Hannah Gadsby Standup-Show Netflix
Hannah Gadsby macht Comedy 2.0. | Foto: Netflix
Autor

19. Jul 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: Darum müssen wir jetzt alle "Hannah Gadsby: Nanette" schauen

Neu im Kino: "303" und "Ant-Man and the Wasp"

"303" (Kinostart: 19. Juli 2018) – Der Sommer ist fürs Reisen da! Auch Jan (Anton Spieker) und Jule (Mala Emde) begeben sich auf einen Roadtrip, der sie Richtung Atlantik bringen soll. Als Jan zu Jule ins Wohnmobil steigt, kennen sich die zwei noch nicht einmal. Er braucht einfach nur eine Mitfahrgelegenheit, die ihn nach Spanien kommen lässt. Dort will er endlich seinen leiblichen Vater treffen. Sie hat dagegen vor, ihrem Freund in Portugal zu verkünden, dass sie schwanger ist. Auf ihrem gemeinsamen Weg nähern sich die beiden Fremden durch viele intensive Momente und philosophische Gespräche immer mehr aneinander an.

145 Minuten sind wir mit dem Duo unterwegs. Das Wetter ist gut, die Stimmung nicht immer. Aber es knistert unentwegt. Beständig tänzeln die zwei um einander herum, wirken abgestoßen und angetan zugleich voneinander. Hans Weingartners Roadmovie will ein Statement gegen die inflationäre Tinder-Nutzung setzen. Jule und Jan würden sich sicher auf so einer Datingplattform schnell gegenseitig wegswipen und nicht mehr darüber nachdenken. Im Wohnmobil müssen sie sich aber dann doch mal länger unterhalten, aushalten – und so lernen sie sich tatsächlich ganz anders kennen. Eine echte Sommerromanze!

Hier geht's zum Trailer von "303" auf YouTube.

"Ant-Man and the Wasp" (Kinostart: 26. Juli 2018) – Scott Lang alias Ant-Man (Paul Rudd) hat seinen Hausarrest, dem ihn die Zeit mit den Avengers eingebrockt hat, fast geschafft. Bald darf er wieder mit seiner Tochter draußen als freier Mann Spiele spielen und auch sonst ganz normale Sachen tun. Doch bevor es so weit ist, brauchen sein ehemaliger Mentor Hank Pym (Michael Douglas) und dessen Tochter Hope (Evangeline Lilly) seine Hilfe. Nur mit seiner Unterstützung glauben sie Hanks Frau bzw. Hopes Mutter Janet (Michelle Pfeiffer) retten zu können.

Dieses Mal geht es nicht darum, die gesamte Menschheit zu retten. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine kleine Familienzusammenführung. Es könnte alles sogar ziemlich einfach funktionieren, wäre da nicht die mysteriöse Ghost (Hannah John-Kamen), die ständig dazwischenfunkt und die von Pym entwickelte Technologie lieber für ihre Zwecke nutzen möchte. Gewohnt gaggig kommt der neue "Ant-Man"-Teil daher. Besonderes Highlight des 3D-Abenteuers bleiben aber die innovativen Schrumpf- und XXL-Momente der Ameise(n) sowie der unschlagbaren Wespe.


Thema der Woche: Darum müssen wir jetzt alle "Hannah Gadsby: Nanette" schauen

Comedy heißt in Deutschland immer noch Mario Barth oder Dieter Nuhr. Schaut man über die Grenzen hinaus, kommen sofort Namen wie Chris Rock, Jerry Seinfeld sowie Jim Gaffigan auf den Tisch. Es sind die Männer, die das Standup-Genre dominieren. Frauen wie Amy Schumer und Sarah Silverman fallen dazwischen auf. Oft scheint es so, dass die Frauen der Branche mehr Buzz bekommen, je lauter, vulgärer und irgendwie doch männlicher sie sich verhalten. Unter der Gürtellinie fängt der Witz erst an. Selten bis gar nicht hört man von jemandem wie Hannah Gadsby. Einer Frau, die nicht die Prollige, Derbe, Naive oder Süße spielt. Ihr über eine Stunde andauerndes Special auf Netflix schlägt keine Wellen, weil sie über sich besonders viele Gags verbreitet oder ausgiebig ihr Sexleben offenlegt. Es geht viral, weil es mehr klar formulierte Wahrheit als schnell verdauliche Comedy ist. Und deswegen müssen wir mehr darüber sprechen.

Netflix teasert die Australierin als eine Comedian an, die das Genre neu erfindet. Das ist es aber nur halb. Denn eigentlich betont sie immer wieder, dass sie mittlerweile mit Comedy abgeschlossen hat. Es würde nicht mehr genügen. Früher machte Hannah Gadsby ein ganzes Programm aus ihrem Coming-Out. Eine lustige Nummer über die Dialoge mit ihrer Mutter, mit Freunden, über Augenblicke des Fremdenhasses. Auch die neue Show geht anfangs in diese Richtung. Sie erzählt von ihrer Großmutter, die immer noch nicht weiß, dass ihre Enkelin lesbisch ist und sich fest Mister Right für sie wünscht. Der Saal lacht. Doch Gadsby genügt das nicht. Sie will mehr als nur den Beginn und die Pointe liefern – sie will, wie es bei einer echten Story der Fall ist, auch vom Ende berichten. Viele möchten das nicht hören. Diese Geschichten bringen nämlich Anspannung, aber nicht zwingend den erlösenden Lacher. Aber trotzdem müssen ihre Geschichten auserzählt werden. Sie sind elementare Beiträge u.a. auch zum "Metoo"-Diskurs.

Bill Cosby, Donald Trump, Roman Polanski und Woody Allen: Sie alle werden genannt. Aber Gadsby sucht dabei nicht nach den schnellen, billigen Punchlines. Sie wählt den persönlichen Weg und präsentiert so schaurige Beispiele von Gewalt, Männerdominanz sowie selbstbewusst dargestellter Engstirnigkeit und daraus resultierender Scham. Hannah Gadsby hat genug vom Selbsthass, sie will sich nicht mehr selbst für eine gute Show demütigen. Die Lesbe, die dick und "fehlerhaft weiblich" ist? Mit dieser Art der Charakterisierung ist jetzt Schluss.

Ihrer Meinung nach muss Comedy seinen Job ernst nehmen und als Ziel die Gleichberechtigung anstatt des leichten Witzes suchen. Stereotypisierung sollte nun echt langsam mal vorbei sein. Es gibt genügend andere Bereiche des Lebens, die Humoriges bieten. Hannah Gadsby, obwohl sie ja eigentlich Comedy den Rücken zukehren möchte, präsentiert selbst Alternativen. Noch nie konnte man so ausgelassen über Kubismus oder auch Vincent Van Gogh lachen. Gadsby hat extrem ehrlich, intim und roh den Anfang gemacht und frische Ansatzpunkte offenbart – jetzt muss der Rest nachziehen.


Rekordverdächtig: George Clooney und Dwayne Johnson sind die Bestverdiener der Branche

Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat mal wieder eine Liste der bestbezahlten Prominenten weltweit herausgebracht. Auf Platz 2 steht dabei George Clooney, der im vergangenen Jahr ganze 239 Millionen US-Dollar verdient haben soll. Das viele Geld kommt jedoch nicht allein von seinen Rollen, sondern vielmehr von seiner Tequila-Brennerei.

Auf Platz 5 folgt bereits der nächste Hollywood-Schauspieler, nämlich Dwayne Johnson. Der hat in den letzten zwölf Monaten 124 Millionen US-Dollar eingeheimst. Das Rekordverdächtige daran: Er sammelte dieses solide Vermögen einzig mit seiner Arbeit vor der Kamera zusammen. Fleißiger Mann!


Streaming-Perle: "Unser blauer Planet" (Verfügbar in der 3sat-Mediathek bis zum 1. September 2019)

Naturfilmer Alastair Fothergill war fünf Jahre unterwegs, um die Weltmeere filmisch zu dokumentieren. Die dabei entstandene Filmreihe soll die Geheimnisse der Ozeane enthüllen.


Darauf freuen wir uns: "Bohemian Rhapsody" (Deutscher Kinostart: 31. Oktober 2018)

Viele haben es versucht und sind gescheitert, doch jetzt kommt das Queen-Biopic wirklich ins Kino. Wir können es kaum glauben. Nachdem sich die Dreharbeiten auch nach dem Go von 20th Century Fox ziemlich hinzogen, Regisseur Bryan Singer irgendwann gar nicht mehr am Set erschien und gefeuert werden musste, ist nun alles fertig. Der Trailer macht bereits einen ziemlich guten Eindruck. Und Rami Malek ("Mister Robot"), der für seine Rolle jede Menge Gesangstraining durch hat, stellt sich als Freddie Mercury scheinbar sehr gut an.

Die nächste Filmicum erscheint am 02. August 2018

Artikel-Bewertung:

2.89 von 5 Sternen bei 161 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: