Foto:

15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Hello Kitty muss sterben

-ARCHIV-

"Hello Kitty" - die perfekte Ehefrau

Der American Way of life – für die junge Chinesin Fiona Yu ist dieser nur auf Umwegen zu erreichen. Obwohl die 28-Jährige mit ihrem Abschluss an einer Elite-Uni als Top-Anwältin in San Francisco arbeitet, hat sie den Traditionalismus ihrer Eltern immer im Nacken. Da sie noch immer zu Hause wohnt, versuchen die Yus stets, Fiona zu einer "Hello Kitty" zu erziehen. Klein, niedlich, ohne Krallen und ohne Mund – so soll sie sein, die perfekte chinesische Ehefrau. Erst als Fiona durch Zufall ihren Schulfreund Sean wiedertrifft, erlebt sie das Gefühl absoluter Freiheit. Allerdings zu einem hohen Preis.  

VON CHARLOTTE ROCHE …

"Es fing alles mit meinem fehlender Jungfernhäutchen an" – diesen ersten Satz vermutet man wohl eher bei Charlotte Roche als in einem Krimi. Und es kommt noch besser: Nach einer detaillierten Beschreibung, wie Fiona sich bei Nirvanas "Smells like Teenspirit" mit einem Dildo namens Mr. Happy und einer Extraportion Lidocain (einem lokalen Betäubungsgel) selbst entjungfern will, muss man sich wirklich fragen, ob man nicht versehentlich "Feuchtgebiete" aufgeschlagen hat. Doch dieser Eindruck legt sich schnell.

… ZUR SERIENKILLER-MENTALITÄT

Als Fiona durch einen Zufall auf ihren Schulfreund Sean trifft, wandelt sich die Geschichte in der Tat zu einem Krimi, denn Seans größtes Hobby ist Mord. Und je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto überzeugter ist Fiona davon, dass diese Art der Freizeitbeschäftigung auch genau die richtige für sie ist. Schließlich hat es für die unzufriedene Fiona gewisse Vorzüge, problematische Personen (wie schwierige Chefs oder schreckliche Dates) ganz einfach zu beseitigen. 

Das Mordgeschehen an sich spielt dabei jedoch eher eine untergeordnete Rolle. Ganz zu schweigen von Ermittlungsarbeiten, denn die Aufklärung der Fälle scheint niemanden besonders zu interessieren.  

KULTURENKONFLIKTE ALS ZENTRALES THEMA

Die Autorin Angela S. Choi, deren Biographie erstaunliche Parallelen zur Vita ihrer Protagonistin aufweist, schreibt sich mit der Geschichte ihren Frust über den Kulturen-Konflikt chinesischer Chinesen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und den Businessalltag einer vielbeschäftigen Firmenanwältin mit einer flapsigen Leichtigkeit von der Seele. 

Dabei ist die Beschreibung der strikten Traditionen zunächst ganz spannend, auf Dauer jedoch etwas zu ausführlich und nicht gerade förderlich für das Vorankommen der Handlung. Die 288 Seiten leben vielmehr von der direkten Sprache und der Entwicklung der Charaktere, die sich im Laufe der Zeit zuspitzt. Obwohl die Protagonisten komplex beschrieben werden und dadurch "menscheln", fällt es trotzdem nicht leicht, eine tiefere Verbindung zu ihnen aufzubauen. Doch das dies spricht eher für eine gesunde Psyche des Lesers als gegen den Roman. 

FAZIT

"Hello Kitty muss sterben" ist ein bitterböses Buch, das schlichtweg einfach anders ist und gute Unterhaltung bietet – vorausgesetzt man hat einen Hang zum schwarzen Humor. Aber wie sagte die Autorin Angela S. Choi in einem Interview so treffend? "Entweder man ist ein Drache oder eine Kitty".

 

Hello Kitty muss sterbenAngela S. Choibtb Verlag, Mai 2012Preis: 8,99 €

Artikel-Bewertung:

3.3 von 5 Sternen bei 70 Bewertungen.