Roman Jack und Jill
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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Jack und Jill

-ARCHIV-

Helen Hodgmans Roman aus 1978 erscheint erstmals in Deutsch

Eine Frage des Geschmacks

Manchmal sind Bücher wie Kaffee: Dem einen schmecken sie schwarz, bitter-süß und wachmachend am besten. Der andere bevorzugt die Wohlfühl-Variante mit Zucker, Milchschaum und obenauf noch ein Hauch von Kakaopulver. Wer zu den letzteren gehört, wird an Helen Hodgmans Roman keine Freude haben. Viel zu dunkel und abgründig ist die Geschichte um Jack und Jill. Doch nicht nur das. Auch der Schreibstil von Hodgman ist äußerst kaltblütig und emotionslos.

"Trotzig lief Jill auf die Veranda und wartete, dass ihre Mutter sie suchte. Doch sie kam nicht. Sie starb an diesem Nachmittag. Wütend über so viel Vernachlässigung, hüpfte Jill auf dem Bett herum, zog ihre Mutter an den Haaren ..."

Vier Tage lang ist das kleine Mädchen Jill Limb mit seiner toten Mutter Wilma allein. Vier lange Tage auf dem Hof im australischen Outback. Erst dann kehrt Vater Douggie heim. Trotz dieser schweren Kindheit in den 1930er-Jahren schafft es Jill auf die Uni in Sydney und wird zur erfolgreichen Kinderbuchautorin. Immer an ihrer Seite ist Jack. Er kam als Wanderarbeiter auf den Hof ihres Vaters, als Jill noch ein junges Mädchen war, und blieb. Eine ungeahnt tiefe Verletzung durch Jack kann Jill nicht abhalten, ihn zu heiraten. Gegenseitig machen sich die beiden das Leben zur Hölle.

Preisgekrönte Lektüre

Es ist ein sehr knappes, angebundenes Erzählen, das Hodgman in ihrem Roman auf die Spitze treibt. Ein Satz und der Krieg ist vorbei. Ein Satz und Douggie ist tot. Ein Satz und Jill wird zur militanten Demonstrantin. Mehr erfahren wir dazu jeweils nicht. Nur gerade so viel, um uns ein karges Bild von der Situation zu machen. Als Leser hat man das Gefühl, wir werden durch die Lebensgeschichte von Jack und Jill geschleift. Ob es uns nun passt oder nicht. Wir können gar nicht anders, als Hodgman durch die Geschichte zu folgen. Denn aus Ekel und Faszination über so viele Grausamkeiten zwischen den Hauptfiguren entsteht eine eigenartige Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. 

Auf die deutsche Übersetzung des Romans mussten wir bis jetzt warten. Doch Anerkennung erfuhr Hodgman für ihr Werk "Jack und Jill" bereits 1979 durch die Verleihung des Somerset Maugham Awards. Der britische Literaturpreis wird an junge Autoren unter 35 Jahren vergeben. Zu dessen namhaften Preisträgern zählen Julian Barnes, Zadie Smith und Doris Lessing. Mit "Jack und Jill" ist Helen Hodgman ein unvergleichliches Leseerlebnis gelungen – so rau wie das australische Outback, so schwarz wie Kaffee und so packend wie das Leben. Wer nicht immer die gleiche Liebesromanze lesen möchte und einen düsteren Blick aufs Leben nicht scheut, sollte hier beherzt zugreifen.

 

Jack und JillHelen HodgmanAlbrecht Knaus Verlag, August 2015Preis: 17,99 €

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