Fluch der Karibik Teil 5
"Fluch der Karibik" kommt bald mit Teil 5 ins Kino | Foto: Walt Disney Studios Motion Pictures
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27. Apr 2017

David Streit

Filme

Film-News: Der Fortsetzungswahn greift um sich

FILMICUM in der KW 17/18 im Überblick:

Neu im Kino

"Guardians Of The Galaxy Vol. 2" (Start: 27. April 2017)
"Get Out" (Start: 04. Mai 2017)

Thema der Woche

 Im Kino laufen nur noch Fortsetzungen

Rekordverdächtig

Netflix-Nutzer sind verrückt nach Adam Sandler

Streaming-Perle

"The Science Of Sleep" auf YouTube

Darauf freuen wir uns

"The Circle" (Start: Start: 14. September 2017)


Neu im Kino

"Guardians Of The Galaxy Vol. 2" (Start: 27. April 2017) – Endlich ein neues Mixtape! Endlich noch mehr Weltraum-Abenteuer! Die neue Geschichte um Star-Lord (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Rocket (Stimme von Bradley Cooper) und Baby Groot (Stimme von Vin Diesel) setzt genau am Ende des ersten Teils an. Dort konnte sich Gamoras böse Stiefschwester Nebula (Karen Gillan) noch verwundet aus der Schlinge ziehen. Doch die Guardians sind ihr auf der Spur. Ein Deal mit einem hochentwickelten Weltraum-Volk geht jedoch schief und so sind sie es, die wieder gejagt werden. Auf der Flucht hilft ihnen der mysteriöse Ego (Kurt Russell), der sich schon bald als Star-Lords verschollen geglaubter Vater entpuppt.

Der Film steht ganz im Zeichen der  Familienzusammenführung. Allerdings begeht Regisseur James Gunn den Fehler, dass er seine Story vor allem auf Zweier-Konstellationen ausgelegt hat. Das Team ist nur in wenigen Szenen vereint und kämpft sich im Rest des Films getrennt voneinander durchs All. Da hilft es auch nicht, dass selbst der kleinste emotionale Moment mit einem sarkastischen Spruch gebrochen werden muss, um die Stimmung bloß nicht kippen zu lassen. Aber das ist es ja, womit man beim Kinobesuch rechnet, oder? Der Humor von "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" sorgt garantiert wieder für viele laute Lacher. Etwa wenn Baby Groot geistesabwesend herumtanzt, während sein Team hinter ihm gegen ein Monster kämpft. Dieses Mal fällt es Gunn schwerer zu überraschen – man bekommt stattdessen genau, was man erwartet.

 

"Get Out" (Start: 04. Mai 2017) – Es gab schon lange keinen ungewöhnlichen guten Horror mehr zu bestaunen. Aber "Get Out" liefert genau das. Und so geht es los: Chris (Daniel Kaluuya) ist seit vier Monaten mit Rose (Allison Williams) zusammen. Höchste Zeit die Eltern der Freundin kennenzulernen! Doch Chris ist schwarz und hat berechtigte Vorbehalte, wie die unwissende weiße Familie wohl auf ihn reagiert. Zu Beginn scheinen Roses Eltern ganz normale Leute mit ganz normalen Spleens zu sein. Doch mit der Zeit verdichten sich die Zeichen, dass im Hause Armitage etwas ganz gehörig schiefläuft. Kann es sein, dass Mutter Missy (Catherine Keener) die schwarzen Hausangestellten mittels Psychotricks in ihrem eigenen Körper gefangen hält?

Der Film von Comedy-Regisseur Jordan Peele ("Keanu") muss nicht tief in die Trickkiste greifen, um Unwohlsein zu verbreiten. Da reicht es schon, dass Menschen Tränen aus den Augen kullern, obwohl sie über beide Ohren strahlen. Ungewollte Hypnose ist der Aufhänger für einen Horror-Streifen, der viel mit Vorurteilen zwischen Schwarzen und Weißen spielt. Peele tut aber gut daran, das Thema nie bierernst zu betrachten. Vielmehr geht es ihm darum, dem Zuschauer den Spiegel vorzuhalten. Denn die meisten Vorurteile finden oft nur im eigenen Kopf statt. Und am Ende bietet Peele sogar eine Auflösung, die einen tollen Film noch besser macht.


Thema der Woche

Du gehst tatsächlich noch ins Kino, um etwas Neues zu erleben? Dann musst du jetzt tief durchatmen. Denn in Zukunft wird der Fortsetzungswahn der großen Studios nur noch schlimmer. Sie setzen alles daran, die Leute mit Fließband-Unterhaltung abzufertigen. Wenn ein Setting einmal etabliert ist, lassen sich darum beliebig viele Geschichten spinnen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Figuren sind bereits bekannt und haben bewiesen, dass sich die Leute für sie interessieren. Das schmälert das finanzielle Risiko eines Sequels gegenüber einer völlig neuen Geschichte, die man erst teuer bewerben muss.

Neben den direkten Fortsetzungen, die uns oft zwei bis drei Jahre nach dem Vorgänger erwarten, gibt es auch noch sogenannte Spin-offs. Diese nehmen sich einen besonders beliebten Nebencharakter und stellen ihn nun in den Mittelpunkt des Geschehens. Oder aber sie erzählen die Geschichten aus einem anderen Blickwinkel, um mehr aus der Welt zu zeigen, in der schon das Original spielte. So zum Beispiel geschehen bei "Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind", dem Spin-off-Film, der auf einem Schulbuch aus dem "Harry Potter"-Universum beruht.

Immer beliebter wird es auch alte Klassiker aufzuwärmen. Sie werden entweder neu verfilmt oder erhalten die "von Fans lange geforderte" Fortsetzung. Aber ist das wirklich so? Zwanzig Jahre nach "Trainspotting" hatte der Film bestimmt noch viele Fans – aber mit 166.000 Kino-Besuchern sind nur wenige Deutsche wirklich für "T2 Trainspotting" ins Kino gegangen. Die Rechnung geht also nicht immer auf.


Auf ein besseres Ergebnis hoffen nun diese ausgewählten Film-Fortsetzungen, Reboots oder Spin-offs im verbleibenden Kino-Jahr 2017:

Alien: Covenant 18. Mai 2017 2. Teil, viele weitere im Film-Universum
Pirates Of The Caribbean: Salazars Rache 25. Mai 2017 5. Teil der Filmreihe
Baywatch 01. Juni 2017 Reboot der TV-Serie
Die Mumie 08. Juni 2017 Reboot
Transformers – The Last Knight 22. Juni 2017 5. Teil der Filmreihe
Ich – einfach unverbesserlich 3 06. Juli 2017 3. Teil der Filmreihe
Spider-Man: Homecoming 14. Juli 2017 Reboot, viele weitere im Film-Universum
Planet der Affen: Survival 03. August 2017 3. Teil, viele weitere im Film-Universum
Stephen Kings Es 21. September 2017 Reboot
Cars 3 28. September 2017 3. Teil der Filmreihe
Blade Runner 2049 05. Oktober 2017 Fortsetzung des Kultfilms
Thor: Ragnarok 26. Oktober 2017 3. Teil, viele weitere im Film-Universum
Star Wars: Die letzten Jedi 14. Dezember 2017 8. Teil, viele weitere im Film-Universum
Pitch Perfect 3 21. Dezember 2017 3. Teil der Filmreihe

Rekordverdächtig

Netflix-Nutzer kriegen einfach nicht genug von Adam Sandler! Erst 2014 schloss der Streaming-Anbieter daher einen Exklusivdeal, der ihnen vier Filme nur für die eigene Plattform zusicherte. Inzwischen sind davon drei erschienen und die Qualität reicht von geht so ("Sandy Wexler") über unterirdisch ("The Do-Over") bis völlig wahnsinnig geschmacklos ("The Ridiculous 6"). Doch am Ende funktionierte es für Netflix.

Stolze eine Million Stunden verbringen alle Nutzer weltweit täglich mit den Filmen des Comedians. Das ist zwar nur ein Prozent der Gesamtnutzung von Netflix – aber immer noch mehr, als man je zu träumen gewagt hätte. Das Resultat: Der Vertrag wurde jüngst um weitere vier Produktionen verlängert. Weil wir jedoch nicht wollen, dass du jetzt in eine Schockstarre verfällst, folgt nun wieder ein ansprechendes Kontrastprogramm!


Streaming-Perle

"The Science Of Sleep" – Stéphane (Gael García Bernal) ist ziemlich schüchtern, aber auch sehr kreativ. Als er sich in Stéphanie (Charlotte Gainsbourg) verliebt, hat er zig Ideen, wie er sie erobern könnte. Doch der Tagträumer vergisst oft, dass er auch in der Realität und nicht nur in seiner Fantasie handeln muss. Regisseur Michel Gondry ("Abgedreht") beweist in seinem vielleicht verspieltesten Werk, dass Träumer einen ganz eigenen Blick auf die Welt haben. Und dass dieser Umstand gute wie auch schlechte Züge annehmen kann. Nur eines scheint sicher: Mit einer lebhaften Vorstellungskraft wird einem garantiert nie langweilig!


Darauf freuen wir uns

"The Circle" (Start: 14. September 2017) – Wer die Romanvorlage von Dave Eggers kennt, weiß, dass er mit so manchen sprachlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Unbestreitbar ist dagegen die Relevanz des Themas von "The Circle". Darin gerät die 24-jährige Mae Holland (Emma Watson) in die Fänge eines riesigen Internet-Konzerns, der Sicherheit und Glück durch komplette Überwachung verspricht.

Die Ähnlichkeit zu Datenkraken wie Facebook oder Google kommt nicht von ungefähr. "The Circle" ist ganz klar an die Tech-Konzerne angelehnt, die uns auf Schritt und Tritt begleiten. Das Perfide: Wir teilen unser Leben sogar freiwillig mit ihnen, um der Welt von uns zu berichten. Es stellt sich unweigerlich die Frage, was wir, unsere Gedanken und Aktivitäten noch wert sind, wenn wir sie mit niemandem teilen?


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 11. Mai 2017

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