Filme mit Powerfrauen
Saiorse Ronan in "Lady Bird": Sieht so eine Siegerin aus? | Foto: Universal Pictures Germany
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23. Nov 2017

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: Powerfrauen dominieren schon jetzt die Oscars 2018

FILMICUM in der KW 47/48 im Überblick:

Neu im Kino

"Battle of the Sexes – Gegen jede Regel" (Start: 23. November 2017)

"Coco – Lebendiger als das Leben" (Start: 30. November 2017)

Thema der Woche

 

Oscars 2018: Diese Frauen sind jetzt schon die Gewinnerinnen

 

Rekordverdächtig

 

International Emmy Award für "Familie Braun" (Verfügbar bis 30. März 2018  in der Mediathek)

 

Streaming-Perle

 

"Blind & Hässlich" (Verfügbar bis 13. Dezember 2017 in der Mediathek)

 

Darauf freuen wir uns

 

"Easy" – Staffel 2 (Startet bei Netflix am 01. Dezember 2017)

 


Neu im Kino

"Battle of the Sexes – Gegen jede Regel" (Start: 23. November 2017) – Back to the 70s, als es mit der Gleichberechtigung der Frauen noch nicht sehr weit her war und sich selbst eine Profi-Tennisspielerin wie Billie Jean King (gespielt von Emma Stone) jede Menge chauvinistische Sprüche anhören musste. Männer verdienten bei dem Sport wesentlich mehr als Frauen, was King unbedingt ändern wollte. Der ehemalige Wimbledon-Sieger Bobby Riggs (Steve Carell) fand das so anmaßend und amüsant zugleich, dass er sie zu einem Match, einem Battle of the Sexes, herausforderte.

Der Titel ist schon ziemlich plakativ, das Biopic stellt sich aber zum Glück als vielschichtiges, dramatisches wie auch witziges Stück Geschichte heraus. Das US-Regieduo Jonathan Dayton und Valerie Faris hat schon mit "Litte Miss Sunshine" bewiesen, dass es Tragik und Komik ganz wunderbar unter einen Hut bekommt. Und auch ihr neuer Film wechselt gekonnt zwischen den Stimmungen, bleibt dabei spannend und präsentiert so perfekt einen überaus wichtigen Moment der Feminismus-Bewegung.

"Coco – Lebendiger als das Leben" (Start: 30. November 2017) – Miguel liebt Musik. Eine Tatsache, die man in seiner Familie gerne verdrängt. Seitdem sein Ururgroßvater für eine Musikerkarriere Frau und Tochter verlassen hat, ist alles, was mit Noten zu tun hat, Tabu. Doch Miguel kann einfach nicht ohne und als er aus Versehen ins Reich der Toten gelangt und dort auf die äußerst musikalischen Seelen seiner Verwandten trifft, muss er auch nicht mehr ohne.

Ein Animationsfilm, der alle anderen Animationsfilme in den Schatten stellt. Von Pixar kennt man ja nur visuell Überragendes, aber dieser Kinofilm setzt technisch noch mal eins oben drauf. Auch der folkloristische Ansatz ist etwas völlig Neues in der Disneywelt. Dies ist ganz sicher nicht nur ein Film für Kinder!


Thema der Woche: Filme mit Powerfrauen

Eilmeldung: Selbsthass und höfliche Zurückhaltung waren gestern. In den aktuellen Kinofilmen finden sich Frauen selbst ziemlich gut. Ja, sie stehen sogar für sich ein. Und dafür braucht es nicht mal unbedingt einen neuen Mann an ihrer Seite, der ihnen zu extraordinären Höhenflügen verhilft. Nein, sie sind super drauf. Und das lässt natürlich auch die guten Riecher der Academy auf die Filme und insbesondere auf die Frauen in den Hauptrollen aufmerksam werden. Also Vorhang auf für die geballte cineastische Frauenpower!

Da wäre zum einen Saiorse Ronan. Bis zu den Oscars, die am 4. März 2018 verliehen werden, sollte man lernen diesen Namen auszusprechen (Service-Hinweis: Saiorse klingt laut gesagt wie "Zirscha"). Denn in "Lady Bird" spielt sie einen Teenager mit rosanen Haaren und einer guten Portion Selbstbewusstsein. Dazu ist sie auch noch klug, extravagant und sich ihrer Schwächen derart bewusst, dass sie diese als Stärken zu nutzen weiß. Nix stilles Mäuschen. Klingt doch ziemlich gut, oder? Genau so einen Film hat die Award-Saison gebraucht.

Kein Wunder, dass auf dem Regiestuhl eine Frau saß. Und zwar Greta Gerwig, die bisher selbst meist als Schauspielerin (zum Beispiel in "Frances Ha") in Erscheinung trat. Dies ist nun ihre zweite Regiearbeit und die ist so direkt und angstfrei, dass man sie dafür lieben muss. Leider haben wir uns bis zum 19. April 2018 zu gedulden, bis wir den Coming-of-Age-Film auf großer Leinwand bewundern dürfen.

Aber auch Margot Robbie und Allison Janney sollte man sich schon mal als Gewinnerinnen bei den Oscars notieren. Die zwei mimen in "I, Tonya" Tochter und Mutter. Beide nehmen kein Blatt vor dem Mund und stehen zu sich sowie ihren Fehlern.

Dass es sich bei dem brutalen Eiskunst-Biopic nicht gerade um ein nachahmungswürdiges Märchen handelt, wird zügig deutlich. Dennoch gibt es nicht häufig so ein Powerfrauenduett dieser Siegerklasse im Kino zu sehen. Bei uns startet das ungewöhnliche Sportdrama am 1. März 2018.

Die richtige Richtung wurde mit "Wonder Woman" eingeschlagen, der im Juni 2017 in Deutschland anlief. Damit war ein Superheldinnenfilm geboren, wie es zuvor noch keinen gab. Und tatsächlich zeigte sich das auch schnell an den Kinokassen. Denn Gal Gadots Solofilm hatte den besten Kinostart eines Superhelden-Franchises überhaupt.

Und was macht Wonder Woman nun so besonders, selbst für die Oscars? Sie hat ein ganz anderes Geschlechterverständnis. In ihrer Welt sind Frauen die Macherinnen ­– ohne Frage! Keine Heimchen am Herd. Und wenn ein Krieg herrscht, wird niemand vorgeschickt. Man zieht selbst an die Front. Ach und die Typen um sie herum lassen sie auch ziemlich kalt. 

Die Frage ist, ob sich daraus auch zukünftig ein generell stärker ausgeglichenes Frauen-Männer-Verhältnis in Hollywood ergeben wird. Bisher waren die Regisseurinnen eher rar gesät. Aber das Patty Jenkins mit "Wonder Woman" den zweiterfolgreichsten Film (nach "Die Schöne und das Biest") in den USA gemacht hat und Greta Gerwig mit ihrem "Lady Bird" weit vor Veröffentlichungstermin schon für so viel Furore sorgt, sind gute Vorzeichen.

Die Filmindustrie benötigt hinsichtlich der Frauenrollen auf jeden Fall mehr Diversität. Es braucht mehr richtige Hauptrollen für sie und dazu auch aus wirklich allen Genres. Wir wollen nicht mehr nur die überforderte Hausfrau, die Irre in der Psychiatrie oder die mit der Affäre. Wir wollen Frauen unabhängig von Männern sehen und wir wollen die Geschichten aus Frauenperspektive geschrieben plus erzählt haben.

Rekordverdächtig

Bevor die Oscars und Golden Globes vergeben werden, fanden bereits am 20. November 2017 die International Emmy Awards statt. Hier wird geehrt, wer in der Fernsehlandschaft auftrumpft. Und das konnte nun die deutsche Miniserie "Familie Braun" (verfügbar bis 30.03. in der ZDF-Mediathek). Das vom ZDF produzierte Format hat tatsächlich die Trophäe als Beste Serie eingesackt! Schon unglaublich, denn in den acht Folgen geht es um zwei Neonazis, die sich wiederwillig um ein schwarzes Kind kümmern müssen. Alles auf gaggig gemacht, aber wer hätte gedacht, dass dieses Witzlevel auch global verstanden werden kann?


Streaming-Perle

"Blind & Hässlich" (Verfügbar bis 13.12. in der ZDF-Mediathek) – Ferdi (Tom Lass) weiß nie so genau, welches Verhalten sich eigentlich gehört. Zum Glück trifft er auf Jona (Naomi Achternbusch), die ihn genau dafür schätzt. Ihr Problem: Um eine Wohnung zu bekommen, hat sie sich als Blinde ausgegeben und ausgerechnet in dieser Rolle auch Ferdi kennengelernt. Eine deutsche Tragikomödie, die absolut einzigartig ist!


Darauf freuen wir uns

Endlich geht "Easy" in die zweite Runde! Schon die erste Staffel bestach durch kluge und (schwarz-)humorige Dialoge, viele aufregende Schauspieler und vor allem jeder Menge Situationen, die direkt aus dem Leben gegriffen zu sein scheinen. Bei Part II geht es wohl genauso weiter. Unter anderem mit dabei: Dave Franco, Kiersey Clemons, Michael Chernus und Marc Maron.

Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 07. Dezember 2017.

Artikel-Bewertung:

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