Rundfunklizent Live Streaming
Brauchen YouTube-Channels bald eine Rundfunklizenz? | Foto: Thinkstock/ivan101
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30. Mär 2017

David Streit

Filme

Film-News: Deutsches Ausnahmekino und das Angstwort "Rundfunklizenz"

FILMICUM in der KW 13/14 im Überblick:

Neu im Kino

"Una Ray" (Start: 30. März 2017)
"Tiger Girl" (Start: 06. April 2017)

Thema der Woche

 Vorsicht vor der Gebührenfalle Live-Streaming

Streaming-Perle

"Gravity" auf Netflix

Genau hingeschaut

So entstand "The LEGO Batman Movie"

Darauf freuen wir uns

"Prevenge" (Start: Termin noch unbekannt)


Neu im Kino

"Una und Ray" (Start: 30. März 2017) – Es sind 15 Jahre vergangen, seit der Mittdreißiger Ray (Ben Mendelssohn) für seine Beziehung mit der 13-jährigen Una (Ruby Stokes) verurteilt wurde. Nach der Freilassung hat er seinen Namen geändert, geheiratet und sich ein normales Leben mit Familie und Job aufgebaut. Doch eines Tages taucht Una (als Erwachsene gespielt von Rooney Mara) unangekündigt an seiner Arbeitsstelle auf. Denn sie hat noch längst nicht mit der Beziehung zu Ray abgeschlossen. Für sie besteht viel Klärungsbedarf!

Als junges Mädchen hatte sie sich Hals über Kopf in eine Affäre mit dem Freund ihres Vaters gestürzt und wurde dann kurz vor der gemeinsamen Flucht von ihm abserviert. Erst nach und nach werden die verschiedenen Schichten ihrer Vergangenheit in dem Drama entblättert. Und am Ende ist es gar nicht so einfach zwischen Recht und Unrecht, Gut und Böse zu unterscheiden. Schließlich kann niemand in die Gefühlswelt eines Menschen schauen und dessen Absichten erkennen. Großes Kino!


"Tiger Girl" (Start: 06. April 2017) – Maggies (Maria Dragus) größter Wunsch ist es an der Polizeischule angenommen zu werden, um so Menschen zu helfen. Doch sie rasselt durch die Aufnahmeprüfung und kann es erst in einem halben Jahr wieder versuchen. Ein Plan B muss her! Also beginnt sie kurzerhand die Ausbildung zur Security-Fachkraft. Dort hält man große Stücke auf sie – bis Tiger (Ella Rumpf) in ihr Leben tritt. Diese eilt Maggie zur Hilfe, als sie von drei Schlägern angegriffen wird. Beide freunden sich an und ziehen immer öfter durch die Berliner Nächte. Die Grenzen zwischen Pflichtbewusstsein und Anarchie beginnen für Maggie alias Vanilla zunehmend zu zerfließen.

Nach "Love Steaks" beweist Regie-Talent Jakob Lass erneut, dass dem jungen deutschen Kino keine Grenzen gesetzt sind. "Tiger Girl" ist zugleich eine rotzfreche Abrechnung mit dem Spießbürgertum und eine bunte Wundertüte aus Aggression, Humor und Improvisation.


Thema der Woche

Die Benutzung von Live-Streaming-Diensten wie Twitch, Facebook Live und Instagram Live kann für viele Kreative zu einem ernsthaften Problem werden. Denn eine deutsche Behörde will ihnen an den Kragen! Die ZAK ist für die Aufsicht der Medienanstalten verantwortlich und sagt: Wer mit seinem Programm regelmäßig mehr als 500 Zuschauer erreicht, benötigt eine Rundfunklizenz.

Wer auf den Radar der Beamten gerät, droht sich bei Zuwiderhandlung strafbar zu machen. Sie klären auf, dass ein Rundfunkangebot nichts mit klassischem Radio oder Fernsehen zu tun hat. Vielmehr reicht es schon sich mit einem regelmäßigen Informationsdienst an die Öffentlichkeit zu wenden – unabhängig von dem Ausspielweg. Und als Betreiber benötigt man eben eine Rundfunklizenz.

Ein erstes Opfer hat die Offensive bereits gefunden. Dem YouTuber und Live-Streamer PietSmietTV droht das Verbot, sollte er nicht eine entsprechende Zulassungslizenz erwerben. Dieses ist (wie sollte es auch anders sein) mit einem großen bürokratischen Aufwand sowie mit der Zahlung von Kosten zwischen 1.000 bis 10.000 Euro verbunden. Was für PietSmietTV mit seinen 2,1 Millionen Abonnenten womöglich keine große Hürde darstellt, könnte für viele kleinere Anbieter das Aus bedeuten.

Denn mal ehrlich: Wer kann sich schon seine mühselig aufgebaute Zuschauerschaft so viel Geld kosten lassen? Und 500 Köpfe vor dem Empfangsgerät kommen schnell mal zusammen, wenn man sich – auch als Beginner – in seiner Nische einen Namen gemacht hat. Wir finden, dass das der falsche Ansatz ist. Man sollte Kreative nicht von Anfang an einschränken! Besser wäre es doch die Professionalisierung ernsthaft zu fördern und Anbietern dabei zu helfen größer und besser zu werden. Ab einer bestimmten Größe lässt sich ja dann auch über Verantwortungen sprechen.


Streaming-Perle

"Gravity" – Mit sieben Oscars war "Gravity" DER Film 2014. Alfonso Cuarón entführt in den Weltraum und spielt mit den Urängsten des Menschen. In "Gravity" greifen die Panik in der unendlichen Weite, ohne Schutz und Sicherheiten und Klaustrophobie wunderbar ineinander.

So zittert nicht nur Sandra Bullock in ihrer überzeugend dargebotenen Rolle wie Espenlaub, sondern auch mindestens genauso heftig der Betrachter. Alles bewegt und dreht sich, man befindet sich im freien Fall und muss sich außerdem noch vor herabstürzenden Raumstationsteilen oder gar Leichen schützen. "Gravity" setzt zwar Minute für Minute neue Angstattacken frei, weiß aber auch mit epischen Bildern und einer spannenden Geburtsanalogie den Atem zu rauben.


Genau hingeschaut

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass sprechende Tiere, riesige Monster, antike Kulissen und Weltall-Effekte in Filmen aus dem Computer stammen. Aber was ist mit dem Zauber einer guten alten Stop-Motion-Animation? Im Falle von "The LEGO Batman Movie" könnte man meinen, dass die Macher abertausende Bilder aneinandergereiht und Millionen Steine per Hand gesetzt hätten. Denn der Film spielt ja mit der Illusion, dass man jede Szene auch theoretisch selbst nachbauen könnte. Doch weit gefehlt.

Auch "The LEGO Batman Movie" entstand zu 100 Prozent am PC. In einem Behind-the-Scenes-Video zeigt WIRED, wie die Szenarien kreiert wurden und worauf es bei den limitierten Gesichtsausdrücken der LEGO-Figuren ankam.


Darauf freuen wir uns

"Prevenge" (dt. Starttermin unbekannt) – Der erste Trailer zur neuen Horror-Comedy von Multitalent Alice Lowe (Regie, Drehbuch, Hauptdarstellerin) ist da! Sie spielt eine Schwangere, die einen mordlüsternen Fötus in sich trägt und nun auf die Befehle ihres Ungeborenen hört. Die Angst vor der Stimme aus dem Bauch weicht aber schon bald dem Gefühl von Überlegenheit. Braucht nicht jeder manchmal nur einen kleinen Schubs in die richtige Richtung?

Der Trailer zeigt keine explizite Gewalt, aber ist doch nicht ohne. Also Vorsicht, wenn du zart besaitet bist!


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 13. April 2017

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