Freta Gerwig Lady Bird
Bekommt Greta Gerwig (rechts im Bild) den Oscar für "Beste Regie"? | Foto: Universal Pictures
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02. Mär 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: 2017 waren Frauen in Hauptrollen rarer denn je

Neu im Kino: "Call Me By Your Name" und "Molly's Game"

"Call Me By Your Name" (Start: 01. März 2018) – Norditalien im Sommer 1983: Der 17-jährige Elio (Timothée Chalamet) verbringt die heißen Monate des Jahres damit, klassische Musik zu transkribieren, zu lesen und sich mit Freunden zu treffen. Doch sein Alltag wird ziemlich durcheinander gebracht, als sein Vater einen Gast ins Haus holt: Der Amerikaner Oliver (Armie Hammer) soll dem Archäologen bei seiner Arbeit helfen. Vor allem aber weckt er bei Elio ganz neue Gefühle.

Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von André Aciman ist das wohl schönste Coming-of-Age-Werk von 2018. Langsam, sinnlich und intensiv wird die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Elio und Oliver erzählt. Die Farben sind dabei warm und satt, die Villa, in der die meisten Szenen spielen, lädt zum Tagträumen ein, und die Gespräche sind aufregend intellektuell. Einfach alles an diesem Film wirkt so frei von klischeehaften Problemen, dass man ihn schon fast als Feel-Good-Movie betiteln möchte.


"Molly’s Game" (Start: 08. März 2018) – Molly Bloom (Jessica Chastain) hat es geschafft. Sie ist angesehen, reich und bald wird man sie in der Öffentlichkeit nur noch die Pokerprinzessin nennen. Ihren guten Ruf hat sie sich durch ihren extrem exklusiven Pokerclub erarbeitet, den sie leitet. Lange Zeit läuft dieser gut und sogar vollkommen legal. Aber dann leistet sich die eigentlich so kluge Molly einen Fehler, der nicht wieder gutzumachen ist. Mit einem Mal verliert sie alles – ihr Spiel, ihre Macht und noch schlimmer: ihre Integrität. Sie muss vor Gericht und dort erst einmal beweisen, dass sie nicht diejenige ist, für die sie plötzlich alle halten.

Das Drama basiert auf der wahren Geschichte von Molly Bloom, die über ihre krasse Zeit als Poker-Queen ein Buch verfasst hat. Dem heiklen Stoff hat sich kein geringerer als Aaron Sorkin angenommen. Sorkin kennt man bisher als Drehbuchautor von Oscar-Filmen wie "The Social Network" und "Die Kunst zu gewinnen – Moneyball". Dieses Mal hat er nicht nur das Drehbuch verfasst, sondern auch die Regie übernommen. So kann man sich sicher sein: Hier gibt es jede Menge kluge Dialoge, die so schnell hin und her gehen wie ein Ping-Pong-Spiel. Dieser Kinostreifen hat es in sich.


Thema der Woche: 2017 herrschte Frauenflaute im Kino

Vielleicht nicht neu, aber trotzdem heftig: 2017 waren Frauen in Kinofilmen unterrepräsentiert. Also wirklich! Hallo, ihr Filmmenschen da draußen – wacht auf! Was ist denn da los? Eine Studie der Universität von San Diego kam jetzt mit der Info um die Ecke, dass das weibliche Geschlecht in den 100 erfolgreichsten Filmen des Jahres sogar noch schlechter als 2016 vertreten war. Das konnte nicht mal "Wonder Woman" rausreißen, der immerhin einer der Streifen war, der das richtig große Geld in die Kinokassen spülte.

Genauer gesagt waren gerade mal 24 Prozent der Hauptpersonen in den erfolgreichsten Werken weiblich. Im Vorjahr konnte man wenigstens fünf Prozent mehr vorweisen. Dagegen muss unbedingt etwas unternommen werden! Und Hollywood strengt sich zumindest momentan stark an, um tatsächlich der Gleichberechtigung näher zu kommen. Wo man auch hinschaut: Überall wird thematisiert, dass Frauen mehr und facettenreichere Protagonistinnenrollen bekommen sollten und natürlich auch, dass sie genauso viel verdienen sollten wie Männer. Doch scheinbar wird nur geredet, jedoch nicht viel getan.



Noch immer sind nicht genügend Frauen in wichtigen Jobpositionen im Filmbusiness zu finden. Sobald mal eine Frau Regie führt, fällt das deshalb auf. Wenn sie dann auch noch für Preise nominiert wird, umso mehr. Beispielsweise ist Greta Gerwig erst die fünfte Frau, die mit ihrem Film "Lady Bird" eine Nominierung für die Beste Regie bei den diesjährigen Oscars erhält. Das ist schon ziemlich mickrig und wurde auch so bereits vielfach in den Medien thematisiert.

Die US-Studie fand ebenfalls heraus, dass das Geschlecht auch bei der Besetzung den Unterschied macht. Wenn 2017 eine Regisseurin bzw. eine Autorin an einem Kinofilm beteiligt war, dann konnten auch 45 Prozent weibliche Hauptakteure verzeichnet werden. Wenn das Filmteam allein aus Männern bestand, kam der Kinofilm am Ende dagegen nur noch auf 20 Prozent weiblicher Darstellerinnen.

Man kann nur hoffen, dass diese neuen Statistiken auch bei den richtigen Leuten ankommen und so letztlich nicht nur über Veränderungen gesprochen, sondern diese in die Tat umgesetzt werden. Es ist wirklich an der Zeit!

Rekordverdächtig: Netflix plant 700 Eigenproduktionen

Netflix, du unaufhaltsamer Streamingriese! Für 2018 hat sich der aus den USA kommende Video-On-Demand-Dienst vorgenommen insgesamt 700 Eigenproduktionen auf der Plattform anzubieten. Also kommen eine Wahnsinnsmasse an neuer Serien, Filme und Shows auf uns zu. Dafür hat man sogar um die 8 Milliarden US-Dollar locker gemacht, wie Netflix-CFO David Wells nun bekanntgab.

Man darf gespannt sein, wie vielfältig die neue Bandbreite dann wirklich sein wird. Eine der letzten richtig gut laufenden Netlix-Serien war "Everything Sucks" und davon darf es natürlich gerne mehr geben!

Streaming-Perle: "Das Mädchen Wadjda"

"Das Mädchen Wadjda" (Verfügbar bis 06.03. in der BR-Mediathek) – Wadjda (Waad Mohammed) ist ganz verliebt in ein grünes Fahrrad, das sie in einem Schaufenster entdeckt hat. Nur hat sie kein Geld dafür. Also meldet sie sich für den Koran-Rezitationswettbewerb an. Als Gewinner würde sie ausreichend Geld für ihr Fahrrad bekommen. Dann gibt es aber immer noch ein Problem: in ihrer Heimat Saudi Arabien ist es Frauen untersagt, Rad zu fahren.

Darauf freuen wir uns: "Ralph breaks the Internet"

Endlich ist der Nachfolger zu "Ralph reicht’s" fertig! Im Jahr 2012 konnte man sich an der überaus chaotischen Selbstfindungsnummer des animierten Antihelden erfreuen. Und nun darf Ralph sogar, zusammen mit seiner nervig-niedlichen Freundin Vanellope, das Internet unsicher machen. Der einzige Haken, der die Freude an Part 2 etwas drückt: der Disney-Hit kommt erst im Januar 2019 in die deutschen Kinos. Das ist hart.


Die nächste FILMICUM erscheint am 15. März 2018

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