Foto:

15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Dramatische Beziehungsromane

-ARCHIV-

Simser unter sich

Zunächst liebt "Schatz Hasi" (Marc) seine Jule, dann ist ihm doch alles zu viel, aber im nächsten Moment soll sie zu ihm kommen, weil er sie vermisst, nur um in der nächsten Nachricht zu verkünden, sie solle ihre Sachen vor seiner Tür abholen … Jules Leben ist ein ständiges Auf und Ab. Kaum scheint alles in Ordnung tut sich ein neuer Abgrund auf. Bis zum Ende, das viele Fragen offen lässt ...

"21:29:27 BELLE: Du maus. Mir gehts heut Beschissen un ich hab keine lust mir auch noch von dir vorwürfe anzuhören was ich doch für ne schlechte freundin bin.Meld mich."

Das ist das pure, ungeschönte Leben voller (Rechtschreib-)Schwächen. Von Schwangerschaft, Liebeskummer, toten Haustieren bis zu Mietschulden ist die Rede. Als Leser wird man dadurch sofort in den Mikrokosmos von "Die Jule mit den Pizzabrötchen" reingesogen.Die Nachrichten sind alle von einem am 20. April 2012 auf eBay gekauften Handy. Alles soll authentisch sein. Zwischen den einzelnen Nachrichten baut sich eine immense Spannung auf, die sich über die gesamten 52 Akte erstreckt. Mit diesem Buch kriegt ihr die "Ich-leg-es-ungern-zur-Seite"-Garantie!

 

Die Jule mit den PizzabrötchenUnbekanntPossible Books, 2013Preis: 10 €

Schwester, Schwester

Bewegende, dramatische Ereignisse kennzeichnen das Leben der Schwestern Iris und Hazel im rauen Dublin. Von ihrer alkoholkranken Mutter drangsaliert, von ihrem Vater im Stich gelassen, versuchen sie endlich ein normales Leben zu führen. Dies gelingt ihnen streckenweise auch, aber dann reißen sie Krankheit und Verbrechen aus der immer nur kurz währenden Idylle heraus. Es gibt nur eine Lösung, um Ruhe in ihr Leben zu bringen: Die Schwestern müssen sich den dunklen Seiten ihrer Kindheit stellen …

"Das würde zu viel aus der Vergangenheit aufwühlen. Manche Dinge sollte man lieber ruhen lassen."

Gerade durch die kurzen Kapitel, harten Schnitte und vielen Perspektivwechsel entwickelt die Geschichte eine mitreißende Dynamik. Vielleicht ist "Wie Blumen im Winter" von Carol Coffey nicht der Roman des Jahres 2013, aber eine unheimlich gut gemachte Familiengeschichte, die zeigt, wie wichtig Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen sind.

 

Wie Blumen im WinterCarol CoffeyGoldmann Verlag, Januar 2013Preis: 8,99 €

Fünf Freunde und ein Rowdie

Warum singt Linna nicht mehr? Vor fünf Jahren haben sie sich alle das letzte Mal gesehen, als Linna ihre Band aufgelöst hat. In einer einsamen Berghütte treffen Maggie, Simon, Falk, Jules und Linna noch einmal aufeinander, um für einen neuen Auftritt zu proben. Ein Schneesturm zwingt sie länger zu bleiben, als geplant und unheimliche Vorgänge setzen ein ….

"Mir blieb nur die Hoffnung, dass unsere Wege sich eines Tages wieder kreuzen würden, von allein, wenn alles lange vergessen und vergeben war, …"

Zeile für Zeile setzt sich das Puzzle der Vergangenheit zusammen: Durch die Ich-Perspektive wird der psychologische Nervenkrieg des Wiedersehens noch zusätzlich gesteigert. Bettina Belitz versteht es meisterhaft, die Charaktere gegeneinander auszuspielen und den Leser immer tiefer in die Verwicklungen hineinzuziehen. An manchen Stellen zieht man sogar Linnas Ehrlichkeit infrage. Fesselnd wie ein perfekt inszenierter Thriller in einer irrwitzigen Atmosphäre. Eine Pause ist kaum möglich, der Sog der Geschichte ist einfach zu stark.

 

Linna singtBettina BelitzScript5, 2012Preis: 18,95 €

Vater, Mutter, Kind

Das Leben kann kompliziert sein, vor allem, wenn man eine Ex-CIA-Agentin ist … Die Amerikanerin Kate Moore fühlt sich in ihrer neuen Rolle als Hausfrau und Mutter nicht wohl. Obwohl sie glücklich verheiratet ist, zwei Kinder und einen erfolgreicher Ehemann hat und ihr ein Umzug ins schöne Luxemburg bevorsteht. Mit der Begegnung des Pärchens Julia und Bill ändert sich das beschauliche Leben schlagartig. Kates eingeschlafene Instinkte werden geweckt …

"Das war ein Punkt, über den Dexter sich vor der Geburt ihrer Kinder nie ernsthaft Gedanken gemacht hatte: diese fürchterliche, tiefsitzende Angst, die einen nicht mehr loslässt, sobald Kinder im Spiel sind."

Chris Pavone ist ein solider, guter Thriller gelungen, der bisweilen aber auch verwirren kann. Die Zeitsprünge lassen den Lesefluss stocken, doch die geschickten Wendungen und möglichen Gefahren für Kates Familie sorgen für genug Spannung, um darüber hinwegzulesen. Am Schluss bleibt nur noch das Gefühl zurück: Sind wir alle, die, die wir zu sein scheinen?

 

Die Frau, die niemand kannteChris PavonePiper Verlag, 2012Preis: 9,99 €

Artikel-Bewertung:

3.02 von 5 Sternen bei 140 Bewertungen.