Flavia de Luce 5. Schlussakkord für einen Mord
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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Flavia de Luce. Schlussakkord für einen Mord

-ARCHIV-

Die niedliche Giftmischerin ermittelt wieder in einem kniffligen Fall

Ein Fall mit unvermuteten Haken und Ösen

Flavias neuester Kriminalfall beginnt äußerst schauerlich:

"Blut tropfte vom Stumpf des abgeschlagenen Kopfes, regnete in dicken Tropfen herab und sammelte sich in einer rubinroten Pfütze auf den schwarz-weißen Fliesen. Das Gesicht war eine Grimasse des Erstaunens, als hätte der Tod den Mann mitten im Schrei ereilt."

Dieser Mann ist nicht die Leiche. Flavia beschreibt lediglich ein Kirchenfenster, das die Enthauptung von Johannes dem Täufer zeigt. Einen Tag später beobachtet Flavia in ebendieser Kirche die Exhumierung des Heiligen Tankreds. Doch anstatt des Schutzheiligen wird die Leiche des Organisten Mr. Collicutt in der Gruft gefunden. Wie konnte der Tote dorthin gelangen? Flavias Ermittlerdrang ist geweckt. Bei ihren Nachforschungen bekommt sie Konkurrenz von zwei neuen Personen. Adam Sowerby und Miss Tanty haben sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, den Fall zu lösen. Ein kleiner Wettstreit beginnt zwischen den dreien, wer zuerst den Mörder von Mr. Collicutt entlarvt. Die Auflösung ist jedoch viel komplizierter, als von allen vermutet. Das begreift Flavia aber erst, als es für sie fast zu spät ist …

Familie de Luce in arger Not

In "Schlussakkord für einen Mord" dreht sich aber nicht alles um den Mordfall in der Kirche von Bishop's Lacey. Die morbide Atmosphäre des Falls wird durch die heiteren Dialoge und Ereignisse aufgeweicht. Da flunkert Flavia den Vikar an, kauft sie unfreiwillig ein Huhn und entlockt Mr. Mullet durch übertriebene Schmeicheleien wichtige Informationen. Mit Wortwitz und einer scharfen Zunge schreitet Flavia dabei zu Werke. So lautet die unvorteilhafte Beschreibung von Mr. Mullet, dem Mann der Haushälterin auf dem Familiensitz Buckshaw:

"Die Tür ging auf, und da stand er vor mir. Alf. Er war mittelalt, mittelgroß, hatte mittelviele Haare und war mitteldick. Das einzig Auffällige an ihm war seine Haltung: aufrecht wie ein Ladestock."

Auch ernste Töne finden sich im Roman wieder. Flavia registriert zunehmend den Ernst der finanziellen Misere, in der ihre Familie steckt:

"Wenn wir Glück hatten, würde der Verkauf von Buckshaw so viel einbringen, dass Vater seine Schulden bezahlen konnte, aber dann hatten wir kein Dach mehr über dem Kopf und waren pleite."

Ein Ausweg scheint nicht in Sicht. Die drohende Not lässt die britische Unterkühltheit der Familie de Luce immer löchriger werden. Es rührt zutiefst, wenn sich Flavia und ihre Schwestern in den Armen liegen und Colonel de Luce seine "zärtlichsten Anwandlungen" gegenüber ihr zeigt. Diese Familie muss einem ans Herz wachsen.

Ungebrochener Bann

Direkt mit seinem Erstling "Mord im Gurkenbeet" schreibt der Kanadier Alan Bradley einen äußerst erfolgreichen Roman. Es folgen weitere Romane rund um Flavia. Der Bann der vorwitzigen Ermittlerin bleibt ungebrochen. Alan Bradley schenkt dem klassischen Whodunit mit Flavia de Luce eine junge Miss Marple. Der neueste Roman überzeugt voll: Der Fall ist nicht vorhersehbar, die Wendungen überraschen, die Spannung ist zum Mitfiebern und die Charaktere sind fabelhaft skurril und liebenswert. Auch für Flavia-Neulinge ist "Schlussakkord für einen Mord" zu empfehlen. Rückblicke auf vergangene Ereignisse machen den Einstieg leicht. Doch Vorsicht: Der letzte Satz des Romans ist ein Cliffhanger und eine Garantie zum Weiterlesen-Wollen.

 

Flavia de Luce 5. Schlussakkord für einen MordAlan BradleyPenhaligon, November 2013Preis: 19,99 €

Weitere Informationen findet ihr unter www.flavia-de-luce.de und www.facebook.com/Luce.Flavia.de

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