Besten Filme 2018 Flops
"In den Gängen" wurde leider viel zu wenig im Kino geschaut. | Foto: Zorro Filmverleih
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08. Nov 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: Die besten Filme 2018, die das Publikum nicht interessiert haben.

Neu im Kino: "Aufbruch zum Mond" und "Loro – Die Verführten"

"Aufbruch zum Mond" (Kinostart: 08. November 2018) – Neil Armstrong (Ryan Gosling) ist der erste Mann auf dem Mond. Doch bevor er diesen ersten bahnbrechenden Schritt auf das unerforschte und komplett menschenungeeignete Gebiet machen kann, sollen knapp zehn Jahre vergehen. In denen muss er sich vom Testpiloten in den 60er-Jahren zum echten Astronauten hocharbeiten. Der Weg ist kein leichter – bei unzähligen Missionen muss er sich bewähren. Und während andere sterben, zeigt er sich zäh und hartnäckig. Selbst als seine Familie (u.a. Claire Foy) zu zerbrechen droht, schafft er es, einen kühlen Kopf zu behalten. Keine schlechte Ausgangslage für eine derartig einzigartige Mission wie die der Apollo 11.

Die große Frage, welche sich wie ein roter Faden durch Damien Chazelles ("La La Land") Drama zieht, lautet: Warum muss der Mensch überhaupt zum Mond fliegen? Ist die Neugier die zig Opfer wert? Doch in dem knapp zweieinhalbstündigen Werk geht es nicht um das Versagen und auch nicht primär um die Wissenschaft. Alles dreht sich darum, wie man über sich selbst hinauswachsen kann. Wir lernen Armstrong auf Augenhöhe kennen – was ihn von den meisten unterscheidet, ist der beständige Wille zum Weitermachen. Aber wir bleiben den ganzen Film über in seiner Perspektive. Es fühlt sich ganz so an, als würden wir selbst im Space Shuttle hin- und hergeschüttelt werden. Als würde uns plötzlich auch sehr heiß und alles wäre fürchterlich beklemmend. Und Ryan Goslings überzeugend unerschütterliche Art tut ihr Übriges dafür, dass wir dieses Biopic so schnell nicht vergessen werden.



"Loro – Die Verführten" (Kinostart: 15. November 2018) – Italien, 2008: Staatsmann Silvio Berlusconi (Toni Servillo) ist berühmt und berüchtigt für seine ausgefallenen Feiern, für seine Sehnsucht nach noch mehr Macht und Sex. Auch Kleinunternehmer Sergio (Riccardo Scamarcio) will in der Liga von Berlusconi mitspielen und versucht mit ausschweifenden Partys dessen Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das gelingt ihm schließlich auch und noch nie dagewesene Exzesse entbrennen daraufhin. Aber während Berlusconi bald erneut nach der Position des Ministerpräsidenten strebt, wächst gleichzeitig die Verachtung für ihn in der Gesellschaft. Selbst engste Vertraute wenden sich gegen ihn.

Dieser Film ist ein einziger Rausch. Schon mit dem Oscar-Highlight "La Grande Bellezza – Die große Schönheit" bewies der italienische Starregisseur Paolo Sorrentino seinen scharfen Blick auf die Hedonisten seines Landes. Er portraitiert wie kein anderer. Seine Szenerien könnten High-Fashion-Magazinen entspringen, die Musik ist epochal und die wenigen Dialoge entfalten zunächst eine satirische Note und lassen erst dem Nachdenkenden ihren Tiefgang erkennen. Der Film zehrt ohne Ende an den Nerven, malt damit aber eben auch ein perfektes Bild der politischen Lage. Kurz gesagt: außen hui, innen pfui.

Thema der Woche: Die besten Filme 2018, die am wenigsten geschaut wurden

Wir haben bereits die ersten Novembertage geschafft – Grund genug, um mal zu schauen, was uns das Kinojahr 2018 so gebracht hat. Und da fällt vor allem auf: Einige, eigentlich überall hochgelobte Werk, haben die Kinosäle nicht so gerockt wie andere. Aber warum laufen manche Filme richtig gut im Kino und warum andere weniger? Ein Blick auf die einzelnen Filmperlen, die zu echten Losern an den Kinokassen wurden, verrät uns mehr.

1. "Isle of Dogs – Ataris Reise"

Wenn ein neuer Streifen von Regiestar Wes Anderson anläuft, gibt es kein Halten mehr – sollte man zumindest meinen. Schließlich lieben Kritiker seine detailreichen Filme, Menschen gehen an Halloween als Charaktere aus "Die Royal Tenenbaums" verkleidet vor die Tür. Aber nicht einmal der Umstand, dass das Stop-Motion-Animationswerk die diesjährige Berlinale eröffnete, schien nachhaltig anregend auf die Kinogänger zu wirken. Der Story um den zwölfjährigen Atari Kobayashi, der heimlich nach Trash Island reist und dort seinen geliebten Hund Spots sucht, wurde gemieden. Lediglich 121.000 Zuschauer trauten sich hinein.

Echt schade, denn der Film hat alles, was einem so gefällt: Viele Vierbeiner, eine kleine Liebesgeschichte, Sozialkritik (es wird gezeigt, wie manipulierbar die Menschen sind) und dazu noch ein bisschen Coming of Age. Ein Grund für das Schmähen dieses Wes Andersons könnte aber sein, dass es sich auf den ersten Blick um einen vermeintlich kindergeeigneten Film handelt – erst der zweite macht deutlich: Das hier ist auf jeden Fall eher etwas für Ältere. Die Düsternis ist ganz sicher nichts für ganz junge Menschen. Aber die Liebe für’s Detail ist mal wieder ungeschlagen!



2. "In den Gängen"

Noch ein Berlinale-Film, der an den meisten Leuten vorbeigegangen sein müsste. Hier spielt Franz Rogowski einen schweigsamen jungen Mann, der in einem Großmarkt anfängt zu arbeiten. Dort gewöhnt er sich schnell ein und lernt die Eigenarten aller Mitarbeiter kennen – insbesondere Marion (Sandra Hüller) hat es ihm angetan. Woran liegt es, dass dieses Kammerspiel weniger ankam als beispielsweise ein neuer Til-Schweiger-Film? Na gut, der Vergleich mag zu krass sein. Aber es ist doch so: Ruhige, zurückhaltende deutsche Filmhelden haben es schwer. Es werden auch vor allem die deutschen Produktionen groß beworben, die auch mit lauten, prolligeren Hauptdarstellerpaketen aufwarten können. Und die Welt des Großmarkts ist wohl nicht so sexy wie beispielsweise das Aufeinanderprallen von alten Bekannten bei einem Klassentreffen.

Aber auch wenn eine Besucherzahl von 104.000 etwas anderes sagt – sollte man wenigstens im Heimkino dem Drama von Thomas Stuber eine zweite Chance geben. Denn hier sind die Charaktere wirklich einmal umfassend beleuchtet und wirken dadurch dreidimensional. Die Geschichte ist rührend und haut zum Schluss regelrecht um. Ein echter Jahresfilm.

3. "I, Tonya"

Richtig schlimm sieht auch die Bilanz für das Biopic "I, Tonya" aus. Nur 108.000 Zuschauer konnten ausgemacht werden. Dabei präsentiert sich Margot Robbie hier in der Rolle ihres Lebens – als Eiskunstläuferin mit 200 Prozent Leidenschaft und einem 300 Prozent losen Mundwerk ist sie wirklich kaum wieder zu erkennen. Und für ihre Film-Mutti Allison Janney gab es sogar den Oscar als Beste Nebendarstellerin. Was könnten also die Gründe dafür sein, dass das Drama gemieden wurde wie abgelaufener Käse?Zum einen haben wir Deutschen nicht so eine ausgeprägte Passion für Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichten. Und zum anderen wird Eiskunstlauf nicht gerade groß geschrieben bei uns. Es ist nicht der Massensport. Und wir fühlen nun mal alle gern im Kino mit – vielleicht wäre die Story mit Fussballern für die große Menge interessanter gewesen? Aber auch bei diesem Werk sollte erneut ein Blick riskiert werden. Neben der Vermischung aus wahren Ereignissen, Spekulationen und einfach urwitzigen Einschüben lernt man auch sehr viel über Charakterbildung und was wirklich zählt im Leben.



Fazit: Zahlen Schmahlen. Die Nummer, die hinter einem Kinofilm steht, sagt noch lange nichts über die Qualität aus. Es gibt unzählige Gründe, warum ein Film weniger gut als andere performt. Dass es nicht das riesige Kinojahr 2018 war, kann allein an dem genialen Sommer liegen, den wir in Deutschland hatten. Wer will da schon ständig ins Kino rennen? Dann doch lieber noch eine Runde unter freien Himmel mit Freunden die warmen Monate genießen! Oder aber es liegt daran, dass uns die Geschichten nicht mehr berühren. Man kann nur hoffen, dass anhand von Besucherzahlen nicht alles entschieden wird – also ob zum Beispiel von dieser Art Film weitere produziert werden oder nicht. Oder was für Gagen SchauspielerInnen zukünftig erhalten. Und in jedem Fall lohnt sich das Schauen dieser drei wirklich unfassbar guten Kinofilme aus dem Jahr 2018!

Streaming-Perle: "Mein letztes Video"

"Mein letztes Video" (Verfügbar bis 30. Oktober 2019 in der 3sat-Mediathek) – Anton Großmann alias Reyst lebt nach dem Motto: "Träume sind da, um verwirklicht zu werden." Für den YouTuber mit 400.000 Abonnenten heißt das jetzt seinen ersten eigenen Spielfilm anzugehen. Dafür macht er nach sieben Jahren Schluss mit dem Vloggen. YouTube bedeutet für ihn aber die Welt und so fragen sich die Dokumentarfilmer Andreas Bolm und Gerd Breiter, wie sein Leben ohne tägliche Kicks und Klicks verlaufen wird und wie langlebig der Ruhm eines YouTubers eigentlich ist.

Darauf freuen wir uns: "Isn’t It Romantic"

"Isn't It Romantic" (deutscher Kinostart: unbekannt) – Manchmal wäre es doch ganz schön, wenn das Leben nicht immer so stinknormal, sondern ein bisschen mehr wie so eine kitschige, romantische Komödie wäre, oder? Natalie (Rebel Wilson) könnte auch etwas bessere Zeiten vertragen. Aber als sie sich dann tatsächlich in so einer leuchtend-perfekten Parallelwelt wiederfindet, geht ihr das doch zu weit. Alles ist zu rosarot und irgendwie zu leicht. Wie sie aus dieser Nummer wieder rauskommt, will man nur allzu gern herausfinden!


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