Kritik Black Panther
Starkes Team: Nakia, T'Challa und Kriegerin Okoye (vlnr.) | Foto: Walt Disney Studios
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19. Jul 2018

Sandra Ruppel

Filme

Black Panther

Der beste Marvel-Film ever?

Black Panther: Worum geht’s?

Gerade mal eine Woche ist vergangen, seit der König von Wakanda bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen ist. Eine Woche, seit sein Sohn Prinz T’Challa (Chadwick Boseman) zum ersten Mal als geheimnisvoller Black Panther in Erscheinung getreten ist, um den Attentäter hinter dem Anschlag ausfindig zu machen und zur Verantwortung zu ziehen.

Zeit zum Trauern bleibt T‘Challa aber nicht. Denn in seiner Heimat wartet eine Zeremonie auf ihn, deren Ausgang nicht nur bestimmen wird, ob er seinem Vater auch wirklich auf den Thron folgt. Sondern auch, ob er würdig ist, das Erbe des Black Panthers anzutreten und damit die Sicherheit Wakandas zu gewährleisten.

Das ist doppelt wichtig, weil Wakanda ein Geheimnis hat, das von dem Waffenhändler Ulysses Klaue (Andy Serkis) und dem mysteriösen Elite-Soldaten Erik Killmonger (Michael B. Jordan) enthüllt zu werden droht: Der Staat im Herzen Afrikas besitzt – einem Meteoriten-Absturz sei Dank – Unmengen des kostbaren Metalls Vibranium, das sich unter anderem hervorragend eignet, um High-Tech-Waffen herzustellen. Während Wakanda bisher nach Außen die Illusion aufrechterhalten hatte, es sei ein Dritte-Welt-Land, ist man technologisch hier so weit entwickelt, wie nirgends sonst.



Was kann "Black Panther"?

Natürlich ist "Black Panther" ein Superheldenfilm, bei dem, ganz Marvel-Style, weder die Action zu kurz kommt, noch der visuelle Genuss. Die Landschaftsbilder etwa? Ein Traum. Um es mit T’Challas Worten zu sagen, als er mit seinem raumschiffartigen Privatjet über Wakanda hinwegfliegt: "This never gets old". Glauben wir gerne, dass der Anblick, der ihm da zuteilwird, niemals langweilig wird.

Was "Black Panther" aber von einem guten Marvel-Abenteuer zu einem großartigen macht, ist nicht die Action und auch nicht die tolle Landschaft. Auch die Gags sind es nicht, denn diesmal werden sie nur sehr sparsam eingesetzt. Anders, als wir das beispielsweise aus "Thor: Tag der Entscheidung" oder auch "Spider-Man: Homecoming" kennen.

Zu einem großartigen Superhelden-Abenteuer wird "Black Panther", weil sich Marvel von uralten Klischees freimacht und umsetzt, was besonders in Produktionen dieser Größenordnung schon lange überfällig war.

Der Cast: Kein bisschen #OscarsSoWhite

Der Cast etwa besteht (fast) ausschließlich aus afro-amerikanischen Schauspielern und Schauspielerinnen. Außer dem CIA-Agenten Ross (Martin Freeman) und dem Waffenhändler Ulysses Klaue (Andy Serkis) ist weit und breit kein Weißer zu sehen.

Der Feminismus: Kein bisschen #MeToo

Die starken, wichtigen, einflussreichen Rollen sind überwiegend mit Frauen besetzt: Shuri (Letitia Wright), die Schwester T’Challas, fungiert als Gehirn hinter dem hauseigenen High-Tech-Labor des Palastes. So ziemlich jedes Gadget, das im Film eine Rolle spielt, hat sie entwickelt. Shuri schmeißt aber nicht nur das Labor mit links, sondern ist auch der heimliche Star des Films: Sie ist schlau, frech, witzig und so erfrischend, wie es schon lange keine Figur im Marvel-Cinematic-Universe mehr war.

Die gesamte Leibgarde des Königs, die Dora Milaje, besteht aus Kriegerinnen. Angeführt wird die Armee durch Okaye (Danai Gurira), die sich nicht von Gefühlen wie Liebe leiten lässt, sondern von ihrem kühlen Kopf, den sie jederzeit bewahrt.

Nakia (Lupita Nyong‘o) ist nicht nur Spionin und die Ex, die dafür sorgt, dass T’Challa regelmäßig seine Lässigkeit verliert. Sie ist auch diejenige, die dem Action-Abenteuer eine tiefere Ebene verleiht. Durch ihre Überzeugungen kommt nämlich die Frage nach der Verantwortung Wakandas gegenüber dem Rest der Welt auf den Tisch: Sollte sich ein insgeheim hochentwickelter Staat wie Wakanda nicht für die einsetzen, die in Not sind? Indem Technologie, Medizin, Ressourcen und Wissen nicht länger geheim gehalten, sondern allen zugänglich gemacht wird? Und indem Flüchtlinge aufgenommen werden? Ist es nicht möglich, die eigenen Lebensweisen und Traditionen zu bewahren, obwohl sich andere Kulturen darunter mischen? Eine Frage, die brisanter und aktueller kaum sein könnte.


Black Panther Frauenpower


Die Musik: Kein bisschen Autotune

Mit dem Soundtrack, der geprägt ist von Elementen aus der afrikanischen Musik, etwa durch den Einsatz von afrikanischen Trommeln und Holzinstrumenten, wird ein ganz eigener Rahmen für "Black Panther" geschaffen. In diesen Rahmen fügt sich die Handlung perfekt ein.

Ab der ersten Sekunde wird die passende Stimmung erzeugt, Setting, Plot, Cast und Musik fühlen sich im Zusammenspiel insgesamt wahnsinnig rund an. Gleichzeitig hebt sich das Abenteuer des afro-amerikanischen Marvel-Helden durch den speziellen Soundtrack wiederum deutlich von den anderen Filmen des MCU ab. Auch das ist stimmig.


Fazit zu "Black Panther"

Erwähnt sei als Wehrmutstropfen, dass Wakanda (als fiktiver Staat) im Herzen von Afrika liegt. Dort stattgefunden hat der Dreh aber nicht. Die Landschaften, die man auf Leinwand und Bildschirm bewundern kann, liegen in Argentinien, den USA und Südkorea. Sicherlich wäre es noch radikaler und konsequenter gewesen, hätte man sich entschieden, teilweise ebenfalls in Afrika zu drehen.

Dennoch ist "Black Panther" ein Marvel-Abenteuer, das nachhaltig beeindrucken kann. Mit Action und mit visuellen Schmankerln zum einen. Aber eben vor allem auch, weil der Film mehr kann, als Frauen zu zeigen, die gerettet werden und (männliche weiße) Helden, die retten. Im Zusammenspiel machen Diversität, Frauen-Power, coole Role-Models und kluger Diskussionsstoff "Black Panther" zu dem vielleicht besten Marvel Film ever. Bis jetzt.


UNICUM Film-Tipp

Black Panther DVDBlack Panther

Superheldenfilm, USA 2018

Regie: Ryan Coogler

Darsteller u.a.: Chadwick Boseman, Lupita Nyong'o, Letitia Wright, Danai Gurira, Michael B. Jordan, Martin Freeman, Andy Serkis

Verleih: Walt Disney

Laufzeit: 129 Minuten

Heimkinostart: 19. Juli 2018

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