Nur Gott kann mich richten
Moritz Bleibtreu in "Nur Gott kann mich richten". | Foto: Constantin Film
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01. Feb 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: Moritz Bleibtreu will nicht immer nur Problemfilme machen

Filmicum in der KW 05/06 im Überblick:

Neu im Kino

"The Disaster Artist" (Start: 01. Februar 2018)

"Wind River" (Start: 08. Februar 2018)

Thema der Woche

Moritz Bleibtreu über den deutschen Film

Rekordverdächtig

"Black Panther" erzielt Rekord beim Ticketvorverkauf

Streaming-Perle

"Die Fälscher" (Verfügbar bis 04.02. in der ZDF-Mediathek)

Darauf freuen wir uns

"Ant-Man And The Wasp" – (02. August 2018)

Neu im Kino

"The Disaster Artist" (Start: 01. Februar 2018) Greg (Dave Franco) wäre gerne ein richtiger Schauspieler. Einer, der mutig ist und Gefühle vor anderen zeigen kann. Deshalb heftig er sich an Tommy (James Franco), einem komplett furchtlosen Typen, den er im Theaterkurs trifft. Dieser bringt ihm eine Menge über Angstfreiheit bei und die beiden werden echte Freunde. Zusammen wollen sie schließlich ihren Traum von einer Hollywoodkarriere verwirklichen, indem sie ihren eigenen Film schreiben, umsetzen und ins Kino bringen. Denn wieso darauf warten, dass andere einem die perfekten Jobs geben?

Die Geschichte klingt einfach nur ausgedacht. Aber die Komik an dem Film ist, dass er auf einer wahren Story beruht. James Franco, der auch die Regie übernahm, hat viele der Szenen direkt von dem Originalfilm namens "The Room" übernommen. Dieser hat mittlerweile übrigens den Ruf des schlechtesten Kinofilms aller Zeiten. Darin funktioniert dramaturgisch, schauspielerisch und logisch rein gar nichts. Aber Kult ist Kult. Und Francos Version der ungewöhnlichen Freundschaft und des noch ungewöhnlicheren Films, könnte ebenfalls schnell ziemlich gehypt werden.

"Wind River " (Start: 08. Februar 2018) – Als im frostigen US-Bundesstaat Wyoming die Leiche eines 18-jährigen Mädchens gefunden wird, ist die Polizei überfordert. Deshalb wird aus Florida Jane Banner (Elizabeth Olsen) dazugerufen. Sie soll den Fall klären. Aber die noch unerfahrene FBI-Agentin muss sich auch erst mal an die (Wetter-)Umstände gewöhnen. Der Jäger Cory Lambert (Jeremy Renner) bietet sich ihr als Helfer an – schließlich kannte er die Tote und hat sie auch im Indianerreservat vorgefunden. Doch die Ermittlungen gestalten sich trotzdem als immer schwieriger und die Begebenheiten als bedrohlich.

Wer die preisgekrönten "Sicario" und "Hell Or High Water" von dem Drehbuchautoren Taylor Sheridan gesehen hat, weiß sofort, dass auch dieser Thriller eiskalt sein wird und Anspannung pur mit sich bringt. Dieses Mal besetzte Sheridan auch gleich noch den Regiestuhl, was dem Werk wohl nur noch mehr Dichte gibt. Die Dialoge und Szenerien sind extrem minimalistisch, dafür ist die Handlung umso verworrener. Aber auf eine sehr gute Art und Weise. Hier präsentiert sich nichts so, wie es zunächst scheint. Ein wahnsinnig aufregender Film im Zwiebellook. 


Thema der Woche

Was geht zurzeit im deutschen Film? Das wollten wir ganz dringend von Moritz Bleibtreu wissen. Also trafen wir uns mit ihm zum Interview. Der Schauspieler lässt sich gerade wieder mit "Nur Gott kann mich richten" im Kino blicken. Ein Thriller, den er selbst als einen "Film über Helden, die Träume und Ziele haben und die das Falsche tun, aber das Richtige wollen" beschreibt. Es ist ein mutiges Werk – und zwar vor allem, weil es mal zur Abwechslung keine Wackelkamera und Gesellschaftskritik in den Vordergrund stellt. Dabei wird dem deutschen Film nachgesagt, er habe genau diese zwei Dinge nur allzu gerne im Gepäck. Bleibtreu stört sich daran: "Ich finde, dass ein Film auch manchmal ohne die sozialkritische Rechtfertigung auskommt."

Auf Unterhaltung statt auf ein schlechtes Gewissen abzuzielen – das hat schon was mit Innovation zu tun und gibt es selten im deutschen Kino zu sehen. Woran das liegt? "Es ist eben keine Komödie, die eine gewisse Lokalpower hat und die über gemeinsame Sprache und Witze funktioniert. Dadurch haben Komödien ein Momentum, das Massen ergreifen und ins Kino locken kann. Alle anderen Projekte leben aber vom Produktionswert. Bei Sci-Fi und Thrillern wird es da ganz schnell dünn. Denn der Point of Sale ist der Gleiche, aber die Herstellung variiert um Hunderte von Millionen. Deshalb hatten wir mit unserem Film einen schweren Stand. Es ist generell nicht leicht mit den Mitteln, die einem bei deutschen Produktionen zur Verfügung stehen, etwas zu erschaffen, das dem Hollywoodkino nahekommt, mit dem wir groß geworden sind."

Weiter erklärt er: "Hollywoodkino darf unterhalten, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Aber wenn wir etwas machen, was politisch oder sozial relevant ist, trauen wir uns nicht mehr so wirklich darüber zu lachen. Wir tun uns außerdem schwer damit, Leute aus den eigenen Reihen zu bewundern. Das hat sicher mit der Gebrochenheit der kulturellen Identität in Deutschland zu tun. Und das wird wohl auch in den nächsten Generationen so bleiben. Aber es ist schade, dass wir nicht mehr über uns lachen können. Es bremst das Entertainment aus. Hier würde ein "Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke" beim großen Showdown nicht gut ankommen. So etwas geht im Land der Dichter und Denker nicht."

Eine Erkenntnis, die traurig macht. Die aktuelle Lage der Filmlandschaft scheint eingeschränkter denn je. Moritz Bleibtreu hat uns im Gespräch aber nicht nur die negativen Seiten, sondern auch die positiven Aussichten für alle aufgezählt: "Die Streamer machen wirklich gute Sachen, die auch international mithalten können, indem sie viel Geld in ihre Sachen pumpen. Sie zeigen, dass auch Special-Interest-Themen viel geschaut werden können. Außerdem haben sie die Serienstruktur als Kunstform entdeckt. Die für Serien geltenden Regeln wurden mittlerweile aufgelöst. Serien sind jetzt Filme. Die Geschichten darin dürfen nun auch komplex und über viele Episoden erzählt werden, es ist kein Ausschlusskriterium mehr. Darauf haben wir Schauspieler natürlich auch mehr Bock. Ich habe mich dem beispielsweise mit "Schuld" wieder angenähert."

Während das Kinogeschäft also einem Knochenjob gleicht, lassen die vielen Streamingdienste die unterschiedlichsten Genrefilme, -serien und -formate erst richtig aufblühen. Ein Stand, der Hoffnung macht. Genauso wie der Umstand, dass sich doch immer mal wieder Filmstudios auch auf ungewöhnliche Sachen wie "Nur Gott kann mich richten" einlassen. Den kann man sich übrigens schon seit dem 26. Januar im Kino anschauen.


Rekordverdächtig

Bis zum Kinostart von "Black Panther" ist es in Deutschland wie auch in den USA noch zwei Wochen hin. Doch schon ab Mitte Januar konnte man sich in Amerika via Onlinestore Fandango Kinotickets für den Superheldenfilm sichern. Und da stellte sich heraus, dass darauf eine ganze Menge richtig Bock hat: Binnen der ersten 24 Stunden wurden so viele Karten verkauft, wie für keinen anderen Marvel-Film je zuvor. Bisher hielt "Captain America 3" den Rekord. Wenn der Black Panther wirklich so gefragt ist, müsste er jetzt wohl idealerweise in jedem neuen Sequel von Marvel vorkommen – das würde Fans glücklich und das Filmstudio wirklich unanständig reich machen.


Streaming-Perle

"Die Fälscher" (Verfügbar bis 04.02. in der ZDF-Mediathek) – Im Zweiten Weltkrieg wurden KZ-Häftlinge gezwungen, die Banknoten der wichtigsten Kriegsgegner zu fälschen. Eine unfassbare Geschichten, die dennoch auf wahren Begebenheiten basiert. Mit dabei: August Diehl, Devid Stresow und Karl Markovics.


Darauf freuen wir uns

"Ant-Man And The Wasp" – (02. August 2018) – Es ist nun schon der zweite Solo-Film für Ant Man alias Scott Lang (Paul Rudd). Also muss nicht beim Urschleim begonnen werden und wir dürfen uns ganz der Action widmen (na gut, ein bisschen Liebe und Freundschaft wird wohl auch thematisiert).

Schon im Trailer werden riesige Gebäudekomplexe auf der Flucht in eine handliche Würfelgröße geschrumpft, Autos minieren und breiten sich plötzlich wieder in Verfolgungsjagden auf. Der Ameisenmann pumpt sich auch mal so auf, dass er auf Menschenmassen herunterschaut, als wäre sie nur eine süße Playmobilwelt. Das müsste wirklich ein Blockbuster sein, der sogar noch einige innovative Actionsequenzen zu bieten hat.


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 15.02.2018.

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