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09. Aug 2016

Entertainment

Duke Nukem Forever

-ARCHIV-

Duke Nukem brauchte eine Ewigkeit, um wieder auf der Bildschirmfläche zu erscheinen. Die ständigen Neuankündigungen und immer wieder verschobenen Release-Termine entwickelten sich in den letzten 14 Jahren zu einer Art Running-Gag der Spielebranche. Die Erwartungen waren also extrem hoch – und mussten von vornherein enttäuscht werden. Denn die Legende konnte sich nur selbst demontieren, man merkt dem Titel an vielen Stellen einfach an, dass zuviel und zulange daran herumgebastelt wurde. Duke Nukem Forever ist weder spielerisch noch technisch auf der Höhe der Zeit - doch deswegen ist es noch lange kein schlechtes Game.Es ist einfach schade, dass der Duke erst jetzt zum Zug kommt, denn vor wenigen Jahren noch hätte er in dieser Form viele Leute begeistert. Doch heutzutage zünden viele der präsentierten Ideen für Leveldesign oder Endbosskämpfe nicht mehr richtig, da man diese in anderen Games schon oft ähnlich erlebt hat. Dennoch bietet Duke Nukem Forever soviel Abwechslung, dass selten Langeweile aufkommt. Höchstens die trotz Installation frustrierend langen Ladezeiten verderben oft den Spielspaß. Nicht zuletzt, weil man öfter aufgrund knapp geplanter Jump’n’Run-Passagen, unbemerkt herumfliegender Riesenwummen oder aus dem Hinterhalt angreifende Gegner schnell stirbt – und der Level dann komplett neu geladen wird.Man muss also Geduld mitbringen, auch weil nach einem rasanten, witzigen Einstieg in die Welt des großen Duke Nukem das Spiel mit den ersten Alien-Angriffen erst einmal nachlässt. Außer draufhalten und ballern, passiert nicht wirklich viel. Doch nach und nach nimmt der Duke langsam Fahrt auf, weniger mit der hanebüchenen Story um die Rache der Aliens am großen Duke Nukem, sondern weil man immer wieder in neue, teils absurde Situationen gerät und stets genug zu tun und zu entdecken hat. Die Inszenierung hapert an manchen Stellen, doch dies ist zum einen dem Genre des Ego-Shooters geschuldet, weil man im entscheidenden Moment vielleicht nicht zur richtigen Stelle schaut. Und zum anderen ist es einem Spieldesign geschuldet, das den eigentlich so übermächtigen Duke allzu oft wie ein kleines Mädchen dastehen lässt.Der Duke kann gerade einmal zwei Waffen gleichzeitig tragen, schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist er nach wenigen gegnerischen Treffern tot, wird schon nach einem Bier sturzbetrunken und kommt beim Laufen viel zu schnell aus der Puste. Klar, auch der Duke ist älter geworden, aber wenn er sich im Spiegel als das Tollste, das die Welt zu bieten hat, anhimmelt, wirkt diese Wehleidigkeit eines dermaßen mit Muskeln bepackten Kerls lächerlich.

Unterhaltsam sind hingegen die vielen Objekte, mit denen er interagieren kann, wenn man Zeit am Flipperautomaten oder einarmigen Banditen vertrödelt oder versucht, einen Basketball in den Korb zu werfen. Die Interaktionen und Dukes Sprüche sind oft sehr derbe, aber anders würde man es von einem echten Macho wie ihm auch nicht erwarten. Zumal sich der Duke teilweise selbst nicht ernst zu nehmen scheint - und das tut dem Spiel richtig gut.Absurd sind die Passagen, in denen der Duke durch eine Alien-Technologie schrumpft und als Mini-Version durch die Spielwelt hüpfen muss. Begegnet er so Mädels, wird er von ihnen als niedliches Sexspielzeug vergöttert. Doch mit ebenso kleinen Miniatur-Waffen gerät der Mini-Duke schnell in Bedrängnis, wenn normalgroße Gegner den Raum stürmen. Praktisch ist es hingegen, wenn man die Gegner selbst mit der Schrumpfkanone verkleinern oder mit einer Eiskanone einfrieren kann.Die Spielatmosphäre leidet nicht nur unter der altbackenen Grafik, sondern auch unter einer schlechten deutschen Synchronisation. Zwar passt Manfred Lehmann, die deutsche Stimme von Bruce Willis, erstaunlich gut zum Duke, doch die Sprachschnipsel wiederholen sich viel zu schnell und nerven auf Dauer. Im Gegensatz zu Lehmann klingen alle anderen Charaktere wie Laiendarsteller einer billigen Doku-Soap auf RTLII-Niveau. Doch zum Glück gibt es bei einem solchen Actionspiel nur wenige Dialoge.Wer die Einzelspielerkampagne durchgestanden hat, kann sich online im Multiplayer jede Menge willige Frauen und Entertainment für Duke’s Bude verdienen. Denn die Gegenstände werden freigeschaltet, indem man Level um Level online bei den üblichen Modi wie Capture the Flag sowie Team- und Einzelspieler-Deathmatches aufsteigt.

Fazit: Eine Legende kehrt endlich zurück, doch allzu große Sprünge sollte man von Duke Nukem Forever nicht erwarten. Es kann weder technisch noch optisch mit aktuellen Shooter-Referenzen wie Crysis 2 mithalten. Nichtsdestotrotz feiert das Spiel den Duke mit der richtigen, teils derben Portion Humor und einem großen Augenzwinkern. Der Duke liefert Action und Unterhaltung pur – und genau deshalb können wir über Schwächen wie die verdammt langen Ladezeiten gerade noch hinwegsehen.Duke Nukem ForeverGetestet für: Xbox 360Auch erhältlich für: PC und PlayStation 3Preis: ca. 40-60 EuroUSK: ab 18 JahrenInfos: www.2kgames.deBewertung: 4/6

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