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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Léon und Louise

-ARCHIV-

Eine Liebe in Frankreich zwischen den Weltkriegen

Léon Le Gall und Louise Janvier lernen sich zur Zeit des 1. Weltkrieges in dem beschaulichen Ort Saint-Luc-sur-Marne kennen. Kurze Zeit danach werden sie durch einen Fliegerangriff voneinander getrennt. Léon glaubt, Louise sei gestorben. Louise glaubt, Léon habe jegliches Interesse an ihr verloren. Zehn Jahre später - Léon hat mittlerweile Yvonne geheiratet - treffen die beiden in der Pariser Metro aufeinander. Für einen kurzen Augenblick begegnen sich ihre Augen. In dem Moment ihres Wiedererkennens fahren ihre Züge schon in gegensätzliche Richtungen weiter. Eine spannende Suche beginnt …

Ist der Anfang das Ende?

Der Roman setzt ein mit der Beerdigung von Léon. Nun könnte man meinen, durch diese endgültige Eröffnung verliere der Roman seinen Reiz. Aber der Schweizer Schriftsteller spielt hervorragend mit dem altbekannten Muster: Hier ist das Ende, aber wie kam es dazu? Das funktioniert nicht nur in Bertolt Brechts Stücken, sondern auch in Alex Capus Roman ungemein gut. Geschickt werden unheilschwangere Andeutungen gemacht: "… und dann wäre alles anders gekommen …" reicht, um den Leser emotional zu packen. Im Laufe des Lesens vergisst man darüber den Anfang des Romans und taucht in die verwickelte, spannende und berührende Liebes- und Lebensgeschichte von Léon und Louise ein.

Historie in verträglichen Portionen

Die historischen Umstände sind sicherlich keine leichte Kost und könnten viele Leser abschrecken. Doch werden die Ereignisse, insbesondere während des 2. Weltkrieges, aus ungewöhnlichen Perspektiven geschildert. Léon erlebt als französischer Polizei-Beamter einen anderen Kriegsalltag als Louise, die Angestellte der Banque de France ist. Dabei werden Leid, Not und Gefahr nicht überbetont, sondern in verträglichen Portionen geschildert.

Fazit: lesenswert

Wenn die letzte Seite des Romans umgeblättert ist, schlägt man am besten das erste Kapitel noch einmal auf und liest mit Genuss die Szene, in der Louise zur Beerdigung von Léon kommt. Das Klingeln von Louise an seinem Sarg wird zu einer rührenden Geste. Ein lebendiges, ergreifendes Buch, in dem es viel zu entdecken gibt, eben auch wie wunderbar die Liebe sein kann und das ganz ohne Kitsch und große Gefühlsausbrüche. Ein bisschen Drama gibt es aber auch in "Léon und Louise": "… eigentlich habe ich dich schon verloren – oder ich habe dich nie gehabt."

 

Léon und Louise Alex CapusDeutscher Taschenbuch Verlag, Juli 2012Preis: 9,90 €

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