Ausschnitt des Covers von "Die Verlobungen" | Foto: Deuticke Verlag
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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Die Verlobungen

-ARCHIV-

Ein Roman über die Liebe in fünf Geschichten – kein Liebesroman

Der Zauber entsteht in fünf Geschichten

Die Französin Delphine rächt sich als betrogene Frau an ihrem Geliebten, für den sie ihren Ehemann verließ. Den geschenkten Diamantring lässt sie im Taxi liegen. James arbeitet als Rettungssanitäter und erlebt Tag für Tag die Not der Menschen. Einer wohlhabenden Patientin klaut er einen Ring vom Finger und schenkt ihn seiner Frau zu Weihnachten. Die ehemalige Lehrerin Evelyn kommt mit der Untreue ihres Sohnes Teddy nicht klar, denn sie selbst führt eine glückliche Ehe mit Gerald. Als Zeichen dieser Verbundenheit trägt sie einen außergewöhnlichen Ring. Kate lebt in wilder Ehe mit Dan und ist glücklich. Als sie die Hochzeit ihres Cousins ausrichtet, verliert sie einen der ihr anvertrauten Eheringe. Frances Gerety ist Werbetexterin in einer männerdominierten Welt. Sie begründet mit ihrem Werbeslogan für die Firma De Beers den Ruhm der Diamanten:

"Dann kritzelte sie etwas aufs Papier und nahm es mit ins Schlafzimmer, wo sie es auf den Nachttisch legte. Sie zog sich weder um, noch legte sie sich unter die Bettdecke, sondern fiel einfach aufs Bett und wenige Sekunden darauf in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Als sie der Wecker drei Stunden später weckte, las sie als Erstes, was sie da geschrieben hatte: A Diamand Is Forever. Erledigt."

Das ist die Geburtsstunde des Diamanten als absolutes Muss für jede Verlobung und der Anlass für J. Courtney Sullivan einen Roman über die Liebe zu schreiben, vor allem darüber, was nach der Verlobung mit der Liebe zweier Menschen passiert. Kapitelweise entblättert Sullivan so einen Kosmos aus Liebe, Betrug, Verlangen, Sehnsucht und Ängsten.

Eine geborene Geschichtenerzählerin

Frances Gerety gab es seinerzeit, also in den 1950er Jahren, wirklich. Ansonsten sind die Figuren im Roman frei erfunden. Ironie des Schicksals: Frances Gerety war ihr Leben lang Single, obwohl sie diejenige war, die dafür sorgte, dass Männer zwei Monatsgehälter für einen Verlobungsring ausgeben und Frauen unbedingt einen Diamanten haben wollen. Wer war also diese Frau? Sullivan versucht eine Annäherung und lässt den Leser trotz alledem mit vielen Fragen zurück. Zum Beispiel wird im Roman eine große Episode im Leben von Gerety ausgespart oder nicht zu Ende erzählt.

Sullivans Erstling "Sommer in Maine" zeichnet das chaotische, eigenwillige Leben der Familie Kellehers nach. In ihrem neuesten Roman sind die Verwicklungen der einzelnen Geschichte nicht so offensichtlich. Es geht um fünf Menschen, deren Geschichten in verschiedenen Ländern und Milieus spielen. Was sie eint, ist der Diamantring. Ein solcher Ring wandert durch die Zeit und unterschiedliche Hände. Man könnte meinen, es sei eine willkürliche Verknüpfung - aufgesetzt und erzwungen. Doch erkennt der Leser diesen roten Faden erst nach und nach und lässt ihn bei dessen Entdeckung triumphieren, denn er hat sie bemerkt. Ein wunderbares Gefühl beim Lesen, eine Gedankenstruktur des Autors zu erkennen.

J. Courtney Sullivan kann eines sehr gut, Geschichten erzählen. Auch in ihrem zweiten Roman verliert sie nie den Faden, lässt den Leser trotz der Zeitsprünge immer wieder in die jeweilige Geschichte eintauchen. Auch wenn es um die Liebe geht, so verfällt Sullivan niemals in übertriebenen Kitsch. Es ist ein Roman, der ernüchtert und den Leser erleben lässt, wie Liebe nach der Verlobung endet.

 

Die VerlobungenJ. Courtney SullivanDeuticke Verlag, Februar 2014Preis: 21,90 €

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