Die Hände meiner Mutter
Andreas Döhler und Jessica Schwarz in "Die Hände meiner Mutter" | Foto: Kinescope Film
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28. Nov 2016

Nathan Niedermeier

Filme

Die Hände meiner Mutter

Ein bewegender Film zu einem schwierigen wie wichtigen Thema

Erinnerungen zerreißen plötzlich das Leben von Markus und Monika

Während eines Familientreffens kommen in Markus (Andreas Döhle) plötzlich Erinnerungen auf, die er vorher offenbar verdrängt hatte. Er erinnert sich daran, wie seine Mutter ihn als Kind sexuell missbraucht hat. Die wieder aufkeimenden Bilder gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf und wirbeln sein Leben, seine Beziehung zu seiner Frau Monika (Jessica Schwarz) und nicht zuletzt auch die zur gesamten Familie auf.

Die große Wucht der Emotionen bringt Markus und Monika an den Rand der Verzweiflung: An ein alltägliches Leben ist nicht mehr zu denken. Aus der Innensicht des 39-Jährigen erleben wir die aufwühlenden Szenen mit ihm noch einmal durch. Doch wir sehen kein Kind, sondern den heutigen Markus, der, gekleidet wie sein zehnjähriges Ich, von seiner Mutter misshandelt wird.


Aufarbeitung eines Tabuthemas

Mit "Die Hände meiner Mutter" arbeitet Eichinger das Tabu Kindesmissbrauch durch Mütter auf. Ein gesellschaftliches Thema, das deutlich mehr Menschen betrifft, als es vermutlich die meisten annehmen würden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von 18 Millionen Minderjährigen in Europa und einer Million Minderjähriger in Deutschland aus, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Bricht man diese Zahlen in Bezug auf Schulklassen in Deutschland herunter, sind das durchschnittlich ein bis zwei Kinder pro Klasse.

Wer sind die Täter? Laut Zahlen des unabhängigen Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs sind 80 bis 90 Prozent der Täter männlich. Dementsprechend sind 10 bis 20 Prozent der Täter Frauen. Bei einem Viertel der Fälle geht die sexuelle Gewalt von Menschen aus der engen Familie aus. So auch in Einchingers Drama, das den Abschluss einer Filmtrilogie zu "Gewalt in der Familie" bildet.    

Reden statt Schweigen!                                       

Der Film zeigt eine bestürzende Geschichte, die den Kindesmissbrauch von Müttern offen thematisiert und damit die Zuschauer und letztlich auch unsere ganze Gesellschaft vor viele Fragen stellt. Der Film liefert jedoch auch eine ganz wichtige Antwort: Reden statt Schweigen!  Denn es zeigt sich, dass nicht nur Markus sexuell missbraucht wurde, sondern auch andere Familienmitglieder betroffen waren, jedoch Niemand darüber gesprochen hat. Es wurde totgeschwiegen. Erst Jahrzehnte später, als Markus sich erinnert und die anderen zur Rede stellt, erfährt er, das er nicht alleine war. So lehrt uns der Film: Redet darüber, denn das Schlimmste was wir tun können ist darüber zu schweigen.

Eindruckvoll, bestürzend, klug inszeniert

Andreas Döhle überzeugt als Markus mit eindrucksvollem Schauspiel, das uns sehr nah an die Gefühle des 39-Jährigen heranbringt! Auch Jessica Schwarz leistet als Ehefrau Monika Beeindruckendes. Eichinger gelingt mit "Die Hände meiner Mutter" ein Film, der mit seiner bewegenden Geschichte und seinen schockierenden Elementen wachrüttelt. Der Regisseur weiß das Geschehen gut und klug zu inszenieren. Ein insgesamt sehenswerter Film mit starken Szenen und Dialogen die betroffen machen ohne dabei das Ganze zu stark zu dramatisieren.

Hilfeangebote für Betroffene

Hilfetelefon: 0800 – 22 55 530 www.hilfetelefon-missbrauch.de
Hilfeportal: www.hilfeportal-missbrauch.de


UNICUM Film-Tipp

Das Drama "die Hände meiner Mutter" ist eine Kinescope Film Produktion in Zusammenarbeit mit Bergfilm Produktion.Die Hände meiner Mutter

Drama, Deutschland 2016

Darsteller: Andreas Döhler, Jessica Schwarz, Katrin Pollitt, Heiko Pinkowski

Regie und Buch: Florian Eichinger

Verleih: farbfilm verleih

Kinostart: 1. Dezember 2016

Mehr unter: Facebook.com/diehaendemeinermutter

Artikel-Bewertung:

3.29 von 5 Sternen bei 107 Bewertungen.

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Veröffentlicht am 14. Dez 2016 um 18:25 Uhr von Jörg Krause
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Veröffentlicht am 14. Dez 2016 um 18:28 Uhr von Jörg Krause
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