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09. Aug 2016

Entertainment

Crysis 2

-ARCHIV-

Eine tiefgründige und packende Story sollte man von Crysis 2 nicht erwarten, denn es steckt kaum Kreativität in dem großteils langweilig daherplätschernden Plot um einen Alien-Angriff auf New York City. Als Mitglied einer Elite-Einheit des Militärs gerät der Spieler, in der Rolle des Soldaten Alcatraz, in den Besitz des Nano-Anzugs von Prophet, dem Helden aus Crysis. Der Anzug verleiht übermenschliche Kräfte, weshalb man sich nicht nur den feindlich gesinnten Außerirdischen gegenüber sieht, sondern schon bald vom Militär und anderen Interessensgruppen gejagt wird. Ein Wettlauf um das nackte Überleben beginnt – und ganz nebenbei steht auch die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel.Auch in der Präsentation der Story zeigt sich das Spiel wenig ambitioniert: Die Art der Inszenierung wechselt häufig und sorgt stellenweise dafür, dass man nicht einmal mitbekommt, was gerade passiert. Das offene Ende verleiht der Geschichte zusätzlich den Charakter einer Serien-Episode, die nur auf eine weitere Fortsetzung wartet. Doch wer denkt, dass Crysis 2 lediglich in Sachen Action punktet, der irrt. Denn der Spieler kann frei entscheiden, wie er mit Gegnern umgeht. Natürlich kann er sich durch die Level ballern, aber es steht ihm frei, Feinde zu umgehen oder lautlos auszuschalten. Besonders hilfreich ist dabei das Nano-Visier, mit dem Gegner, Equipment und Ziele in der Umgebung aufgespürt und markiert werden können. Danach weiß man immer, wo sie sich befinden. Bestimmte Levelabschnitte erfordern den Wechsel zwischen beiden Spielweisen und so entsteht ein abwechslungsreiches Abenteuer.Die Steuerung ist zunächst gewöhnungsbedürftig und stellenweise etwas zu umständlich für ein Actionspiel. Es verlangt ein paar Fingerfertigkeiten, den Nano-Anzug mit seinen Kräften in vollem Umfang zu kontrollieren - Tarnung, Extra-Panzerung, Hochsprung und Supersprint kommen oft im schnellen Wechsel zum Einsatz. Doch wirklich übermächtig fühlt man sich als Spieler leider nur selten, da die Energiereserven des Anzugs viel zu schnell abnehmen und so den Spaß an der Macht verhindern. So gut wie alles zieht am Strom des Anzugs, sowohl die Spezialkräfte als auch normale Dinge wie Schießen und von feindlichen Angriffen getroffen zu werden. Also stehen immer wieder Zwangspausen auf dem Programm, um die Energie in Deckung aufzuladen - je nach Spielweise nervt das gewaltig.

Mehr Freiheit würde man sich auch in der Spielwelt wünschen, denn trotz einigen Levelverzweigungen ist Crysis 2 ein sehr geradliniges Spiel, das den Weg zum Ziel meist vorgibt. Besonders unsinnig zeigen sich dabei die nutzbaren Fahrzeuge, die in das Spiel integriert wurden. Zu Fuß ist man meist besser dran, denn die Level sind derart ungeeignet zum Fahren, dass der Weg immer schon nach wenigen Metern blockiert ist. Es ist unverständlich, warum diese knappen Fahrpassagen eingebracht und stattdessen elementare Kerninhalte eines Shooters, wie beispielsweise die Gegner- und Waffenvielfalt, vernachlässigt wurden. Man hat tatsächlich das Gefühl, als gäbe es im gesamten Spiel nur drei bis vier Waffen. Diese können zwar durch ein paar Funktionen modifiziert werden, doch letztendlich nutzt man jeweils nur eine favorisierte Konfiguration.Bei der Handvoll Gegnertypen ist das nicht anders – andauernd trifft man auf dieselben Soldaten und Aliens. Doch was dabei noch schlimmer wiegt, ist die grauenhafte Gegner-KI, die immer wieder Anlass dazu gibt, sich über das Gegnerverhalten zu ärgern, und den Spieler aus der Inszenierung herausreißt. Insbesondere wenn man gestorben ist und einen Level neu startet, ist die Gefahr groß, dass einige Gegner im wahrsten Sinne durchdrehen: Sie bewegen sich im Sitzen fort, laufen gegen Wände, zucken wie bei einem Epilepsieanfall oder begehen Selbstmord, indem sie zu Tode stürzen und andere Feinde so auf den Spieler aufmerksam machen.Neben der Kampagne kann man sein Können im Multiplayer unter Beweis stellen. In typischen Mehrspielermodi, die an die Gegebenheiten des Crysis-Universums angepasst wurden, kann allein oder im Team um die Tabellenspitze gekämpft werden. Natürlich in Nano-Anzügen, die die Vorzüge und Eigenheiten wie in der Kampagne aufweisen. Doch viele Fähigkeiten, Waffen und Modifikationen müssen zunächst freigeschaltet werden, was für entsprechende Langzeitmotivation sorgt.

Fazit: Crysis 2 verlagert die Action vom Dschungel in die Großstadt und zeigt sich erneut vor allem optisch von allerbester Seite. Der Sci-Fi-Egoshooter hat jede Menge zu bieten, enttäuscht aber auch an vielen Stellen. Nichtsdestotrotz kommen hartgesottene Shooter-Fans auf ihre Kosten.Crysis 2Getestet für: Xbox 360Auch erhältlich für: PlayStation 3 und PCPreis: ca. 40-60 EuroUSK: ab 18 JahrenInfos: www.ea.comBewertung: 3/6

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