Kinofilme 2018
Mit "Phantastischen Tierwesen 2" bekommt 2018 filmtechnisch einen guten Abschluss hin. | Foto: Warner Brothers Pictures Germany
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11. Okt 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: Auf diese neuen Filme können wir uns 2018 noch freuen

Neu im Kino: "Der Vorname" und "Girl"

"Der Vorname" (Start: 18. Oktober 2018) – Zunächst sieht alles nach einem gemütlichen Abend mit Freunden aus. Elisabeth (Caroline Peters) und Stephan (Christoph Maria Herbst) haben zu sich eingeladen, um endlich mal wieder richtig mit allen plaudern zu können. Aber genau für dieses schöne Beisammensein haben sich die schwangere Anna (Janina Uhse) und ihr Mann Thomas (Florian David Fitz) überlegt, ihre große Neuigkeit zu verkünden: Sie werden ihren Nachwuchs auf den Namen Adolf taufen. Abgesehen von den beiden hält diese News jedoch keiner für etwas Gutes – die Fronten verhärten sich und ein Streit über Vergangenes wie auch Geheimes bricht aus.

Sönke Wortmanns "Der Vorname" ist die Adaption des gleichnamigen französischen Kinokrachers aus dem Jahr 2012, der wiederum auf einem Theaterstück basiert. Die Seitenhiebe und Pointen haben sich also längst bewährt. Dass Wortmanns Version funktioniert, liegt vor allem an der hochkarätigen Besetzung. Christoph Maria Herbst spielt den fiesen Literaturprofessor mit Bravur, genauso wie Florian David Fitz den dummen Neureichen perfekt meistert. Die überzeichnet witzig-gemeinen Dialoge sitzen und machen die Satire zu einem unterhaltsamen Erlebnis, bei dem man trotzdem gerne mal Augen und Ohren verschließen würde.

"Girl" (Start: Oktober 2018) – Die 15-jährige Lara (Victor Polster) hat zwei große Wünsche: Zum einen will sie unbedingt Balletttänzerin werden, zum anderen möchte sie eine Geschlechtsumwandlung. Denn sie wurde als Junge geboren, doch hat sie sich so noch nie in ihrem Körper wohlgefühlt. Ihr Vater (Arieh Worthalter) sowie ihr kleiner Bruder (Oliver Bodart) stehen bei beiden Wünschen komplett hinter Lara. Als sie schließlich an der Ballettakademie angenommen wird, scheint alles perfekt. Die Familie zieht sogar ihretwegen um. Aber der Druck an der Schule erweist sich als enorm und plötzlich ist unklar, ob sie überhaupt noch länger tanzen darf …

Das wirkliche Drama findet hier vor allem im Inneren der Protagonistin statt. Sie muss sich rund um die Uhr mit ihrem eigenen Körper auseinandersetzen – nichts scheint hier zu passen. Die Probleme wiegen umso schwerer, da Lara auch noch einen Traumberuf gewählt hat, bei dem es auch hauptsächlich um das Äußerliche geht. Für Lara wirkt es so, als seien ihre Wünsche kaum miteinander zu vereinbaren. Das Erstlingswerk des belgischen Regisseurs und Drehbuchautoren Lukas Dhont erzählt auf zurückhaltende, aber stringente Art und Weise diese Coming-of-Age-Story. Das Porträt einer jungen und unheimlich starken Persönlichkeit erlaubt auch ohne große musikalische Untermalung und Nebenhandlungen ein extremes Mitfühlen.



Thema der Woche: Auf diese neuen Kinofilme können wir uns 2018 noch freuen

Bevor die große Zeit der Jahresrückblicke über uns einprasselt, lasst uns noch einmal einen Blick nach vorne machen – was geht eigentlich in den letzten verbleibenden Monaten vom Jahr 2018? Ist das jetzt wirklich nur noch ein Rest, was Übriggebliebenes? Oder gibt es da doch noch ein paar Perlen zu entdecken? Zum Glück kann man darauf ganz klar mit "Ja!" antworten. Hier kommen unsere Kino-Empfehlungen für Oktober bis Dezember.

Der Oktober: Buddy-Movie und ein großes Biopic

Am 25. Oktober kommen gleich zwei Hammerfilme auf die Leinwand, auf die wir uns freuen können. Da wäre zum einem "25km/h" mit Bjarne Mädel und Lars Eidinger in den Hauptrollen. Die beiden spielen Brüder, die sich eine saulange Zeit nicht mehr gesehen und eigentlich auch wenig vermisst haben. Nach einigen Startschwierigkeiten beschließen sie aber den einen großen Roadtrip zu machen, den sie als Kinder immer geplant hatten. Diesen Film sollte man sich dringend anschauen, wenn man auch einen Katalysator für die zig angestauten schlechten Gefühle benötigt. Kleiner Spoiler vorab: Wer schreit, kommt schneller voran.

Zum anderen erwartet uns zum Oktoberausklang noch das Queen-Biopic "Bohemian Rhapsody". Das Besondere daran: Hier wird nicht nach Schema F verfahren. Wir bekommen nicht einfach nur Kindheit, Karrierestart und Absturz von Freddie Mercury zu sehen, sondern vielmehr geht es um den Auftritt der Band beim Live Aid – legendär inszeniert. In der Hauptrolle Rami Malek, der vom introvertierten Nerd in "Mr. Robot" zur absoluten Rampensau wird. Schade, dass jetzt nicht mehr die Zeit für Open-Air-Kinoabende ist – dieser Musikfilm hätte sich fantastisch dafür geeignet. 



Der November: Buchverfilmungen par excellence

Markiert euch den 15. November fett im Kalender, denn da läuft "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" an – ganze 20 Jahre nach J. K. Rowlings ersten Roman über die Zauberwelt von Harry Potter. In der neuen Reihe ist ein Schulbuch aus dem Hogwarts-Kosmos im Zentrum, dessen Autor Newt Scamander (Eddie Redmayne) ist. Der Tierforscher muss sich im zweiten Teil wieder mit dem dunklen Magier Grindelwald (Johnny Depp) auseinandersetzen, der alles bisher Dagewesene zerstören will. Hier heißt also das Motto: düsterer, fieser, umfassender. Das Fantasy-Spektakel guckt man sich an, wenn man Lust auf eine Alternative zu dem ganzen Marvel-Einheitsbrei möchte.

Noch so ein Nachfolger: Am 22. November kehrt Lisbeth Salander, die Kultfigur und Titelheldin der von Stieg Larsson geschaffenen und gefeierten Millennium-Reihe in die Kinos zurück. In "Verschwörung" schlüpft zum ersten Mal Claire Foy ("The Crown") in die Rolle der eiskalten Protagonistin. Tatsächlich ist sie sogar noch krasser als die "alte" Lisbeth und wem Halloween noch nicht genug war, der wird hier ganz sicher auf seine Kosten kommen



Der Dezember: Minimalismus

In "100 Dinge" (Kinostart: 6. Dezember) beschließen Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer aus einer Wette heraus auf alle Annehmlichkeiten in ihrem Leben zu verzichten – sogar eine Zeitlang auf ihre Kleidung. Genauso eine Komödie braucht es mal! Hier geht es nicht einfach nur um Beziehungskrams, sondern um Nachhaltigkeit. Und darum, dass viel Besitz auch nicht gerade glücklich macht. Diese Grußkartenweisheit in Verbindung mit dem Augenzwinkern der zwei Hauptdarsteller bringt einen lohnenden Kino-Rausschmeißer für das Jahr.

​Na gut, einen haben wir noch! Mit "Mary Poppins’ Rückkehr" kommt am 20. Dezember noch ein richtig kuscheliger Familienfilm raus. Emily Blunt mimt darin das unglaubliche Kindermädchen, das auch noch eine Wahnsinnsstimme hat. Da fliegen Leute durch die Gegend und die Delfine springen über Menschen hinweg – einfach alles ist möglich. Die perfekte Ausgangslage für das nächste Jahr also!



Streaming-Perle: "Babylon Berlin" (Staffel 1)

"Babylon Berlin", Staffel 1 (mind. Verfügbar bis 18.10. in der ARD-Mediathek) – Berlin im Frühjahr 1929: Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles ist im radikalen Wandel. In dieser Kulisse findet sich der junge Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) wieder. Ein scheinbar simpler Fall wird sein Leben bald für immer verändern. Mit dabei: Liv Lisa Fries, Lars Eidinger, Benno Fürmann, uvm.


Darauf freuen wir uns: "If Beale Street Could Talk"

 "If Beale Street Could Talk" (Kinostart: 14. Februar 2019) – Trish (KiKi Layne) liebt Fonny (Stephan James) und Fonny liebt Trish. Es könnte also alles ganz einfach sein. Doch bei dem "Moonlight"-Regisseur Barry Jenkins ist nie etwas total easy. Denn Fonny wird beschuldigt, eine Frau vergewaltigt zu haben und muss so in den Knast. Seine Freundin versucht nun alles, um ihren Geliebten da wieder herauszuholen. Sie erwartet nämlich ein Kind von ihm und will dieses um keinen Preis allein großziehen. Schon im Trailer wird klar, dass es sich hier um ein Drama handelt, das einen nicht mehr so schnell loslassen wird!



Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 25. Oktober 2018.

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