Kinobesucher in Deutschland
Leere Kinosessel – keine Seltenheit in Deutschland | Foto: Thinkstock/Michael Blann
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02. Mär 2017

David Streit

Filme

Film-News der Woche: Immer weniger Deutsche gehen ins Kino

FILMICUM in der KW 09 im Überblick:

Neu im Kino

"Logan – The Wolverine" (Start: 02. März 2017)
"Der junge Karl Marx" (Start: 02. März 2017)

Thema der Woche

 Bye, bye Kino-Vielfalt

Streaming-Perle

 "Toni Erdmann" auf Amazon Prime

Darauf freuen wir uns

"Tiger Girl" (Kinostart am 06. April 2017)

Genau hingeschaut

So stark unterscheiden sich Pixar-Filme überall auf der Welt


Neu im Kino

Muss man sehen: "Logan – The Wolverine" wird als letzter Auftritt von Hugh Jackman als säbelschwingender X-Men angekündigt. Und dieses letzte Abenteuer zeigt ihn so verletzlich und müde wie noch nie zuvor. Im Zusammenspiel mit einer neuen jungen Mutantin wird auch sein Einfühlungsvermögen auf die Probe gestellt. Gemeinsam müssen sie durch das halbe Land reisen, um einen Treffpunkt zu erreichen, der gar nicht existieren kann. Aber wie sagt man einem Kind, dass sein einziger Hoffnungsschimmer einer Wunschvorstellung entsprungen ist?

Mit einer Jugendfreigabe ab 16 Jahren ist auch die Action so blutig und erbarmungslos wie zuletzt nur in "Deadpool".


Kann man sich sparen: "Der junge Karl Marx" ist mit einer Laufzeit von zwei Stunden nichts für Ungeduldige. Die Geschichte über den aufstrebenden Kommunisten (August Diehl) spielt zu Zeiten der industriellen Revolution. Sein Anliegen: Die Ausbeutung der Arbeiterklasse. Sein Ziel: Die Abschaffung von Besitz und eine gleichberechtigte Güterverteilung. Zusammen mit seinem Weggefährten Friedrich Engels (Stefan Konarske) verfasst er revolutionäre Texte und unterstützt damit den Beginn einer europaweiten politischen Bewegung.

Insbesondere die Sprache aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und die umständlich vorgetragenen Gedankenspiele lassen die Zeit im Kinosessel sehr lang werden.


Thema der Woche

Bye, bye Kino-Vielfalt: 2016 sind über 700 Filme im Kino gestartet – viele davon liefen allerdings eine Woche später schon nur noch im Nachtprogramm oder gar nicht mehr. Der Trend geht in eine ganz klare Richtung: Große Multiplex-Ketten zeigen in immer mehr Sälen immer weniger Filme. Vor allem werden solche gefeatured, mit denen sich Geld verdienen lässt. Da verwundert es auch gar nicht, dass die Mehrheit der Kinogänger vom Erlebnis selbst häufiger denn je verärgert ist.

Die Tickets werden beständig teurer und für Popcorn, Getränke und Co. muss man inzwischen auch ein kleines Vermögen hinblättern. Doch so lange die Gewinne steigen, ist für die Betreiber noch alles im Lot. Sie haben 2016 schließlich das drittbeste Jahr aller Zeiten verbuchen können.

Und trotzdem sollte ihnen der Angstschweiß über die Stirn laufen! Denn diese hohen Umsätze werden von immer weniger Menschen generiert. Am stärksten betrifft dies den deutschen Film, der all die Jahre allein für knapp 30 Millionen Besucher gesorgt hat. 2016 waren es nur noch alarmierende 18,7 Millionen! In die Top 10 der erfolgreichsten Filme weltweit hat es mit "Willkommen bei den Hartmanns" sogar nur ein einziger Titel geschafft.

Die Tatsache: Je mehr die Charts von Hollywood-Produktionen bestimmt werden, desto mehr verliert das Kino an Attraktivität und Vielfalt. Einnahmenstarke Fortsetzungen wie "Fast & Furious 8" und Reboots wie "Die Mumie" werden alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Da kann man Kino-Deutschland nur wünschen, dass wieder öfter originäre Erzählungen zu Publikumsmagneten werden. Vielleicht ja die Folgende?


Darauf freuen wir uns

"Tiger Girl": Vorsicht, sonst setzt es was! Tiger (Ella Rumpf) und Vanilla (Maria Dragus) könnten unterschiedlicher nicht sein. Die eine nimmt sich, was sie will. Die andere möchte einfach nur irgendwo dazugehören. Regisseur Jakob Lass ("Love Steaks") schickt seine Heldinnen auf eine brutale Reise – ohne Drehbuch. Das Ergebnis ist ein Impro-Film, wie man ihn noch nicht gesehen hat. Bunt, laut, aktuell und amüsant direkt.


Streaming-Perle

"Toni Erdmann" auf Amazon Prime: "Toni Erdmann" erzählt die Geschichte von Winfried (Peter Simonischek) und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller). Da der Musiklehrer mit einem ausgeprägtem Hang zum Scherzen zu Hause nicht viel von seiner Karriere-Tochter sieht, beschließt er, sie spontan bei ihrem großem Outsourcing-Projekt in Rumänien zu besuchen. Ohne Ankündigung überrascht er sie mit Scherzgebiss und Sonnenbrille in der Lobby ihrer Firma.

Die Komödie von der Regisseurin Maren Ade ist zwar knapp am diesjährigen Oscar als bester fremdsprachiger Film vorbeigerutscht, gewann dafür aber alle anderen wichtigen Filmpreise.


Genau hingeschaut

So stark unterscheiden sich Pixar-Filme überall auf der Welt: Es ist kein Geheimnis, dass jede Kultur seinen eigenen Spielregeln folgt. Die Geschichtenerzähler vom Animationsstudio Pixar haben das erkannt und passen wichtige Details für viele Länder extra an. Das fängt bei Kleinigkeiten wie übersetzten Schildern an und hört bei verhasstem Gemüse auf.

Während dem einen Land zum Beispiel Paprikas nicht schmecken, verzieht man anderswo in Pixars "Alles steht Kopf" wegen Brokkoli das Gesicht. So viel Liebe zum Detail muss gefeiert werden!


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 16. März 2017

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