Bad Moms Filmkritik
Party like a Mother - Hier kommen die "Bad Moms"! | Foto: TOBIS Film GmbH
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27. Jan 2017

Sandra Ruppel

Filme

Bad Moms

Die Mami-Komödie mit Mila Kunis gibt’s ab sofort für’s Heimkino!

Eine Mom, tausend Funktionen

Amy Mitchell (Mila Kunis) tut wirklich alles, um eine gute Mutter zu sein. Jeden Tag reißt sie sich förmlich ein Bein aus, um nicht nur ihrem stressigen Job als Sales Managerin einer hippen Coffee Company gerecht zu werden, sondern dabei ihre beiden Kinder auch noch mit einem gesunden, selbstgemachten Frühstück in der Schultasche aus dem Haus zu schicken.

Wenn Tochter Jane (Oona Laurence) nachmittags zum Training muss, verzichtet Amy auf die Mittagspause und macht stattdessen den Shuttleservice. Wenn bei Sohn Dylan (Emjay Anthony) ein Mathetest ansteht, übt sie stundenlang mit ihm. Das Kunstprojekt der Kinder ist nicht fertig geworden? Amy rührt schon mal den Kleister an. Ob Schulaufführung oder Elternbeiratssitzung: Amy ist da. Und zwar immer auf Kosten ihrer eigenen Bedürfnisse. Dabei ist die junge Power-Mom keineswegs alleinerziehend. Ihr Ehemann Mike (David Walton) benimmt sich allerdings lieber wie das dritte Kind der Familie, statt auch mal ernsthaft mitanzupacken.

 

Es ist Zeit für die Rebellion der Mütter

Wäre all das nicht schon genug, muss Amy sich zu allem Überfluss auch noch regelmäßig mit den Anforderungen der Vorsitzenden des Elternbeirats, Gwendolyn James (Christina Applegate), herumplagen. Diese hat es sich nämlich nicht nur selbst auf die Fahne geschrieben, die perfekte Übermutter zu sein, sondern erwartet das stetige Streben nach Perfektion auch von allen anderen Müttern an der Schule.

Auf die Idee, sich Gwendolyns Regime und dem allgemeinen Gruppenzwang zu widersetzen, kommt keiner. Zumindest nicht, bis Amy auf einer der zahllosen Elternversammlungen nach einem richtig anstrengenden und beschissenen Tag endgültig der Kragen platzt. Sie hat genug von all der übertriebenen Perfektion – und entscheidet, dass es höchste Zeit für ein neues Konzept ist: Gemeinsam mit der verhuschten vierfachen Mutter Kiki (Kristen Bell) und der extrovertierten alleinerziehenden Carla (Kathryn Hahn) gründet sie die "Bad Moms".

Statt Kinderbetreuung ist jetzt Party angesagt – und damit auch jede Menge Spaß! Und das, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Klar, dass Alpha-Supermutter Gwendolyn über die aus der Reihe tanzenden Bad Moms ganz und gar nicht begeistert ist – und beschließt, etwas dagegen zu unternehmen…


Bad Moms Rezension


Wie Hangover – nur für Mamis

"Bad Moms" stammt aus der Feder von Jon Lucas und Scott Moore, die Autoren, die auch schon das Drehbuch zu "Hangover" geschrieben hatten – diesmal haben die beiden sogar selbst die Regie übernommen. Mit "Bad Moms" ist dem Duo eine lockere Komödie gelungen, die einerseits ein wichtiges Phänomen thematisiert: Mütter bringen sich selbst permanent an die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit, um zu einhundert Prozent für ihre Kinder da zu sein – während die Väter sich schön aus allen Verpflichtungen raushalten.

Trotz vollem Einsatz hängt den Moms ständig die Angst im Nacken, bei der Erziehung etwas falsch zu machen. Außerdem gibt es dann ja auch noch die anderen Eltern, die einen kritisch von Außen beäugen. Ein System, das noch zusätzlichen Druck aufbaut. Und spätestens wenn Amy ihren beiden Verbündeten Kiki und Carla gesteht, dass sie täglich mindestens einmal von dem Gedanken befallen wird, dass sie die wahrscheinlich schlechteste Mutter des Planeten ist, dürften zahlreiche Muttis vor dem Bildschirm wissend und mitfühlend mit dem Kopf nicken. Umso mehr Spaß macht es dann also, dabei zuzusehen, wie Amy, Kiki und Carla zum Befreiungsschlag ansetzen und ihre Revolution gegen das Übermuttertum antreten. Keine Frage, die Party-Sequenzen sorgen für gute Unterhaltung und der Soundtrack zum Film fetzt.

Bad Moms: Da geht noch mehr!

Andererseits verschenkt "Bad Moms" aber auch einiges an Potential. Lucas und Moore greifen zwar auf humorvolle Art ein wichtiges Thema auf – in einem Interview geben sie an, dass ihnen die Idee zum Film gekommen sei, weil sie ihre eigenen Ehefrauen und das soziale Umfeld, in dem sie sich bewegen, beobachtet haben. Relevant ist der Inhalt von "Bad Moms" also zweifellos – und sicher nicht nur für die Ehefrauen von Hollywood-Spitzenverdienern, sondern eben auch für Mütter mit weniger exklusivem Hintergrund.

Trotzdem kratzen Lucas und Moore mit ihrem Film aber nur an der Oberfläche. Obwohl man den drei Schauspielerinnen Kunis, Bell und Hahn – alle selbst Mütter von kleinen Kindern - durchaus zutrauen würde, ihren Beruf gut genug zu beherrschen, um dem Film noch etwas mehr Tiefgang verleihen zu können – man lässt sie nicht. Zu perfekt ist Amy trotz aller angeblichen Unperfektheiten, Carla hingegen ist überzeichneter, als es nötig gewesen wäre.

Es wirkt, als habe man sich nicht getraut, eine alleinerziehende und dabei sexuell freie und experimentierfreudige Mutter in einem solchen Hollywood-Blockbuster auftauchen zu lassen – zumindest nicht eine, die man auch als Charakter ernst nehmen kann. Also ist Carla derart überzogen gezeichnet, dass man keine Angst mehr vor ihr haben muss. Sie ist eben einfach eine lustige Filmfigur. Immerhin zelebriert Kathryn Hahn Carla mit jeder Faser und macht es dem Zuschauer leicht, sie und ihre flachen Sprüche abzufeiern.



Fazit zu Bad Moms

Obwohl "Bad Moms" sein Potential, ein aktuelles Thema mit Augenzwinkern aufzubereiten und dabei trotzdem etwas mehr in die Tiefe zu gehen, nicht ausschöpft, ist Lucas und Moore doch eine witzige Komödie am Puls der Zeit gelungen. Besonders Kathryn Hahn holt alles aus ihrer Rolle als Carla heraus und nutzt die Gelegenheit, um mal so richtig auf die Kacke zu hauen.

Zwar wird hier zotentechnisch so einige Male der Holzhammer hervorgeholt. Amüsant ist es aber allemal, wenn Carla ihren beiden neugewonnenen Mom-Freundinnen Amy und Kiki anhand eines rosa Kapuzen-Shirts erklärt, wie man mit einem unbeschnittenen Penis richtig umgeht.

"Bad Moms"ist alles in allem also eine unterhaltsame Hollywood-Komödie, die stellenweise etwas dick aufträgt. Dennoch macht es Spaß, Kunis, Bell und Hahn dabei zuzusehen, wie sie sich von dem Druck der Gesellschaft, eine perfekte Super-Mutter sein zu müssen, frei machen und ihr eigenes Ding durchziehen.


UNICUM Film-Tipp

Bad Moms DVDBad Moms

Komödie, USA 2016

Regie: Jon Lucas, Scott Moore

Darsteller u. a.: Mila Kunis, Kristen Bell, Kathryn Hahn, Christina Applegate, Jada Pinkett-Smith

Verleih: Tobis Film

VÖ: 20. Januar 2017

Online bestellen (Amazon): Bad Moms

Mehr unter: facebook.com/BadMoms und tobis.de/film/bad-moms

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