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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Ich soll nicht töten

-ARCHIV-

Barry Lygas innovativer Serienkiller-Thriller in Dexter-Manier

Ich soll nicht töten

"Ich fange klein an, vielleicht mit den Ohren, den Lippen oder den Zehen. Und dann gehe ich zu den größeren Dingen weiter, und es fließt Blut, also mache ich weiter, und meine Hände sind nass, mein Mund ist warm, und ich mache immer weiter, und dann geschieht etwas Magisches, Jasper. Es ist wirklich magisch, etwas Besonderes, und es ist schön. Sie bewegen sich nämlich nicht mehr. Sie hören auf, sich zu wehren. Der ganze Kampf ist vorbei, und das ist dann der Moment, in dem es mir klar ist: Sie ist tot. Und wenn sie tot ist, dann muss sie lebendig gewesen sein. Und dann geht es mir gut, weil ich es herausgefunden habe." Lektionen wie diese haben das Leben des 17-jährigen Jasper "Jazz" Dent seit seiner Kindheit begleitet. Sein Lehrer: der berüchtigtste Serienmörder der Welt – und gleichzeitig sein Vater

VERSTÖRENDE ERINNERUNGEN

Seit Billy Dent zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde, versucht Jazz die Vergangenheit zu vergessen und ein normales, ruhiges Teenager-Leben zu führen. Doch die verstörenden Erinnerungen lassen ihn einfach nicht los. Als in seiner verschlafenen Heimatstadt Lobo Nod eine verstümmelte Leiche gefunden wird, beschließt er aus der Not eine Tugend zu machen: Er will sein Mörderwissen nutzen und Selbstjustiz üben. Anders als die Polizei, erkennt Jazz, dass es sich nicht um einen zufälligen Akt der Gewalt handelt, sondern erkennt die Handschrift eines Serienmörders. Und zwar die eines ganz bestimmten.

PARALLELEN ZU "DEXTER"

Nicht nur die Thematik an sich, auch die Elemente des schwarzen Humors erinnern an die US-Krimiserie "Dexter", in der die seit der Kindheit traumatisierte Hauptfigur tagsüber als Polizei-Forensiker Blutspuren analysiert und nachts seine Faszination für Morde auslebt. Was die beiden Protagonisten jedoch grundlegend voneinander unterscheidet, ist ihre Psyche. Dexter Morgan leidet an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Sein Verstand ist zwar messerscharf, doch er spürt keinerlei Emotionen. Für Jazz hingegen ist es die größte Sorge, ebenfalls ein Soziopath zu sein. Doch schon allein die Tatsache, dass er sich damit auseinandersetzt, zeigt, dass er es eben nicht ist. Außerdem lässt er sogar eine Beziehung mit einem Mädchen zu und steht seinem besten Freund Howie seit Kindertagen zur Seite. Auch wenn er manchmal etwas ruppig rüberkommt, ist Jazz eine besonders charismatische und glaubwürdige Figur.

FAZIT

Die temporeiche Verbrecherjagd und die fesselnde Aufklärung der Morde sind vom Schreibstil her solide und fachgerecht. Was diesen Thriller jedoch zu einem ganz besonderen macht, ist die ungewöhnliche Perspektive – der Ausflug in die dunkle Seele eines Teenagers, die durch das Erbe seines Psychopathen-Vaters vernarbt ist. Trotz der durchweg düsteren Handlung sind es vor allem die teils humorvollen Nebenhandlungen mit Jazz' seniler Großmutter oder mit Kumpel Howie, die den besonderen Reiz von "Ich soll nicht töten" ausmachen. Das Beste ist jedoch der unerwartete Schluss, denn er lässt eine oder auch mehrere Fortsetzung(en) zu, die unbedingt kommen müssen.

Ich soll nicht tötenBarry LygaBlanvalet, Februar 2013Preis: 9,99 €

Für Fans von: der TV-Serie Dexter und deren Romanvorlage von Jeff Lindsay sowie sämtlichen temporeichen Thrillern

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