

"Von Rosengärten umgeben, blickten die alten Steinhäuser stolz auf die wenigen Straßen, die in einen belebten Platz mündeten. Dieser wurde von beschaulichen Läden und einigen öffentlichen Gebäuden beherrscht, in denen man ohne jegliche Hast seinem Geschäft nachging."

Schnell wird klar, hier ist alles anders, als wir es kennen: Bereits kleinste Kinder lernen im Unterricht neben Latein und Griechisch auch römische Philosophen und ritterliche Kampftechniken kennen. Die Geschäfte des Dorfes haben höchst ungewöhnliche Öffnungszeiten. Ladenbesitzer sind ausschließlich Frauen. Diese unterrichten auch die Kinder in ihrem jeweiligen Spezialgebiet. Aber anders als in Ira Levins Roman "Die Frauen von Stepford" stecken hinter den Frauen keine Roboter, sondern starke Frauen, die ihrer wahren Berufung nachgehen. Sie haben ihre akademischen Titel und beruflichen Erfolge hinter sich gelassen, um in San Ireneo ein langsames und beschauliches Leben zu führen. So erklärt Herminia Treaumont, Chefredakteurin der Gaceta de San Ireneo, die Vorzüge seine eigene Chefin zu sein:

"Keine von ihnen muss um Erlaubnis fragen, wenn sie etwas Persönliches zu erledigen hat, … Keine muss ihre Meinung für sich behalten, wie es bei Ihnen während der Gesprächen mit Ihrem Chef sicherlich oft der Fall ist."

Die Frauen treffen sich vielmehr in der "Vereinigung der Feministinnen von San Ireneo", um das Wohl der Frauen zu sichern. Immer dazu gehören "Tee, Kaffee oder Schokolade sowie süßes Gebäck und ein guter Likör". Diese Gepflogenheiten lassen einen beim Lesen heimelig zumute werden.

Zauberwörter

"Schläft ein Lied in allen Dingen, …"  ̶   Natalia Sanmartin Fenorella schenkt uns nicht nur ein Zauberwort wie es Joseph Eichendorff in seinem Gedicht "Wünschelrute" macht, sondern eine Vielzahl an zauberhaften Wörtern und Gedanken. Durch ihren Roman werden wir für einen Moment der Wirklichkeit entrückt. Wir lernen wieder Dinge wie Feingefühl, Achtsamkeit und Bedacht anderen gegenüber zu zeigen, uns Zeit für Gespräche zu nehmen, Langsamkeit zu genießen, unsere Umgebung bewusst wahrzunehmen, ehrlich zu sein und das Wunder der Liebe zu suchen. Zum Träumen schön!

 

Das Erwachen der Señorita PrimNatalia Sanmartin FenolleraThiele Verlag, August 2013Preis: 18 €

 

Tipp: Am besten mit Tee, Kaffee oder heißer Schokolade sowie süßem Gebäck und Kuchen genießen!

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