Happy End Kinostart
"Happy End" von Michael Haneke startet in dieser Woche im Kino | Foto: X Verleih
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12. Okt 2017

David Streit

Filme

Film-News: Der Sexismus in Hollywood erreicht neue Dimensionen

FILMICUM in der KW 41/42 im Überblick:

Neu im Kino

"Happy End" (Start: 12. Oktober 2017)
"The Square" (Start: 19. Oktober 2017)

Thema der Woche

Die Debatte um Harvey Weinstein

Rekordverdächtig

So viel Zeit verbringen wir mit unseren Lieblingsserien

Streaming-Perle

"Drawn Together" (Dauerhaft verfügbar in der Mediathek von Comedy Central)

Darauf freuen wir uns

"Star Wars 8: Die letzten Jedi" (Kinostart: 14. Dezember 2017)


Neu im Kino

"Happy End" (Start: 12. Oktober 2017) – Filme von Michael Haneke stellen stets das Schlechteste am Menschsein in den Vordergrund. In seinem neuesten Werk sucht er das Drama im Kreise einer bürgerlichen Familie, die sich im Vergleich zu anderen Leiden auf der Welt eigentlich über nichts beschweren kann. Und doch bröckelt es gewaltig – in der gemeinsamen Firma, zwischenmenschlich und überhaupt. Während die einen von der finanziellen Gier geplagt sind, wollen andere ihre sexuellen Gelüste ausleben oder ihrem Leben gänzlich ein Ende setzen.

Haneke baut das Portrait dieser Familie gewohnt analytisch auf. Das zeigt sich vor allem darin, dass er die Figuren ganz ruhig in ihren eigenen Untergang laufen lässt. Ruhig deswegen, weil er komplett auf den Einsatz von Filmmusik verzichtet und dadurch eine regelrechte Empathielosigkeit entwickelt. Das lässt Raum für das Ensemble um Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Mathieu Kassovitz und Toby Jones. Auf das titelgebende "Happy End" sollte man jedoch nicht wirklich warten.


"The Square" (Start: 19. Oktober 2017) – Bei den Filmfestspielen von Cannes gab es für das Drama bereits die höchste Auszeichnung, die Goldene Palme. Zu Recht! Denn die Abrechnung mit der Kunstszene ist ein dramaturgischer Geniestreich.

Im Mittelpunkt steht Museeumskurator Christian (Claes Bang), der sich zwar selbst ganz toll findet, aber dem nach und nach alle Zügel aus den Händen entgleiten. Die Werbekampagne für das neue Ausstellungsstück "The Square" geht nach hinten los und auch privat gibt es reichlich Turbulenzen.

Nun gilt es für Christian bloß nicht den Überblick zu verlieren. Doch das kann einfach nicht klappen! Denn nach einem metaphorischen Brand folgt bereits der nächste und jegliche Löschversuche machen es eigentlich immer nur noch schlimmer.

Der Film tut mehr weh als so mancher Horrorfilm, weil man so richtig mit ihm mitfühlt – aber nicht immer Mitgefühl entwickelt. Dieser Zwiespalt macht "The Square" zu einem großartigen Kinoerlebnis.


Thema der Woche

Seit einigen Jahren beklagen Hollywood-Stars wie Jennifer Lawrence und Jessica Chastain bereits die Ungerechtigkeit im Umgang mit Frauen in der Filmbrache. Sie verdienen weniger als ihre männlichen Co-Stars und oftmals gibt es nicht einmal ansprechende Drehbücher, in denen sie zeigen können, wozu sie im Stande sind. Doch nun wird diese Diskussion von einem noch viel schlimmeren Vorfall überschattet. Denn in den letzten Tagen haben sich immer mehr Schauspielerinnen zu Wort gemeldet, die im Castingprozess belästigt wurden und damit einen noch viel größeren Horror erleiden mussten.

Wie die New York Times vor einer Woche als erstes berichtete, soll der Oscar-prämierte Produzent Harvey Weinstein in seiner langen Karriere gleich mehrere Frauen sexuell bedrängt haben – darunter Gwyneth Paltrow ("Shakespeare in Love"), Ashley Judd ("Die Bestimmung – Divergent") und Rose McGowan ("Charmed"). Außerdem wurde bekannt, dass er gleich acht Frauen ein Schweigegeld ausgezahlt haben soll, damit sie sich nicht an die Polizei wenden. Seine Masche sei dabei immer dieselbe: Erst lotste er die jungen Schauspielerinnen zu sich, um ein neues Werk zu besprechen, dann setzte er sie einem so ungeheuren Druck aus, dass sie ihm am Ende bei der Selbstbefriedigung zusehen mussten oder er sie zu Oralsex zwang. Sollten sie ablehnen, drohte er mit dem sofortigen Karriereende.

Harvey Weinstein ist inzwischen aus der von ihm uns seinem Bruder Bob gegründeten Produktionsfirma "The Weinstein Company" ausgeschieden und hat öffentlich beteuert seine "Dämonen" bekämpfen zu wollen. Die polizeiliche Aufklärung geht jedoch erst jetzt richtig los. Damit beginnt nun auch für die vielen Opfer ein langer Prozess der medialen Aufarbeitung. Und ganz Hollywood zeigt sich geschockt: Man habe zwar von Weinstein gewusst, dass er ein Chauvi sei, jedoch niemals mit solchen Ausmaßen gerechnet. Oder wurde das Thema einfach zu Lange unter den Teppich gekehrt?

Tatsächlich kann man sich bei der Schwere der Vorwürfe gar nicht vorstellen, dass der Produzent von "Der englische Patient" und "Pulp Fiction" so lange mit seinem Verhalten durchkam. Doch die Realität ist wohl, dass Männer ihre Machtpositionen viel zu oft missbrauchen.

"Girls"-Schöpferin Lena Dunham wies zu Recht darauf hin, dass derartige Vorfälle zu jeder Zeit in allen Branchen vorkommen. Und wir schließen uns ihrem Appell an, dass wir alle noch viel mehr Acht aufeinander geben müssen, damit Straftäter konsequent verurteilt werden können und sich Missbrauchsopfer nicht länger dafür schämen müssen, ihre Geschichten öffentlich zu machen.


Rekordverdächtig

Seit wir Serien am Stück streamen, ist schon so manches lange Wochenende für unsere Lieblingsserien ins Land gestrichen. Auf der Website Bingeclock.com können wir die Gesamtlaufzeit jetzt endlich mit einer genauen Zahl belegen. Somit wissen wir nun, dass wir für alle Folgen von "Breaking Bad" ganze zwei Tage und 14 Stunden aufgebracht haben.

Es geht aber noch länger: Wer alle Folgen der Simpsons sehen will, braucht stolze 12 Tage, 22 Stunden und 30 Minuten. Bereit für den nächsten Serien-Marathon?


Streaming-Perle

"Drawn Together" (Dauerhaft verfügbar in der Mediathek von Comedy Central) – In dieser Reality-Show wohnen Superhelden, Prinzessinnen und Pokémons in einer komplett schrägen WG zusammen. Die Cartoon-Charaktere müssen grenzwertige Challenges meistern und dabei noch irgendwie den Alltag miteinander aushalten. Die Staffeln 1 bis 3 laufen gratis online!


Darauf freuen wir uns

"Star Wars 8: Die letzten Jedi" (Kinostart: 14. Dezember 2017) – Es ist schon fast zwei Jahre her, dass uns Mark Hamill wieder in seiner Rolle als Luke Skywalker versprochen wurde. Denn in der Abschlussszene von Episode VII hat ihn Protagonistin Ray (Daisy Ridley) in seinem selbstgewählten Exil gefunden. Nun endlich wird auch seine Geschichte weitererzählt!

Der erste Trailer für Teil 8 der Sternensaga macht große Lust auf das neue Abenteuer – und stellt uns auch eine neue Rasse vor. Die "Forbs" haben große Kulleraugen und sehen aus wie Furbys. Und das Internet hat sie sogleich ins Herz geschlossen.


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 26. Oktober 2017

Artikel-Bewertung:

3.37 von 5 Sternen bei 19 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 18. Okt 2017 um 21:51 Uhr von Karin Rudat
gern dabei, vielleicht habe ich Glück