Ich bin gleich da Sommerlektüre
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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Ich bin gleich da

-ARCHIV-

Mitreißend, warm und feinfühlend ist Anne Köhlers erster Roman

Die Protagonistin von "Ich bin gleich da"

  • Name: Elsa
  • Alter: Mitte 20
  • Größe: zarte 1,58 m
  • Haarfarbe: als Kind beinahe weiß, jetzt immer noch hellblond
  • Heimat: aufgewachsen im Dörfchen Weidenheim
  • Familie: Vater Jost (†), Mutter Ursel, Bruder David
  • Beruf: leidenschaftliche Köchin, im XXL-Mega-Tempel angestellt
  • Größter Wunsch: ans Meer fahren
  • Hobbies: tanzen, morsen, Filme (vor allem Zeichentrick und Gangsterfilme)

Ein Leben auf dem Wartegleis

Als wir Elsa kennenlernen, ist sie vor 9 Jahren zuhause ausgezogen, hat vor drei Monaten eine neue Stelle in Hildesheim angenommen und es ist ein Tag vor dem 1. Mai. Der Nacht, in der ihr Vater vor zehn Jahren unter tragischen Umständen starb. Mit seinem Tod beginnt der Roman.

Schneller kann man den Leser nicht in eine Geschichte hineinziehen, als ihn direkt mit dem schrecklichsten Ereignis zu konfrontieren. Im Laufe der Geschichte erfahren wir in Rückblicken, wie sich das Leben für Elsa nach dem Tod des Vaters, den sie stets mit Jost ansprach, verändert hat. Eine in sich verschlossene Mutter und ein in der Vaterrolle überforderter Bruder verkriechen sich in ihrem Schmerz. Flucht ist Elsas einziger Ausweg, immer weiter Richtung Norden, Richtung Meer. "Auf dem Meer lösen sich alle Sorgen auf" sagte ihr Vater. Elsa hat also ein klares Ziel vor Augen. Bis Jan ihr Leben auf den Kopf stellt ... und das gute Ende so nah scheint.

Ein Leben mit Elsa

Ein wesentlicher Bestandteil von Elsas Leben ist das Kochen. Dabei kann sie alles um sich herum vergessen. Denn: Ihr eröffnet sich eine eigene Welt in der Küche, in der es auf Timing und Automatismen ankommt. Durch Elsas Augen werfen wir einen Blick in die Gastronomie, wie sie sonst nur Kenner erleben. Stück für Stück kämpft die junge Köchin für ihre Passion, um so kochen zu dürfen, wie sie bisher noch nie gekocht hat.

Der Roman lebt von Elsas Entwicklung. Je mehr sie ihre Augen für die Welt öffnet, desto mehr sehen wir als Leser. Mehr Hoffnung. Mehr Geborgenheit. Mehr Glück. Mehr Leben. Es ist einfach schön mitzuerleben, wie Elsa beginnt, die Trauer um ihren Vater zu verarbeiten. Sich ihrer Familie wieder annähert und eine Bindung wiedererleben lässt. Wie sie Freundschaften schließt und sich nicht mehr abkapselt.

Ein Ende ohne Ende

Es ist erstaunlich, wie sehr wir uns auf einen Traum manchmal fixieren können, nur um zu entdecken, dass wir uns dabei komplett verrannt haben. Das ist der entscheidende Wendepunkt, denn daraus kann etwas ganz wunderbar Neues entstehen, wenn wir es zulassen. Solche Geschichten schreibt das Leben. Genau so eine Geschichte ist "Ich bin gleich da" von Anne Köhler. Sie schenkt uns eine Gelegenheit zum Innenhalten.

Ganz am Ende zu merken, es geht nicht darum, einen definitiven Schluss hinter alles setzen zu müssen, sondern sich darüber zu freuen, was im Moment, im Augenblick passiert. Es muss nicht immer alles geklärt sein, um glücklich zu sein. Auch das lernt Elsa. Die Weichen sind gestellt, doch fahren muss und wird Elsa die Strecke ohne den Leser, der sie ein Stück weit begleiten durfte. Für uns bleibt ein "Ich bin gleich da" zurück. Verheißungsvoll und vielversprechend.

Darin widerspricht Anne Köhler dem irischen Schriftsteller Oscar Wilde in sensibler Weise: Manchmal ist noch nicht alles gut. Aber es ist trotzdem das Ende. Das Ende einer zutiefst ergreifenden Geschichte wie "Ich bin gleich da".

 

Ich bin gleich da Anne Köhler DuMont Buchverlag, März 2015 Preis: 19,99 €

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