Let's dance!
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09. Aug 2016

Entertainment

Dance Central 2 vs. Just Dance 3

-ARCHIV-

Die Musik

Die Tanz-Giganten unterscheiden sich in punkto Musik deutlich, tanzbar sind die meisten Songs beider Games selbst dann, wenn man sie ansonsten eigentlich blöd findet. Einen besonderen Favoriten konnten wir nicht ausmachen, denn über Geschmack lässt sich bekanntlich prima streiten.

Wer auf eine amerikanisch geprägte Mischung aus Hip-Hop, R’n’B und Black Dance steht, sollte zu Dance Central 2 greifen. Die Trackliste liest sich wie ein aktuelles Who is Who der amerikanischen Musikszene - von Lady Gaga und Rihanna über Sean Kingston zu Usher. Bleibt nur die Frage, warum ausgerechnet Britney Spears’ „Toxic“ nicht wie alle anderen Songs als Original, sondern nur als No Name Cover-Version vertreten ist. Das trübt den sehr guten Gesamteindruck. Unser Anspieltipp: „Real Love“ von Mary J. Blige

Die Trackliste von Just Dance 3 entspricht schon eher dem europäischen Durchschnitts-Gehör und bietet für Tänzer jeden Alters und nahezu jeden Musikgeschmacks etwas. Fans aktueller Chart-Hits wie von Taio CruzKaty Perry oder LMFAO kommen genauso auf ihre Kosten wie Liebhaber von Klassikern von a-haKISS oder Donna Summer. Besonderes Highlight für uns: „Let’s go to the Mall“ von Robyn „Sparkles“ Scherbatzky aus der TV-Serie How I Met Your Mother.

Die Lernkurve

Nicht jeder ist ein so begnadeter Tänzer wie Usher, aber Jahre lang üben will man für Tanz-Spiele auch nicht. Dance Central erforderte im letzten Jahr einiges an Training, bevor man die Abfolge der Moves einigermaßen drauf hatte. Bei Dance Central 2 wurde der Einstieg nun deutlich erleichtert, denn auch Anfänger haben hier echte Chancen, bei einem Song eine gute Figur zu machen und viele Punkte zu holen. Es gibt weniger unterschiedliche Moves, die sich in ausreichend langen Abständen wiederholen. Auf den höheren Schwierigkeitsgraden wird es knackig schwer. Aber so können auf jeder Party die echten Travoltas immer noch für Staunen sorgen, während Gelegenheitstänzer auch mit ein paar Tassen Glühwein intus ihren Spaß haben.

Bei Just Dance 3 zählt das Motto: Mach mit, mach’s nach, mach’s mindestens genauso gut. Im Gegensatz zur Konkurrenz bietet das Spiel keinen Trainingsmodus, man stürzt sich sofort auf den Dancefloor. Die kommenden Schritte werden in Form kleiner Figur-Icons angekündigt, die über den unteren Bildschirmrand laufen und nicht wie bei Dance Central in Form von Infokärtchen von unten nach oben rutschen. Just Dance 3 macht es einem nicht gerade leicht, denn die Moves wechseln sich in einer hohen Frequenz ab und sind nicht immer sofort nachvollziehbar, so dass man manche Bewegungen erst versteht, wenn sie schon wieder vorbei sind. Die Choreographien müssen nach und nach einstudiert und gemeistert werden, um erste Erfolge zu erzielen.

Das Tanzgefühl

Mit Dance Central eroberte man im vergangenen Jahr die virtuelle Tanzfläche und fühlte sich wie ein echter Tanz-Profi, selbst wenn man nur wenige Moves richtig beherrschte. Beim Nachfolger entsteht oft der Eindruck, als würde man gerade am wöchentlichen Aerobic-Kurs teilnehmen. Man fuchtelt verrückt mit den Armen zu wilden Beats, bewegt sich nach links und rechts und versucht, den Schritten so schnell wie möglich zu folgen. Atemberaubende Tanzbewegungen sehen meist anders aus. Das mag daran liegen, dass Dance Central 2 nicht mehr nur Wert aufs Tanzgefühl legt, sondern auch einen Fitness-Modus bietet. Dementsprechend sind die einzelnen Choreographien auf schweißtreibende Bewegungsabläufe ausgelegt. Zuviel von dem eigentlich so hippen Club-Gefühl aus Teil 1 geht dadurch aber leider verloren.

Bei Just Dance 3 fühlen sich manche Moves einfach albern an, gerade wenn es sich um klassische Disco-Bewegungen handelt, die nicht einmal in den schrillen Tanzfilmen der 70er Jahre sexy waren. Doch das lassen die abwechslungsreichen Choreographien des Spiels schnell vergessen, die oft auf zwei bis vier Tänzer ausgelegt sind und eine mitreißende Dynamik haben. Wenn der Song dann richtig ins Ohr geht, groovt man sich in den siebten Partyhimmel.

Der Schweißfaktor

Stulpen, Leggins und Tank-Top muss man für unsere Dance-Games zwar nicht zwingend tragen, doch das teure Cocktailkleid und der feine Zwirn sollten lieber im Schrank bleiben. Denn wer hier auch nur einen Song tanzt, kommt schon richtig ins Schwitzen. Bei Dance Central 2 werden die verbrauchten Kalorien nicht nur im Fitness-Modus gemessen, sondern bei jedem Song fortlaufend gezählt. So lohnt sich eine tägliche halbe Stunde Tanzen im Karrieremodus, um nicht nur neue Charaktere und Kostüme auf allen Schwierigkeitsstufen frei zu schalten und die Dance Crews mit den eigenen Leistungen zu beeindrucken, sondern auch um die eigene Fitness anzukurbeln. Und selbst die gemächlicheren Songs können es mit so manch kniffligen Bewegungsabfolgen ganz schön in sich haben.

Auch Just Dance 3 sorgt für jede Menge Bewegung. Die Choreographien sind nicht nur schön anzusehen, sondern bringen jeden Muskel immer wieder in Bewegung. Der Schweißfaktor liegt je nach Song aufgrund der schnelleren Abfolge an unterschiedlichen Moves sogar höher als bei der Konkurrenz. Kalorien werden ebenfalls mitgezählt, einen eigenen Fitnessmodus bietet das Game allerdings nicht.

Die Technik

Wir haben unsere Tanzstunden auf die Xbox 360 verlegt und uns mit Kinect so richtig verausgabt. Der Bewegungssensor hat dem Tanzspiel-Genre schließlich seit vergangenem Winter zu einem neuen Boom verholfen. Doch nur wenn die Technik gut genutzt wird, macht das Tanzen vorm Fernseher auch richtig Spaß. Dance Central hat 2010 schon bewiesen, dass es mit der Ganzkörpererkennung klappen kann. Die Navigation durch die Menüs ist bei Teil 2 zwar hakeliger geworden, weil die Erkennung sensibler ist, doch dafür reagiert das System während der Tänze gnädiger. Während vorher ein Move völlig verpatzt war, sobald ein Körperteil nicht richtig in Position war, werden diesmal auch kleinere Wackler toleriert. Das verringert den Spielfrust und fühlt sich immer noch authentisch an, denn beschummeln lässt sich das System trotzdem nicht.

Ganz anders funktioniert da Just Dance 3. Die Spielserie ist zum ersten Mal auch für Kinect erhältlich und gehört zu den erfolgreichsten Titeln für Nintendos Wii. Dort werden hauptsächlich die Bewegungen der Hände registriert. Deshalb kann man sich auch in der Kinect-Version entscheiden, ob man nur den Oberkörper oder den ganzen Körper verfolgen lassen will. Doch selbst wenn man den ganzen Körper einsetzen muss, reicht es oft, die Hände in die Richtung zu bringen, die laut Move-Icon gefordert wird. Richtig tanzen muss man theoretisch nicht, das macht dann aber auch nicht soviel Spaß.

Der Partyspaß

Musikspiele gelten allgemein als perfekte Partyspiele – und werden meist auch genau damit beworben. Dance Central 2 hat sich in diesem Punkt gemausert, denn es ist nicht nur viel leichter zugänglich, sondern bietet auch endlich echtes Koop-Tanzen. Im Vorgänger konnte man nur abwechselnd gegeneinander antreten. Jetzt ist es jederzeit möglich, als zweiter Spieler einzusteigen und mitzutanzen. Dabei hat jeder seinen eigenen, klar getrennten Bildschirmbereich, so dass es nicht zu Verwechslungen kommen kann.

Just Dance 3 legt noch einen drauf und ist mit bis zu vier Spielern gleichzeitig spielbar. Die Choreographien sind oftmals sogar auf zwei bis vier Tänzer angelegt, so dass die einzelnen Moves aufeinander abgestimmt sind und sich oft im Gesamtbild ergänzen. Das gemeinsame Tanzgefühl wird so noch gesteigert. Allerdings kann es gerade zu viert eng vorm Bildschirm werden, so dass man schnell den Überblick verliert, welchen der verschiedenen Moves man eigentlich gerade ausführen möchte. Das beeinträchtigt den Partyspaß aber kaum.

Der Sieger

Die zwei Tanzspiel-Giganten Dance Central 2 und Just Dance 3 haben sich einen spannenden Kampf geliefert. Unsere Dancing Queen heißt Dance Central 2! Aber auch Just Dance 3 hat sich trotz mangelnder technischer Präzision und einer größeren Lernkurve beim ersten Auftritt für Kinect gut geschlagen.

  • Dance Central 2

    Getestet für: Xbox 360

    UVP: ca. 50 Euro

    USK: freigegeben ohne Altersbeschränkung

  • Just Dance 3

    Getestet für: Xbox 360

    Auch erhältlich für: PS3 Move, Wii

    UVP: ca. 50 Euro (PS3, Xbox 360), ca. 40 Euro (Wii)

    USK: freigegeben ohne Altersbeschränkung

    www.ubisoft.de 

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